Das Hauptstück der Überreste aus dem 13./14. Jahrhundert ist eine 9 mal 9 Meter grosse und fast 12 Meter hohe Steinmauer. Überraschend ist der Fund an der Dorfstrasse, respektive im Hintergässli Saanen nicht. «Wir haben beim Nachbarhaus, dem Kleinen Landhaus, einem massiv gemauerten Haus, festgestellt, dass im hinteren Teil gegen Osten ein älterer Steinbau steckt, der gegen Osten abgewinkelt ist. Mit weiteren Mauerresten aus dieser Epoche konnte also gerechnet werden», erklärt Dr. Daniel Gutscher, Leiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern. Überraschend für den Fachmann ist hingegen die Dimension des Steinbaus. «Bauten dieser Grösse aus dem 13./14. Jahrhundert erwartet man eher auf Burgen, normalerweise beim Adel und nicht bei Handwerkern und schon gar nicht bei Landwirten. Gleich mehrere Steinbauten wie hier dicht nebeneinander aufzufinden, erfordert – soviel ist heute schon klar – ein Überdenken der frühen Ortsgeschichte.» Besonders ins Auge sticht ein Rundbogen, der bis auf die halbe Höhe zugemauert ist. «Es handelt sich hierbei weder um einen Backofen, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, noch um ein Rundbogenfenster», so Gutscher. «Es könnte eine Ladenöffnung sein. Mit den genauen Untersuchungen haben wir nun angefangen.» Auch noch offen ist, woher die eindrückliche Brandschicht auf dem Boden stammt. «Die Brandschicht muss nicht zwingend vom grossen Brand stammen, der um 1550 wütete», so Gutscher. «Es können auch Zeitzeugen einer lokalen Katastrophe in einem Handwerksbetrieb, zum Beispiel einer Schmiede, sein.» Das Rätsel lüften werden entsprechende Analysen der Überreste im Labor. Der Archäologische Dienst ist mit einem Team von drei Leuten vor Ort. Parallel dazu gehen die Bauarbeiten weiter, wenn auch nach einem reduzierten Bauprogramm. «Wir kommen gut nebeneinander vorbei. Dank guten Gesprächen mit den Vertretern der verschiedenen Bauherrschaften und den Bauunternehmern gelingt es, dass die Bauarbeiten nicht komplett unterbrochen werden müssen», lobt Martin Portmann, technischer Leiter des Archäologischen Dienstes, die gute Zusammenarbeit aller Involvierten. Direkt betroffen sind zwei ineinander verschachtelte Häuser mit zwei verschiedenen Besitzern. Während das Haus mit der Front zur Hauptstrasse Vera Michalski gehört – sie ist auch Besitzerin des frisch renovierten Kleinen Landhauses – ist der Hausteil mit der Front zum Hintergässli im Besitz von Marvin Rosenblatt. Beide Häuser werden um-, respektive neu gebaut. Im Erdgeschoss zur Dorfstrasse hin wird es wieder ein Ladenlokal geben. «Die historischen Überreste zeigen, dass es im Dorf Saanen im 13./14. Jahrhundert eine ganze Gruppe von Steinbauten gegeben hat», sagt Gutscher. «Es wäre schön, wenn man auch in Zukunft etwas von dem alten Dorfteil sehen würde. Wenn konkrete Resultate vorliegen, werden wir die Öffentlichkeit entsprechend informieren», verspricht Gutscher.
Saanen: weitere Zeitzeugen aus dem 13./14. Jahrhundert
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