Gedanken zur SRG-Initiative
20.02.2026 LeserbriefeWollen wir das wirklich? Wollen wir, dass wie in den USA alle Medien, die nicht gleicher Meinung sind wie der Präsident, als links und staatsfeindlich verschrien werden? Es ist so, dass alles, was nicht ganz rechts ist, halt links und daher nicht erwünscht ist. Diese Medien werden unter ...
Wollen wir das wirklich? Wollen wir, dass wie in den USA alle Medien, die nicht gleicher Meinung sind wie der Präsident, als links und staatsfeindlich verschrien werden? Es ist so, dass alles, was nicht ganz rechts ist, halt links und daher nicht erwünscht ist. Diese Medien werden unter Druck gesetzt oder totgespart. So haben all die sozialen Medien aus meiner Sicht freie Hand und können ihre oft fragwürdigen Inhalte ungehindert verbreiten. Amerikanische Verhältnisse werden wir bei der Annahme der Initiative nicht gerade haben, aber die Tendenz geht meiner Meinung nach in diese Richtung und das finde ich gefährlich.
Dass sich nun sogar die russischen Staatsmedien gemäss verschiedenen Berichten mit irreführenden Darstellungen in den Abstimmungskampf um die SRG-Initiative einmischen, ist ein richtiger Ritterschlag für die SRG. Offenbar schätzt Putin überhaupt nicht, was Korrespondenten der SRG über ihn und seinen Krieg gegen die Ukraine berichten. Das zeigt mir, wie wichtig faktenbasierter Journalismus in der heutigen Zeit ist.
Genau diese Recherchen, Fake-Checks, Nachforschungen und Produktion solcher Beiträge sind sehr aufwendig und nicht in den Produktionskosten der Nachrichtensendungen enthalten. Es ist richtig, dass die SRG besser werden und den Franken effizienter einsetzen muss, aber das ist in jeder Firma so. Wenn ich den Lohn der SRG-Direktorin mit CEOs von Banken und Pharmafirmen vergleiche, die das Volk im grossen Stil übervorteilen – wie ich finde –, ist ihr Lohn ein Trinkgeld. Zudem ist die Lohnstruktur der SRG Aufgabe der Politik, daher kann man es nicht der Direktorin vorwerfen!
Weiter haben Lokalsender wie «Radio BEO» im letzten Jahr 86 Mio. Franken aus dem Gebührentopf erhalten. Diese müssen dann ihr Angebot wohl auch zurückfahren. Weitere 30 Mio. Franken gingen an die Schweizer Musikszene. Auch die ist nicht gerade auf Rosen gebettet. Nicht alles Geld bleibt bei der SRG!
Es wird moniert, dass die Gegnerschaft mehr Mittel zur Verfügung hat. Da kann ich beruhigen. Wenn es wieder um eine «Immigrationsinitiative» geht, hat die Gegenseite wieder mehr Geld zur Verfügung.
Die SRG wird meiner Einschätzung nach auf keinen Fall die Lauberhornrennen aus dem Programm streichen. Diese haben eine viel zu grosse Strahlkraft. Aber ich glaube kaum, dass eine Curling-EM oder ein OL-Lauf im Fernsehen noch zu sehen sein werden. Somit haben viele Randsportarten keine Aufmerksamkeit, keine Werbeeinnahmen für Veranstaltungen und sind irgendwann nicht mehr attraktiv.
Wenn uns solche Anlässe interessieren, dürfen wir dann ein Pay-TV-Abo abschliessen, für das wir ein Mehrfaches als die eingesparten 135 Franken bezahlen. Und ich glaube kaum, dass auf einem solchen Kanal Randsportarten zu sehen sind. Am Schluss gibt es noch Fussball, Eishockey und Autorennen.
Für das SRG-Programm heisst das: noch mehr Wiederholungen, noch mehr Werbung und vor allem noch weniger Sendungen mit Tiefgang oder Lerninhalten. Ich denke nicht, dass es unsere Demokratie gefährdet, aber es wird sicher nicht einfacher, die Meinungsbildung zu fördern.
Das Schweizer Fernsehen hat in der Vergangenheit so manche Missstände aufgedeckt. Man denke an die Ravioli (nur für uns älteren Semester). Genau deshalb ist es heute wichtiger denn je, den Behörden, Firmen und ausländischen Mächten kritisch auf die Finger zu schauen! Das braucht Mittel – daher fände ich es fatal, gerade dort den Geldhahn zuzudrehen.
SEPP DOPPMANN, GSTAAD
