Infolge einer Stauballergie musste Werner Reuteler seine beiden Tätigkeiten als Zimmermann und Skilehrer an den Nagel hängen. Und so entschied er, auch ohne kaufmännische Ausbildung, sich für die offene Stelle als Saaner Liegenschaftsverwalter zu bewerben. Sein Vorgänger habe noch gemeint «nume de blaue Ouge d wäge», bestehe denn keine Chance, die Anstellung zu erhalten. Entgegen aller Erwartungen wurde Werner Reuteler 1975 zum neuen Liegenschaftsverwalter gewählt. So habe er während den zwei Monaten vor seiner Anstellung eine Schreibmaschine besorgt, um ein bisschen trainieren zu können. «Dr Papierverschliess isch am Afang gross usgfalle, well miner Träffer net geng uf em rächte Taschte glandet si», mochte sich Werner Reuteler erinnern. Aufmerksam und immer wieder schmunzelnd folgten die Zuhörerinnen und Zuhörer Reutelers Erzählungen und Anekdoten aus seiner Arbeit als Liegenschaftsverwalter.
Er musste sich mit vielen – häufig auch belanglosen – Problemen anderer auseinandersetzen. So musste er sich zum Beispiel gegen aufgebrachte Schulkommissionsmitglieder wehren oder durfte dem einen Schulhausabwart wertvolle Tipps geben. Zu wehren wusste er sich schon, was folgende Anekdote beweist: «Emal hani vor Oberzolldirektion e telefonischi Afrag übercho, ob sich e Gsuechssteller gmäldet heiti, wll eimu wäge emene Nolli zviel dr zähefach Betrag sigi uszahlt worde.» Er habe schon begriffen, dass derjenige am anderen Ende froh gewesen wäre, wenn er ihm gesagt hätte, er würde sich dieser Sache annehmen und sich um die Rückforderung bemühen. Er haben dem lieben Mann aber gesagt, er solle sich selbst darum kümmern, schliesslich dürfe der «glückliche» Geldempfänger auch wissen, wem dieser Lapsus passiert sei. Da er den Gesuchssteller persönlich gekannt habe, haber er sich dessen Reaktion schon im Voraus vorstellen können: «Är hätti mier nämlich gseit, da hät mu weder emal es Bispiel, was di Bürokrate für unzueverlässig Haiduke si!»
Mehr Müsterchen aus Werner Reutelers Karriere lesen Sie im «Anzeiger von Saanen» vom 17. November.
Foto: Anja Moosmann











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