Grosse Ehre für die Ferienregion Gstaad: Die Saaner Brücke – im Volksmund auch scherzhaft «Inderbrücke» genannt – ist offiziell in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Ausschlaggebend war ein einzigartiges kulturelles ...
Grosse Ehre für die Ferienregion Gstaad: Die Saaner Brücke – im Volksmund auch scherzhaft «Inderbrücke» genannt – ist offiziell in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Ausschlaggebend war ein einzigartiges kulturelles Phänomen mit internationaler Strahlkraft.
SONJA WOLF
Was Einheimische seit Jahren beobachten, ist nun auch international anerkannt: Die Saaner Brücke besitzt «einen aussergewöhnlichen universellen Wert», wie das Unesco-Welterbekomitee in seiner Medienmitteilung als Begründung schreibt – und wurde somit offiziell in die Liste der Weltkulturstätten aufgenommen.
Die Kandidatur war vom Schweizer Bundesamt für Kultur (BAK) eingereicht worden. Angestossen worden war das Dossier jedoch bereits vor einigen Jahren auf regionaler Ebene – in enger Zusammenarbeit mit Gstaad Saanenland Tourismus, der die besondere Bedeutung der Brücke früh dokumentiert hatte (zu den Aufnahmekriterien siehe Kasten).
So kam es zum Kult
Im Zentrum steht ein Bollywood-Filmklassiker aus dem Jahr 1995: «Dilwale Dulhania Le Jayenge» – unter Fans kurz DDLJ genannt. Das Kultmusical, dessen Titel auf Deutsch etwa «Wer zuerst kommt, kriegt die Braut» bedeutet, enthält eine Tanzszene, die auf der Brücke über die Saane beim Bahnhof Saanen gedreht wurde.
Was zunächst wie eine gewöhnliche Filmszene erschien, entwickelte sich über die Jahre zu einem aussergewöhnlichen Phänomen. DDLJ läuft seit 1995 ununterbrochen in einem Kino in Mumbai – eine weltweit einzigartige Erfolgsgeschichte. Generationen von Kinobesucherinnen und -besuchern haben den Film gesehen, viele mehrfach.
Besonders ikonisch ist dabei die Szene an der Saaner Brücke mit den Hauptdarstellern Shah Rukh Khan und Kajol Devgan, die Fans aus aller Welt als Vorlage dient: Jährlich pilgern Dutzende, vor allem indische Besucherinnen und Besucher, nach Saanen, um die Kulisse mit eigenen Augen zu sehen und sich in derselben Pose fotografieren zu lassen.
Die Unesco würdigt dieses Phänomen als «einzigartige Verbindung von Filmkultur, Tourismus und gelebter Begeisterung über Generationen hinweg». Besonders hervorgehoben wird die Kontinuität: «Kaum ein Ort weltweit kann auf eine derart ungebrochene Besuchertradition zurückblicken.»
Stimmen aus der Region
Tourismusdirektor Flurin Riedi sagt dazu auf Anfrage: «Die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe ist eine grosse Ehre für die Ferienregion Gstaad. Die ‹Inderbrücke› steht exemplarisch für die internationale Ausstrahlung unserer Destination.» Man gehe davon aus, dass der Anteil indischer Gäste dadurch leicht zunehme. «Dank unseres Konzepts zur Besucherlenkung sind wir aber gut vorbereitet und können die Ströme nachhaltig steuern», so Riedi weiter.
Ein Platz unter den ganz Grossen
Mit der Aufnahme reiht sich die «Inderbrücke» in eine exklusive Liste ein, zu der unter anderem die Altstadt von Bern, die Pyramiden von Gizeh oder die Chinesische Mauer gehören. Für Besucherinnen und Besucher ändert sich vorerst wenig – ausser, dass die Brücke künftig mit einer offiziellen Unesco-Tafel gekennzeichnet werden soll, die morgen Mittwoch in einem kleinen Festakt angebracht wird.
Der öffentliche Festakt findet morgen, 1. April, um 11 Uhr an der Brücke von Saanen statt.
SO WIRD EIN ORT ZUM UNESCO-WELTERBE
Die Aufnahme in die Liste des Unesco-Welterbes erfolgt nach einem klar geregelten Verfahren:
– Vorschlag durch das Land: Staaten können eigene Stätten nominieren.
– Vorprüfung: Die Kandidatur muss auf einer nationalen Vorschlagsliste stehen.
– Expertenbewertung: Fachorganisationen prüfen die Bedeutung der Stätte.
– Entscheid: Das Unesco-Welterbekomitee mit 21 Mitgliedsstaaten entscheidet einmal jährlich.
Zentral ist der sogenannte «aussergewöhnliche universelle Wert». Eine Stätte muss mindestens eines von zehn Kriterien erfüllen – etwa als bedeutendes Kulturerbe oder als einzigartiges Zeugnis menschlicher Geschichte.
SWO