Romantische Osterkonzerte zu Ehren von Felix Mendelssohn

In der Kirche Saanen fanden am Karfreitag und Ostersamstag die traditionellen Osterkonzerte mit dem Orchestra degli Amici und dem erweiterten Mauritius-Chor statt.

Die diesjährigen Osterkonzerte waren ganz dem grossartigen deutschen Romantiker Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847) gewidmet. In seinem viel zu kurzen Leben war er als Pianist, Organist, Dirigent und Komponist enorm aktiv. Seine Inspiration holte er immer wieder auf Bildungsreisen durch Europa, so auch 1831, wo er zu Fuss vom Genfer- bis zum Bodensee auch im Saanenland vorbeikam. Leider erwischte er sehr schlechtes Wetter, war aber dennoch sehr angetan vom Grün der Landschaft und den schmucken Holzhäusern.
Unter der Leitung von Roland Neuhaus eröffnete der Mauritius-Chor das Konzert mit der Choralkantate «Da pace domine» für Chor und Orchester. Wunderbar betteten sich die Worte «Verleih uns Frieden gnädiglich» in den runden und warmen Klang, angeführt von den tiefen Streichern. Der erweiterte Mauritius-Chor, ein fester Bestandteil der Osterkonzerte, besteht aus gut vierzig Sängern/innen aus der Region. Der Psalm 42, op. 42, «Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser», eine Kantate für Orchester, Chor und Solo-Sopran, gilt als eine der besten Kirchenkompositionen Mendelssohns.
Das Werk mit seinen sieben Sätzen entstand grösstenteils auf seiner Hochzeitsreise 1837. Als Solistin gefiel die junge österreichische Sopranistin Miriam Feuersinger mit ihrer feinen und klaren Stimme. Nach dem Eingangschor des gut vorbereiteten Mauritius-Chors überzeugte die Solistin in den zwei Arien mit sehr sicheren Höhen und einem angenehmen Vibrato. Im folgenden Dialog mit der Solistin begleiteten der Chor und das Orchester sehr subtil und es entstanden wunderbare Momente. Besonders im 6. Satz (Quintett) ergänzten sich die Sopranistin und die weichen Männerstimmen ideal und bildeten ein echtes Paar.
Das für alle Beteiligten anspruchsvolle Werk wurde von Roland Neuhaus souverän geleitet, galt es doch Solistin, Chor, Orchester und Orgel zu einem Ganzen zu vereinen, was sehr gut gelang.
Mit viel Schwung und Energie übernahm Michael Bach die Leitung des vierzigköpfigen Orchestra degli Amici mit der Hebriden-Ouvertüre, op. 26, welche der musikalische Landschaftsmaler Mendelssohn, inspiriert durch seine Reise nach Schottland, schrieb. Das Saaner «Hausorchester», bestehend aus einem Stamm von Musikern, die mit dem Saanenland verbunden sind, wird jeweils von Markus Bach für die traditionellen Oster- und Altjahrskonzerte entsprechend zusammengestellt. Die Sinfonie Nr. 5 in D-Dur/d-Moll op.107 (Reformation) bildete den Abschluss des Konzertabends. In der romantischen Sinfonie überzeugte das Orchester mit viel Spielfreude und erstaunlicher Dynamik. Nebst den Streichern und den Holzblasinstrumenten konnte sich auch das Blech mit seinen Fanfaren immer wieder in Szene setzen. Gratulation an die Maestros und alle Aufführenden für ihre Arbeit, immer wieder neue und spannende Konzerte einzustudieren.

von Philipp Reber

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