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Jagd nach Plan mit einigen Neuerungen

Di, 14. Sep. 2021
Morgenstimmung auf der Jagd. FOTO: BRUNO KERNEN

Innerhalb von drei Tagen waren die 15 freigegebenen Hirschstiere erlegt. Die Jagd auf das Kahlwild war bis Redaktionsschluss noch offen.

BLANCA BURRI
Die Jagd hat im Saanenland einen guten Ruf. Die einheimischen Jäger retten im Frühling Rehkitze und räumen auf abgelegenen Alpen Drahtzäune weg, an denen sich das Wild verletzen könnte. Sie helfen Bauern, die im Frühjahr und Vorsommer Wildsauschäden zu beklagen haben, die Wiesen wieder instandzustellen. Im Herbst schliesst sich dann der Kreis: Hirsche, Gämsen, Rehe, Wildschweine, Füchse, Dachse und Murmeltiere werden erlegt. Damit tragen die Jäger zur Regulierung des Bestandes und zur Gesundheit der Tiere bei. Als Spezialitäten zubereitet gelangt das Wildfleisch in traditionellen Restaurants auf die Menükarte und in privaten Haushalten auf den Tisch. Geweihe zieren stolz die Hausfassaden der Jäger. Ebendiese Jagd hat am 2. August mit der Wildschweinjagd und am 1. September mit der Rothirschjagd begonnen.

Alle Hirschstiere innerhalb von drei Tagen erlegt
Nach nur drei Tagen war das Abschusssoll des Hirschstiers bereits erfüllt. «Ich war erstaunt, dass trotz Schönwetterlage so viele Hirsche innerhalb von so kurzer Zeit erlegt wurden», sagt Werner Dänzer, Präsident des Jagd- und Wildschutzvereins Saanenland. Er wertet es als gutes Zeichen dafür, dass die Jagd effizient ist und so die Störung des Wildes durch die Jagd minimiert wird. In früheren Jahren zeigten sich die Hirsche bei Hitze und Sonnenschein seltener, denn sie verweilten in den kühlen Einstandsgebieten – hauptsächlich, wenn das Futter ausserhalb des Einstandsgebiets schlecht war. Das Jägerherz erfreut sich nicht nur an den kapitalen Hirschen, die wegen des Geweihs beliebt sind. Das Fleisch von jüngeren Tieren ist zarter und schmackhafter. Werner Dänzer selbst erlegte einen ungeraden Zwölfender, ein Stier mit einem Geweih, das auf der einen Seite fünf Enden und auf der anderen Seite sechs Enden hat.

Neu nur eine Gämse in Grundfreigabe
Parallel zur Hirschjagd wurde am vergangenen Freitag die Hochjagd eröffnet, bei der Gämsen und Murmeltiere im Fokus stehen. Die Grundfreigabe beinhaltete bis vor einem Jahr zwei Gämsen und ein Murmeltier, neu nur noch je ein Tier. «Der Berner Jagdverband hat sich dafür eingesetzt, weil sich die Jäger diese Anpassung gewünscht haben. Es ist schön, hat der Kanton reagiert», lobt Werner Dänzer. Die Jagd auf zwei Gämsen ist weiterhin mit einem Zusatzpatent möglich. Mehr als zwei Gämsen darf ein Jäger jedoch nicht erlegen.

Der Wolf ist da, aber …
Im Saanenland ist der Wolf kein Unbekannter, Sichtungen und genetische Nachweise lassen vermuten, dass sich ein männliches Tier angesiedelt hat. Trotzdem meint der Präsident des Jagdund Wildschutzvereins Saanenland: «Der Wolf ist im Moment gebietsweise noch nicht sehr präsent.» Diese Aussage stützt er auf seine Beobachtungen. Das Wild, vor allem der Hirsch, sein Beutetier Nummer eins, hat das Verhalten in letzter Zeit nicht geändert. Wäre das Wild eingeschüchtert, würde es sich ins Unterholz verziehen, statt mit den ersten Sonnenstrahlen auf Wiesen und Matten zu äsen.

Anstieg der Abschussrate von fünf auf 50 Hirsche
Nach der Ausrottung in der Schweiz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kehrte der Hirsch in den Nullerjahren ins Saanenland zurück. Der Bestand erholte sich allmählich und exakt vor elf Jahren gab der Kanton im Wildraum 13, zu dem das Saanenland gehört, erstmals fünf Hirsche frei. Der König des Waldes vermehrte sich trotz Jagd, sodass heuer erstmals 50 Tiere erlegt werden dürfen: 15 Hirschstiere und 35 Stück Kahlwild. Dieselbe Anzahl darf im Wildraum 12, zu dem Abländschen und das stockhornseitige Simmental gehören, gejagt werden. Die Hirschjagd ist bis zum 20. September offen.

Neben dem Hirsch sind auch Wildschweine vermehrt in der Gegend anzutreffen. Sie sind sehr geschickt und kaum vor den Gewehrlauf zu kriegen. Hansueli Zurbuchen hatte deshalb Glück, dass er wie im vergangenen Jahr wieder ein Wildschwein erlegte.

Die Steinwildjagd ist die Krönung jeder Jägerlaufbahn. Die Anzahl der freigegebenen Tiere ist tief. Deshalb wird der Jäger, der mehr als 15 Hochjagdpatente gelöst hat, per Verlosung ausgewählt. Dieses Jahr fiel ein Los unter anderem auf den kantonalen Hegeobmann Johnny von Grünigen aus Saanen. Er darf eine Steingeiss und einen Steinbock erlegen.


GLOSSAR

Hirschstier: männlicher Hirsch
Kahlwild: weibliche und junge Hirsche ohne Geweih
Einstandsgebiet: Rückzugsort im Unterholz
Hochjagd: Jagd in den Bergen auf Gämsen, Steinwild etc.
Steinwild: Steinbock und Steingeiss

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Kommentare

Am wichtigsten jedoch bei Gerichten vom toten Wildtier sind Gewürze und tagelanges Einlegen – wer will schon, dass der Aasgeschmack durchschlägt?

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