Albert Bach verzichtet auf eine Kandidatur

  14.07.2016 Saanenland

Gemeindepräsident Albert Bach (SVP) zieht sich aus der aktiven Politik zurück: Er wird bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst aus geschäftlichen Gründen nicht zur Wiederwahl antreten.

ANITA MOSER
Am Sonntag, 23. Oktober finden in Saanen die Gesamterneuerungwahlen für die Legislaturperiode 2017 bis 2020 statt. Wahlvorschläge können bis Freitag, 22. Juli um 12 Uhr eingegeben werden.
Gewählt wird an diesem Sonntag auch der Gemeindepräsident. Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Aldo Kropf (FDP) auf Ende Oktober 2015 hat der damalige Vizepräsident Albert Bach das Amt bis Ende 2015 ad interim übernommen. An der Urnenwahl vom 29. November wurde er mit einem hervorragenden Resultat für den Rest der Legislatur (bis Ende 2016) gewählt. Sein Gegenkandidat, Martin Hefti von der SP, war chancenlos. Mit der Wahl von Albert Bach stellt die SVP zum ersten Mal nach 23 Jahren wieder den Gemeindepräsidenten. Nun hat Albert Bach entschieden, am 23. Oktober auf eine Kandidatur zu verzichten.

Herr Bach, weshalb stellen Sie sich am 23. Oktober nicht zur Wiederwahl?
In unserem Betrieb steht ein Generationenwechsel an, mein langjähriger Geschäftspartner zieht sich Ende März 2017 aus dem Betrieb zurück. Ich möchte mich deshalb wieder vermehrt ums Geschäftliche kümmern.

Wie schwer oder wie leicht ist Ihnen der Entscheid gefallen, auf eine Kandidatur zu verzichten?
Ich habe nie damit gerechnet, dass ich jemals als Gemeindepräsident zum Zug komme. Ich hatte mich immer darauf eingestellt, dass ich mich Ende 2016 aus der aktiven Politik zurückziehe. Nach dem vorzeitigen Rücktritt von Aldo Kropf hatte sich die Ausgangslage geändert.

Aber Sie haben das Amt gerne ausgeübt? Ja, ich war gerne Gemeindepräsident. Das Amt ist aber nicht zu unterschätzen. Es ist herausfordernd, aber es gibt auch viel Schönes.

Was hat Sie am meisten gefordert?
Als Gemeindepräsident ist man viel mehr im Fokus denn als Gemeinderat, lehnt sich mehr zum Fenster hinaus. Als Präsident steht man zwischen dem Volk, dem Gemeinderat und der Verwaltung, man ist erster Ansprechpartner, auch für die Medien.

Als Präsident steht man mehr in der Öffentlichkeit. Wie haben Sie das erlebt?
Die Öffentlichkeitsarbeit habe ich in der Tat etwas unterschätzt. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber das ist auch ein hoch interessanter und sehr spannender Teil des Amtes. Man trifft viele interessante Leute und man kann viel mehr Einfluss nehmen.

Haben Sie sich verändert?
Ich denke nicht. Mir war und ist wichtig, mich selber zu bleiben, nicht in eine Rolle zu schlüpfen. Ich habe stets versucht, das Beste für das Saanenland und für die Bevölkerung zu machen.

Was hat Ihnen speziell gefallen?
Der Kontakt mit den Leuten und mit der Verwaltung. Vonseiten des Verwaltungsdirektors und von den drei Abteilungsleiterleitern wurde ich sehr unterstützt. Ohne diese Unterstützung hätte ich das Amt nicht ausüben können. Und auch die Zusammenarbeit mit meinen Gemeinderatskolleginnen und -kollegen ist sehr gut. Es ist eine «gfällige» Zusammensetzung momentan.

Aber es gab schon Meinungsverschiedenheiten?
Selbstverständlich. Aber trotz Meinungsverschiedenheiten und manchmal harten Diskussionen: Es bleibt fair und es geht immer um die Sache. Und man ist nicht nachtragend. Das schätze ich sehr.

Was waren die grössten Herausforderungen?
Herausfordernd sind vor allem grosse Projekte wie Les Arts Gstaad oder Swiss Alpine Village in Saanenmöser. Mit der Gründung der Marketing GmbH – sie ist für die Vermarktung der Ferienregion Gstaad zuständig – konnte vor kurzem ein wichtiges Projekt abgeschlossen werden.

Auf was sind Sie besonders stolz?
Der Kanton Bern verlangt eine Destinationsverdichtung. Auf der anderen Talseite ist man nun daran, die Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg AG (TALK AG) aufzugleisen. Es haben nun – auf meine Initiative hin – Gespräche zwischen den Verantwortlichen der TALK und des GST stattgefunden. Man hat signalisiert, dass man mehr zusammenarbeiten will. Was daraus wird, werden wir sehen.

Sie wären , wenn ich Sie richtig interpretiere, eigentlich dafür, dass Gstaad Saanenland Tourismus zusammen mit AdelbodenLenk-Kandersteg als eine Destination auftritt?
Heute ist das sicher noch eine Illusion, aber ich bin überzeugt: in 20 Jahren ist es eine Region. Deshalb ist die Annäherung zwischen den beiden Destinationen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Besuch des Gesamtbundesrates vergangenen Freitag ist sicher ein Highlight in Ihrer Amtszeit?
Ganz bestimmt. Ich hatte das Glück, dass der Besuch in meine Amtszeit fiel.

Sie sowie Hans und Hanspeter Dänzer aus dem Abländschen haben mit dem Gesamtbundesrat in Abländschen ein einstündiges Gespräch geführt. Worüber haben Sie gesprochen?
Es ging bei diesem Gespräch vor allem um die Thematik «Randregionen» allgemein, aber auch spezifisch über unsere Region, zum Beispiel über die Landpreise und die Gegensätze zwischen Dörfern wie Abländschen und Gstaad. Wir haben angeregt über die Landwirtschaft, die Raumplanung, die Bergbahnen usw. und konkret über Abländschen, über Abwanderung, die fehlende Schule und Feuerwehr gesprochen. Hauptthema war das ungelöste Problem mit der Käsereigenossenschaft. Bundesrat Alain Berset war als ehemaliger Präsident der Schweizerischen Vereinigung zur Förderung der AOC/IGP diesbezüglich bestens im Bild.


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