Bergführergeschichten von Armin Oehrli


Armin Oehrli erzählte aus 30 Jahren Bergführerleben.

Beim dritten Abesitz des Jahres sorgte Armin Oehrli am vergangenen Mittwochabend im Saaner Landhaus mit seinem kurzweiligen Vortrag «Bergführergeschichte und -geschichten» für volle Reihen und jede Menge Stimmung. Während anderthalb Stunden unterhielt er sein Publikum mit Informativem, aber vor allem mit jeder Menge Anekdoten aus seiner über 30-jährigen Berufszeit.

Das zahlreich erschienene Publikum begrüsste Oehrli beeindruckt, aber kein bisschen eingeschüchtert mit den Worten: «Ich habe euch nicht alle erwartet», und löste damit die erste der vielen Lachsalven des Abends aus.
Der Gstaader ist im Badweidli aufgewachsen. Schon als Kind fesselte ihn das Buch des berühmten Bergsteigers Walter Bonatti, «Berge, meine Berge». «Als Schüler wollte ich in den Frühlingsferien wie Bonatti allein in den Bergen biwakieren. Ich erzählte meiner Mutter, dass ich mich nach dem Wetter erkundigt hätte und einen Freund mitnähme. Natürlich hatte ich keins von beidem gemacht, denn Bonatti hatte ja schliesslich auch allein biwakiert.» Die Nacht sei mehr als kalt gewesen, berichtete Oehrli weiter, der Sonnenaufgang dafür aber unbezahlbar.
«Bergnamen nenne ich euch nicht viele, die habt ihr sowieso in fünf Minuten vergessen», fuhr Oehrli fort. «Auch Menschen seht ihr auf meinen Fotos nicht viele. Die Frau im roten Pulli ist meine Ex-Freundin. Heute ist sie meine Frau und die Mutter meiner drei Kinder. Ich danke ihr für das Verständnis, dass sie all die Jahre hatte, wenn ich wochenlang unterwegs war.» Den Dank hat die Gattin sicher verdient, denn Armin Oehrli hat neben den unzähligen Touren mit Privatgästen im In- und Ausland mehr als 40 Wochen mit der Armee in Gebirge verbracht, ca. 70 Wochen mit Jugend und Sport und viel Zeit mit Ausbildung in Lawinenkursen. Er war 12 Jahre Obmann des Bergführervereins Saanenland und vier Jahre im Vorstand des Schweizer Bergführerverbandes. Seit einiger Zeit hat er auch die Stelle des Sekretärs in der internationalen Vereinigung der Bergführer inne, der über 6000 Bergführer angehören.
Die Beschreibung des Bergführer-Berufes gestaltet Oehrli gewohnt humorvoll: «Wir begleiten mehr oder weniger Begabte in die Berge. Wir sind Ausbilder und Berater, aber auch Abschleppseil und Seelendoktor … Die Freude in den Augen der Gäste, wenn sie wieder ein Gipfel erklommen haben, entschädigt aber für alles.»

Mehr Geschichten von Armin Oehrli finden Sie im «Anzeiger von Saanen» vom 24. November.

Foto: Tina Dosot

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