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Herzlicher Empfang für Stefan Karnusian

Karnusian_1972 Die Enttäuschung über den 6. WM-Rang war nach der langen Fahrt von Cortina d’Ampezzo verflogen und Stefan Karnusian genoss den herzlichen Empfang, den ihm «seine Curlingfamilie» in Gstaad bereitete.


Empfang_1966
«Wir Curler sind wie eine Familie», sagt Stefan Karnusian. Und auf die Unterstützung seiner Curlingfamilie konnte sich der Skip vom Team St. Moritz vor, während und nach der WM in Cortina d’Ampezzo verlassen. Etliche Schlachtenbummler aus dem Saanenland haben  ihn und sein Team in Cortina tatkräftig und lautstark – samt Alphorn – unterstützt und am Montagabend wurde er von gegen 30 Personen in der Curlinghalle in Gstaad herzlich empfangen. Keine Spur von Enttäuschung war bei den «Familienmitgliedern» zu spüren. «Ein sechster Platz an einer WM ist eine super Leistung», so der Tenor.
Etwas differenzierter sieht Stefan Karnusian seine Leistung und die seines Teams. Persönlich habe er mehr erwartet, gar mit einer Medaille geliebäugelt. Man sei sehr enttäuscht, wenn es schlecht laufe. «Aber irgend einmal muss man akzeptieren, dass man nicht die beste Woche hat.» Aber letztlich sei er doch zufrieden, mit seinem Team in der vorderen Hälfte der Rangliste klassiert zu sein. «Wir haben immerhin Deutschland, Frankreich und China, die alle an Olympia dabei waren, hinter uns gelassen.»

Folgenschwere Niederlage zu Beginn der WM
Curling sei ein Stimmungsspiel, so Karnusian, und viel sei abhängig vom ersten Spiel – und das ging aus Schweizer Sicht nicht gut aus. «Während wir unter unserem Niveau spielten, hat Dänemark gegen uns sein bestes Spiel des Turniers gezeigt», so Karnusian. «Jeder Stein war perfekt, während unsere Steine unpräzis waren und wir auch Wischfehler machten.»
Es folgten – trotz besserem Spiel – Niederlagen gegen die USA und Kanada. «Wir waren nahe dran, lagen jeweils sogar voraus – aber am Schluss hatten unsere Gegner die glücklichere Hand.» Die Oberhand behielt das Schweizer Team gegen Deutschland und Frankreich. «Das waren gute Matches, auch spielerisch», so Karnusian. Mit 7:1 nach sechs Ends ging das Spiel gegen Norwegen hingegen klar verloren. Im Weiteren verbuchten die Schweizer einen Sieg gegen Italien und eine Niederlage gegen China. «Gegen China haben wir die wichtigen Steine – die Key-Shotts – nicht gebracht», so Karnusian. «Wenn man diese bringt, ist man top, sonst meistens flop …» Japan gelang nach neun Niederlagen der erste Sieg ausgerechnet gegen die Schweiz. Mit einem Sieg im letzten Spiel am Donnerstagabend gegen den nachmaligen Bronzemedaillengewinner Schottland gelang den Schweizern ein versöhnlicher Abschluss.
Karnusian ist aber nicht nur ein guter Curler, er spielt auch leidenschaftlich gerne Alphorn. Sehr zur Freude der Zuschauer und Gegner hat er dies nach dem Sieg gegen Schottland mit einem Ständchen auf dem Eis auch gleich bewiesen.

«Nicht über uns hinausgewachsen»
Letztlich rangierte das Team St. Moritz mit dem Skip aus Saanenmöser auf dem sechsten Schlussrang. Weltmeister wurde das Team aus Kanada vor Norwegen, Schottland, USA und Dänemark. «Die WM-Teilnahme war ein guter Saisonabschluss mit durchzogener Leistung – wir hätten gerne um die Medaillen gekämpft», bilanziert Karnusian. «Wir haben so gespielt wie immer, aber wir sind nicht über uns hinausgewachsen», so die Analyse des Teams.

Rücktritt kein Thema
Er werde auf jeden Fall weitermachen, verspricht Stefan Karnusian. «In welcher Form, kommt auf meine Teamkollegen an», so der 46-jährige dreifache Familienvater und Unternehmer. Erste Gespräche hätten bereits stattgefunden und in etwa einem Monat werde man entscheiden. «Jeder macht sich Gedanken, was er noch erreichen will», so Karnusian. Er selber möchte unbedingt eine Medaille an einem internationalen Turnier gewinnen. Eine WM-Teilnahme im kommenden Jahr in Kanada wäre allein schon wegen der Zuschauerkulisse ein super Erlebnis. Und dann wären da noch die Olympischen Spiele in Sotschi 2014.

Präsident und Jugend-Obmann
Auch in der heimischen Curlinghalle ist Karnusian anzutreffen. «Ich trainiere hier und spiele in der Regel ein, zwei Turniere in Gstaad.» Im Weiteren ist er Präsident des Curlingclubs Gstaad Sweepers und als Jugend-Obmann verantwortlich für den Curling-Nachwuchs (Curling ist auch Schulsport). Vor allem Kinder von aktiven Curlern spielen Curling, so Karnusian. «Wir haben etliche Talente. Die Frage ist, wie viel Aufwand sie für ihren Sport betreiben wollen und können, um es national oder international weit zu bringen.» Dass der Aufwand beträchtlich ist, weiss Karnusian aus erster Hand. «Curling hat (noch) nicht den Stellenwert wie andere Sportarten. Die zeitliche und finanzielle Belastung ist deshalb sehr gross.»  Curling sei ein Sport für jedermann. Auch wenn Matches bis zu drei Stunden dauern und durch den Wischaufwand auch schweisstreibend sein können, braucht man weder ein guter Athlet zu sein noch muss man sonstige Voraussetzungen erfüllen – ausser Konzentrationsfähigkeit, so Karnusian. Aber wie bei jeder Sportart gilt auch beim Curling: Je früher man anfängt, desto besser lernt man es.   

von Anita Moser












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