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Tourismus: Der August hat die Krise ausgetrickst

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Der Sommertrend 2009: Biken im Saanenland. Gstaad Saanenland Tourismus etabliert gerade eine Kategorie spezieller Bike-Hotels.

Allen schlechten Prognosen zum Trotz: die Sommersaison im Saanenland lief besser als erwartet. Nach einem schwachen Anfang im Juni ist die Tourismusbranche mit «einem blauen Auge davon gekommen», so Roger Seifritz, Direktor von Gstaad-Saanenland Tourismus. Das lag vor allem an dem sensationell schönen August. «Zu Beginn der Sommersaison sahen die Wolken dunkler aus», sagt Seifritz und meint damit nicht nur das regnerische Wetter im Juni. «Es lagen deutlich weniger Individualbuchungen als in den Vorjahren vor, die Anfragen von Firmen lagen mehr als 50 Prozent zurück. Die ersten beiden Sommermonate Mai und Juni bestätigen dieses Bild. Zum Glück kam es besser.»


Der Tourismusdirektor ist gar nicht unzufrieden mit dem Sommer 2009. Für den Schönwetter-August liegen ihm zwar noch keine offiziellen Zahlen vor, jedoch schätzt er, dass die Übernachtungen in etwa auf dem Vorjahresstand liegen. Über das schöne Wetter ging die Wirtschaftskrise gewissermassen in Vergessenheit. Die Bergbahnen Destination Gstaad AG lag noch im Mai und Juni mit dem Umsatz rund 20 Prozent hinter dem Vorjahresstand. Im August konnten sie diese Rückstände praktisch wettmachen – und zwar mit Rekordzahlen. «Der August war, was die Bergbahnen betrifft, der beste der letzten neun Jahre», ist Roger Seifritz selbst überrascht. Das schöne Wetter hat zu Spontanbuchungen geführt. Deutlich geworden ist allerdings, dass der ausländische Markt im Aufenthaltsbereich massiv nachgelassen hat. Dafür hat die Zahl der Schweizer Touristen zugenommen. Die Tendenz, die Ferien im eigenen Land zu verbringen, ist tatsächlich eine Folge der Rezession. Dies trifft insbesondere Länder, die vom Wirtschaftsabschwung stärker betroffen sind. «Deutlich weniger Gäste aus Deutschland und Grossbritannien haben ihre Ferien in diesem Sommer in Gstaad verbracht.» Die Strategie von GST, möglichst viele Herkunftsmärkte zu haben ohne Dominanz eines einzelnen, zahle sich gerade in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise aus. Die Hotels verzeichneten zwar im Juni und Juli einen Rückgang der Logiernächte um 8 Prozent, die Übernachtungen in Ferienwohnungen lagen allerdings gleichauf mit dem Vorjahreszeitraum. Die meisten Verluste haben die Hotels im Vier- und Fünfsternebereich gemacht. «Natürlich haben wir Einbussen gegenüber dem Vorjahr», sagt Jean-Yves Blatt, Hoteldirektor des Grand Hotel Park. «Aber man muss auch immer berücksichtigen, dass wir elf Prozent Tage weniger geöffnet haben als in der letzten Sommersaison.» Das Hotel habe in diesem Sommer etwa 14 Prozent weniger Umsatz gemacht. Das liegt vor allem daran, dass im Bereich Food & Beverages Abstriche gemacht werden mussten. Was die Übernachtungszahlen betrifft, liegt das Hotel nur 1,24 Prozent hinter dem Vorjahr. «Die Gäste konsumieren in diesen Zeiten einfach weniger.» Das Grand Hotel Bellevue sei grundsätzlich an den Wochenenden voll gewesen, berichtet Hoteldirektor Michel Wichman. Für das Fünfsterne-Haus hat sich die Strategie ausgezahlt, den Schwerpunkt auf den Schweizer Gästemarkt zu legen. «Unsere Gäste sind ohenhin zu 60 Prozent Schweizer, da sich in diesem Jahr nicht viel geändert», sagt Wichman. Als grosses Glück sieht er die zentrale Lage des Hauses. «Die Events in Gstaad haben uns viele Gäste gebracht.» Massnahmen im Bezug auf die Wirtschaftskrise hat auch Michel Wichman getroffen. Frei gewordene Stellen wurden nicht neu besetzt und Wichmans Philosophie ist es, mehr Allrounder einzusetzen. Froh ist er, dass er noch niemandem kündigen musste. Die Drei-Sterne-Hotels liegen mit minus 2,5 Prozent nur geringfügig hinter dem Vorjahresstand. Die meisten Hoteliers schwärmen vom schönen August, der noch viele Gäste gebracht hat. Das Geschäft sei eben kurzfristiger geworden, es wird mehr spontan gebucht, berichtet Markus Sprenger vom Vier-Sterne-Golfhotel Les Hauts de Gstaad. Als deutlicher Trend des Sommers hat sich gezeigt, dass die Nachfrage im Bereich Bike und insbesondere nach den Elektrobikes gestiegen ist. Die Destination möchte das Angebostfeld erweitern. Unter anderem soll eine Kategorie Bike-Hotels etabliert werden. Was den Winter betrifft, bleibt Roger Seifritz vorsichtig. Ein Glücksfall für die Tourismusbranche sei allerdings der schneestarke Winter im vergangenen Jahr gewesen. «Wenn der letzte Winterurlaub schön war, buchen die meisten Gäste direkt wieder», sagt Seifritz schmunzelnd. Für den Sommer sei Gstaad Saanenland Tourismus mit einem blauen Auge davon gekommen. 


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