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Karriere über den Wolken

D_Hooghe_0008 Dass er als Kind Pilot werden wollte, lag nahe. Schliesslich arbeitete sein Onkel als Linienpilot bei der Swissair. Doch was bei vielen anderen jungen Buben nur ein Wunsch ist, hat Jérôme d’Hooghe beharrlich verfolgt. Seit Anfang Jahr ist er im Rang eines Oberstleutnants Kommandant des Fliegergeschwaders 11 der Schweizer Luftwaffe in Payerne.


Flüge über Berge und Schnee, das Spiel von Licht und Wolken, die Alpen aus der Höhe – das alles hat Jérôme d’Hooghe schon tausend Mal gesehen. Allerdings geht es in seinem Job nicht darum, die schöne Landschaft und die Wunder der Natur zu geniessen. Wenn er mit seinem F/A-18-Jet Flughöhen bis 15 000 Meter über Meer und Überschallgeschwindigkeiten erreicht, wenn Kräfte von bis zu 7,5 g* auf ihn wirken, dann fordert das höchste Konzentration. Bei Luftkampfübungen geht es um Bruchteile von Sekunden. Jede Übung wird später genau analysiert. Beim Debriefing bleibt kein Fehler unentdeckt. «Und das ist auch gut so», sagt Jérôme d’Hooghe, «schliesslich wollen wir alle besser werden.» Auch wenn die reine Flugzeit der Piloten pro Einsatz durchschnittlich nur eine Stunde beträgt, die ganze Übung kann bis zu acht Stunden dauern. Planung und Auswertung spielen eine grosse Rolle.
Das Berufsziel Pilot war für ihn schon früh klar, dass er allerdings Karriere beim Militär machen würde, hat er nie geplant. Zuerst wollte er Linienpilot werden – wie der Onkel. «Bei der Fliegerischen Vorschule FVS, dem heutigen ‹SPHAIR›, kam dann der erste Kontakt zum Militär.» Bereits mit 17 machte Jérôme d’Hooghe die ersten Tests für seine Pilotenkarriere. Ein ausführliches Bewerbungsverfahren mit Tests über die Raumorientierung, Physik-, Technik- und Mathematikaufgaben, Konzentrationsübungen, psychologischen und medizinischen Gutachten, ist der erste Schritt zur Pilotenausbildung. «Ich habe mich damals wirklich sehr gut vorbereitet. Ich habe alles, was ich über die fliegerische Ausbildung in die Finger bekommen habe, regelrecht verschlungen», erinnert sich der 36-jährige Feutersoeyer. Nach zwei zweiwöchigen Kursen, in denen seine Fähigkeiten im Flug getestet wurden, war es dann klar: Jérôme d’Hooghe war seinem Berufswunsch einen grossen Schritt näher. Dann absolvierte er die Rekrutenschule und überzeugte auch dort bei der fliegerischen Selektion. «Das war der Moment, in dem sehr viel Druck von einem genommen wurde. Zuvor musste ich 20 verschiedene Flüge absolvieren, die ganz speziell definiert waren.»

Talent ist wichtig, Glück gehört dazu
Ein bisschen Glück, so meint er, brauche es vielleicht auch, wenn man Pilot werden wolle. «An manchen Prüfungen muss man einfach einen guten Tag haben», so der Kommandant. Bis 2004 war er Staffelpilot der Fliegerstaffel 17. Danach war der Major im Generalstab bis Ende des vergangenen Jahres für die taktische Ausbildung der Piloten in Payerne zuständig. Anfangs Jahr wurde er zum Oberstleutnant im Generalstab befördert. Er hat das Kommando über das Fliegergeschwader 11. Zum Fliegen kommt er trotzdem noch. «Das ist das Grossartige an meinem Beruf. Ich organisiere gern und ich fliege natürlich gern und nun kann ich beides miteinander verbinden», so der Vater einer Tochter und eines Sohnes. Dass er irgendwann mal als Linienpilot arbeitet, hat er zwar nicht ganz ausgeschlossen, doch sei die Tätigkeit beim Militär bedeutend familienfreundlicher. «Die Wochenenden habe ich in der Regel frei», sagt d’Hooghe, der mit seiner Familie in Courgevaux lebt. Von diesen freien Wochenenden verbringe er mindestens zwei im Monat im Saanenland, sagt er schmunzelnd. «Im Winter  sind wir bestimmt jedes zweite Wochenende da.»
D’Hooghe sitzt in seinem Büro in Payerne, er blickt nach draussen, wo es diesig ist und die Wolken tief hängen und sagt: «Kein Wunder oder? Im Saanenland scheint einfach öfter die Sonne.»

Gewappnet für alle Fälle

Mindestens einmal im Jahr begleitet er eine Gruppe von Piloten zu Auslandskampagnen. Dann trainieren die Kampfpiloten Flüge, die in der Schweiz weniger gut geübt werden können. Beispielsweise tiefe Überschallflüge. In diesem Jahr geht es nach Norwegen. Dort können auch die langen Nächte im Winterhalbjahr zu Hilfe genommen werden, um intensives Nachtflugtraining durchzuführen. Um eine gute und zeitgemässe Luftverteidigung sicher zu stellen, müssen die Piloten alle möglichen Szenarien  – und deren gibt es viele – bei Tag, Nacht und in schlechtem Wetter trainieren. «Das Flugzeug muss in allen Dimensionen beherrscht werden», sagt d’Hooghe. Ein jährliches Überlebenstraining gehört auch für die Piloten dazu. Die ersten Male sei das natürlich besonders abenteuerlich, «man ist ziemlich aufgeregt, aber mit der Zeit wird man bedeutend sicherer und diese Trainings machen dann auch in gewisser Weise Spass.» Zum Beispiel müssen die Piloten für einen Absturz auf See gewappnet sein.

Wunder der Technik

Doch damit ein Flugzeug abstürzen würde, müssten schon mehrere Fehler gleichzeitig passieren. Die Mechaniker überprüfen die Flugzeuge akribisch, bevor die Piloten damit in die Luft gehen. Sollte doch einmal etwas passieren, katapultiert der Schleudersitz die Piloten aus dem Cockpit. «Extrem gefährliche Situationen habe ich glücklicherweise nie erlebt», sagt d’Hooghe. «Kritische Situationen gibt es allerdings immer wieder. Beispielsweise laufen Kreuzungen zwischen Flugzeugen im Luftkampf sehr schnell ab.» Dank gutem Training und vor allem auch besonders guten Simulatoren kämen Unfälle heute selten vor. «Das war in den 80er-Jahren noch anders. Da hat es pro Jahr zwei Unfälle gegeben», sagt d’Hooghe. In den Simulatoren werden Bilddaten von Lasern projiziert – täuschend echt sieht das aus. Ein Wunder der Technik scheint auch der Helm der Piloten zu sein. Auf dem rechten Sichtfeld ist ein Computerbildschirm integriert. Doch all die technischen Neuerungen nützen nichts, wenn die Piloten nicht trainiert sind. Wenn die Gravitationskräfte wirken, der Pilot in den Sitz gedrückt, sein Körper gestaucht wird und auf der Wirbelsäule ein enormer Druck lastet. das Blut aus dem Kopf in den Körper schnellt, dann muss er rechtzeitig Gegenmassnahmen einleiten. Deswegen wird auch regelmässig die körperliche Fitness der Piloten überprüft. «Vor allem die Rumpfmuskulatur muss ausgeprägt sein», sagt d’Hooghe.
Gebraucht werden Lufteinsätze nicht nur in Verteidigungssituationen, sondern beispielsweise auch im täglichen Luftpolizeidienst oder bei der Übergabe eines suspekten Flugobjektes an die Luftwaffe eines Nachbarlandes. Ein komisches Gefühl sei es dennoch, täglich im Grunde für etwas zu trainieren, wovon man doch hoffe, dass es nie eintritt, sagt d’Hooghe.

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