«Hommage» an Yehudi Menuhin

Mo, 18. Jul. 2016

Yehudi Menuhin würde dieses Jahr 100-jährig. Dem Menuhin-FestivalGründer zu Ehren gibt es im Museum der Landschaft Saanen eine Ausstellung mit Impressionen zum Leben und Wirken des grossen Meisters und seiner Familie.

ANITA MOSER
Initiant der Ausstellung «Saaner Hommage – 100 Jahre Yehudi Menuhin» ist Rolf Steiger. «Nur dank seiner grossen, langjährigen Sammeltätigkeit über das Leben und Schaffen von Sir Yehudi Menuhin war diese Ausstellung überhaupt möglich», betonte Stefan Jaggi, Präsident des Museums der Landschaft Saanen, am vergangenen Freitag anlässlich der Vernissage. «Wir bewundern dein grosses Wissen über das Leben unseres Ehrenbürgers und sind dankbar, dass du dieses mit dem Menuhin Center und nun hier mit der Ausstellung weitergibst und somit sein Andenken so öffentlich pflegst.» Er selber sei neunjährig gewesen, als das erste Konzert in der Kirche Saanen stattgefunden habe, kramte Stefan Jaggi in Erinnerungen. Musiklehrer Franz Würsten habe ihnen damals in der Schule die klassische Musik nähergebracht. «Wir konnten auch schon Proben besuchen», so Jaggi.
Die Ausstellung zusammenzustellen, sei gar nicht so einfach gewesen, plauderte Dr. Rolf Steiger aus dem Nähkästchen. Zwei Welten – jene des Sammlers und des Künstlers – seien aufeinandergeprallt. «Der Künstler beurteilt und macht eine Ausstellung mit den Augen und der Sammler würde viele Sachen hertragen …», sagte Steiger. «Es war eine spannende Auseinandersetzung.»

Das Leben und Wirken des Humanisten und Geigers
Entstanden ist eine interessante Ausstellung über das Leben und Wirken des Festivalgründers und seiner Familie, aber auch zur Entwicklung des Menuhin Festivals. So ist ein Part der 60-jährigen Festivalgeschichte gewidmet. In einer Schauvitrine sind die Programme der ersten 40 Jahre ausgestellt. «Sehr eindrücklich der Anfang mit den schlichten Bildern der Kirche und dann der berühmte Scherenschnitt von Christian Schwitzgebel, das Markenzeichen eines Festivals, das stetig gewachsen ist.» Wesentlich sei für ihn auch gewesen, einen Einblick in die Familiengeschichte zu geben, so Steiger. So gibt es Fotos von der Familie, vom Chalet – das leider nicht mehr stehe – oder vom berühmten Heuschober für die Yoga-Übungen. «Für den Heuschober kämpfen und wehren wir uns», betonte Steiger. Ausgestellt ist auch die Geige, die Menuhin während seiner zweiten Chinareise 1982 geschenkt bekam. Speziell an dieser Geige ist die Schnitzerei auf der Schnecke: ein Abbild des Kopfes des Meisters. In den Vitrinen und an den Wänden sind viele weitere Erinnerungsstücke, Fotos, Souvenirs usw. ausgestellt.

Ein besonderes Ausstellungsstück ist das stumme Klavier. «Im Menuhin-Chalet gab es einen Geiger, aber einige Pianisten – es gab einfach zu viele Pianisten und so hat man das stumme Klavier, das Practiboard angeschafft», erklärte Steiger unter dem Gelächter der zahlreichen Anwesenden.

Schwerpunkt Yoga
Mit Yoga in Berührung kam Yehudi Menuhin nach einer Schaffenskrise. Ab 1951 nahm er Einzelunterricht bei B.K.S. Iyengar, der zu einem engen Freund wurde. Die indische philosophische Lehre war für Menuhin ein gutes Mittel zur Konzentrationssteigerung. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden denn auch die Yoga-Aufnahmen mit seinem indischen Yogalehrer aus Puna. Brigitte Bögli, im Saanenland geboren und aufgewachsen, hat den Yoga-Meister kennen gelernt, sie hat bei ihm Kurse besucht und sich zur Iyengar-Yogalehrerin ausbilden lassen. Er sei ein sehr strenger Lehrer gewesen, betonte Bögli und erzählte von ihren Begegnungen mit dem Guru. «Bei jedem seiner Besuche in der Schweiz war es sein Wunsch, ins Saanenland zu fahren. Bei seinen Spaziergängen durch Gstaad wollte er immer das Haus von Menuhin sehen.» Auf den Spuren ihres Grossvaters habe 2014 auch Abijata, seine Enkelin, das Saanenland besucht und sei sehr enttäuscht gewesen, das Haus von Menuhin nicht mehr vorzufinden. «Die tiefe Freundschaft zwischen Yehudi Menuhin und B.K.S. Iyengar, ihr Vertrauen, Respekt und ihre Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit», betonte Bögli. «Und sie liebten beide Birchermüesli.»

Enkel trifft auf Erinnerungen
An der Vernissage anwesend waren auch Mitglieder der Familie Menuhin. Interessiert schaute sich Lin Fou-Menuhin, Enkel von Yehudi Menuhin, zusammen mit seiner Gattin Xiaoqing Zhang und seiner Mutter Zamira Benthall-Menuhin in der Ausstellung um und entdeckte zu seiner grossen Überraschung und Freude auf einem der Fotos auch seinen Vater, einen Pianisten aus Schanghai. Staunend betrachtete er die Yoga-Aufnahmen, die seinen Grossvater in den «unmöglichsten Verrenkungen» zeigen. Nein, er praktiziere kein Yoga, meinte er lachend.

Die Ausstellung «Saaner Hommage – 100 Jahre Yehudi Menuhin» im Museum der Landschaft Saanen dauert noch bis 16. Oktober


GRATIS YOGA-SCHNUPPERKURSE

Yehudi Menuhin war ein grosser Anhänger von Yoga, die indische Lehre war eine seiner Kraftquellen. Das Gstaad Menuhin Festival offeriert deshalb im Jubiläumsjahr Einheimischen und Gästen Gratis-Schnupperkurse. Auch den Studenten der Academies legen die Verantwortlichen diese Gratis-Yoga-Schnupperkurse ans Herz. Yoga sei ein gutes Mittel zur Konzentrationssteigerung. Die Kurse, angeboten von lokalen Yogalehrerinnen, finden in der Woche vom Montag, 8. August bis Freitag, 12. August statt. Die Kurse sind für die Teilnehmenden gratis, die Kollekte geht an den Instrumentenfonds der Musikschule SaanenlandObersimmental. PD/ANITA MOSER

Yoga-Angebot: Mo./Di./Do./Fr. von 8. bis 9.15 Uhr im Hotel Ermitage Schönried. Bei schönem Wetter am Mittwoch von 16 bis 17.15 Uhr am Lauenensee. Anmeldungen unter 033 748 81 82 oder info@gstaadmenuhinfestival.ch

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