Ein Licht für die Schweiz: So feierte das Saanenland den 1. August
04.08.2023 SaanenlandSaanen: Kein Umzug, kein Feuer, aber trotzdem schön
Weder Umzug, noch Feuer: Die 1.-August-Feierlichkeiten fanden aufgrund des unsteten Wetters im Saal des Hotels Landhaus statt. Obschon sämtliche ...
Saanen: Kein Umzug, kein Feuer, aber trotzdem schön
Weder Umzug, noch Feuer: Die 1.-August-Feierlichkeiten fanden aufgrund des unsteten Wetters im Saal des Hotels Landhaus statt. Obschon sämtliche Freiluftfestivitäten abgesagt wurden, fand der Nationalfeiertag in Saanen einen würdigen Rahmen.
KEREM S. MAURER
Petrus meinte es am diesjährigen 1. August mit den Saanerinnen und Saanern nicht wirklich gut und liess es am Dienstag immer mal wieder regnen. Grund genug für die organisierenden Kulturkommission Dorf Saanen und Dorforganisation Saanen, kurzerhand die Festivitäten entweder in den grossen Saal des Hotels Landhaus zu verlegen oder ganz abzusagen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass sämtliche Dorforganisationen aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Tierwohls auf das Abbrennen von offiziellen Feuerwerken verzichtet haben.
Würdige Feier im Saal
Der Saal war gut gefüllt. Die Seeländer Jugend Brass Band, die aktuell bereits zum 21. Mal im Musiklager in Schönried weilt, sorgte unter der Leitung ihres Dirigenten Glenn Van Looy mit jugendlich frischen, dynamischen und beherzten Auftritten für einen gelungenen Auftakt und die passende Begleitung zu der Nationalhymne – die von den Anwesenden stehend gesungen wurde. Das Alphornduo «La Grue» mit Dominik Ziörjen und Philippe Chevalier rundeten die musikalischen Darbietungen mit lebendigen und mitunter auch ungewöhnlichen Alphornklängen ab.
Mehr Unabhängigkeit vom Ausland
Als Festredner erinnerte Nationalrat Erich von Siebenthal an die christlichen Grundwerte der Schweiz, an denen auch in Zukunft festgehalten werden müsse. Und er warf einen Blick zurück auf die Coronazeit. Der Nationalrat wand der Landesregierung ein Kränzchen, die – obschon sie, wie er einräumte, viele Fehler gemacht habe – die Pandemie im internationalen Vergleich mit eher moderaten Massnahmen überwunden hätte. Gerade die schwierige Situation mit der Beschaffung der Masken hätte offenbart, wie ungünstig sich eine zu starke Abhängigkeit vom Ausland auf unser Land auswirke. Diese Abhängigkeit, insbesondere hinsichtlich Nahrungsmittel und Energie, gelte es in Zukunft zu verringern. Bei seinem Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen distanzierte sich Erich von Siebenthal ausdrücklich von der Idee, Waffen in die Ukraine zu liefern. Zu gross sei die Gefahr, dadurch selber zwischen die Fronten der Grossmächte zu geraten, mahnt er. Zum Schluss seiner engagiert vorgetragenen Rede bezog sich Erich von Siebenthal auf die erste Strophe der Nationalhymne, in der es heisst: «Betet, freie Schweizer, betet!». Noch seien wir tatsächlich freie Schweizer, sinnierte der Nationalrat und wünschte, dass man sich in der Europafrage genügend Zeit lasse und sich wirklich gut überlege, wie es mit der Schweiz weiter gehen soll. Von Siebenthal zeigte sich überzeugt, dass überall da, wo gebetet werde, auch mit der Regierung des betreffenden Landes etwas Positives geschehe.
Saanen sagt merci
Zum Ende der Feierlichkeiten überreichte Niclas Baumer in seiner Funktion als Präsident der Dorforganisation Saanen dem Nationalrat, der im Herbst nach 16 Jahren zurücktreten wird, ein Präsent mit der Aufschrift «Saanen sagt merci!» Mehr müsse man dazu nicht sagen, fand Baumer.
Im Anschluss an die Feier im Landhaus gab es Vereinzelte, welche die Gunst der trockenen Stunde nutzten und Fackeln entzündeten. Mit leuchtenden Lampions und glänzenden Kinderaugen zogen sie entweder in Richtung Campingstrasse oder Dorfplatz davon. Auch wenn die Entscheidung der Verantwortlichen, alle Freiluftaktivitäten abzusagen bei vielen der Anwesenden auf Verständnis traf, gab es auch jene, die den Entscheid nicht nachvollziehen konnten. Allen Menschen recht getan, ist tatsächlich eine Kunst, die niemand kann.
Lauenen: Von stolzen Jungbürgern und einer starken Dorfgemeinschaft
Stolz sind sie, Lauener zu sein. Und machten bei der Jungbürgerfeier noch kräftig Werbung für ihr Dorf: die sieben 18-Jährigen, die anlässlich der 1.-August-Feier in Lauenen in die Gemeinschaft der mündigen Bürger aufgenommen wurden.
SONJA WOLF
Einen offiziellen Festredner gab es bei der 1.-August-Feier in Lauenen nicht. Das übernahmen die Jungbürger:innen gleich selber: Sie sprachen über Entscheidungen – über schwere und leichte, über solche, die man alleine trifft oder mit anderen Menschen zusammen. «Eine gute Entscheidung unserer Eltern war schon einmal, uns hier in Lauenen grosszuziehen. Das haben wir bis heute nicht bereut. Es freut uns, dass wir hier einbezogen werden!», tönte es vonseiten der sieben jungen Leute mit Jahrgang 2005. Und: «Wir erhalten heute das Stimm- und Wahlrecht. Es freut uns ausserordentlich, ein Teil der Demokratie in diesem Land sein zu dürfen!»
Begeisterte junge Lauener
Doch nicht genug der Freude, von nun an politisch mitbestimmen zu dürfen. Im sehr ausgelassenen Gespräch mit dieser Zeitung im Anschluss an die Überreichung der Bürgerbriefe war der Enthusiasmus über die gemeinsame Heimatgemeinde nicht zu überhören. So sind alle Jungbürger:innen in verschiedenen Vereinen engagiert, sei es als Jungschützen im Schützenverein, als Mitglieder im Turnverein oder im Skiclub. «Man kennt alle, man grüsst alle, das Gemeinschaftsgefühl im Dorf ist super!» Und nicht zuletzt machte die fröhliche Truppe auch Werbung für ihre Heimat: Die 1.-August-Feier in Lauenen sei die beste im Saanenland und sowieso: «Lauenen ist die beste Gemeinde im Saanenland!», kam es im Brustton der Überzeugung vom Jungbürger Pascal Brand unter grosser Zustimmung seiner Altersgenossen.
Gemeindepräsidentin Ruth Oehrli, die mit den «flotten jungen Leuten» vorher zusammen gegessen hat, wünschte ihnen in ihrer Rede «glückliche Augen», auf dass sie immer, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, beim Anblick einer zerkratzten Mauer oder dem Ort im Stall, wo sie in der Kindheit Kätzchen gestreichelt haben, eine tiefe Zufriedenheit verspüren mögen.
Schönwetterprogramm trotz Regen
Wettermässig kam Lauenen glimpflich davon. Während des Märits bis 16 Uhr hat es kaum geregnet. Davon profitierten die zahlreichen Besucher und die einheimischen Aussteller an den Marktständen. Das Motto dieses Jahr: das heimische Handwerk. Da wurden Brätzeli gemacht, traditionelle Malereien vorgestellt oder getöpfert.
Die verregnete Phase am frühen Abend konnten sich die Besucher im Festzelt bei musikalischen Darbietungen vertreiben wie zum Beispiel dem Männerchor «Echo vom Olden», der auch bei der Nationalhymne am Abend den Ton angab. Pünktlich zum Outdoor-Abendprogramm versiegte der Regen dann, so dass die Besucher den Treichleraufmarsch, das 1.-August-Feuer und die Jungbürgerfeier glücklicherweise halbwegs trocken verfolgen konnten.
Eine ganz natürliche Symbiose
Michael Ming, der Präsident der Dorforganisation Lauenen, lobte in seiner Ansprache die Eigeninitiative aller Helfenden in dem Knapp-900-Seelen-Dorf. Relativ schnell nach Beginn des Aufbaus seien 30 bis 40 Personen aus dem Turnverein, dem Skiclub und der Dorforganisation mit dabei gewesen. Und er resümiert: «Es hat sich alles wie von alleine, wie in einer grossen Selbstverständlichkeit organisiert. Aber Achtung: Es ist nicht selbstverständlich! Jeder hat einen Beitrag geleistet und es hat viel Eigeninitiative gegeben. Danke allen Teilnehmenden und Helfern!»
Saanenmöser: 1.-August-Markt in Saanenmöser trotzt Regenwetter
Mit Marktständen begrüsste die Dorforganisation Saanenmöser Einheimische und Gäste. Und sie trotzte dem Wetter mit Blachen und Regenschirmen.
ERICH KÄSER
Was wäre, wenn der 1. August am 31. Juli gewesen wäre!? Dies fragten sich die um 7.30 Uhr anwesenden 15 Helfenden auf dem Bahnhofplatz in Saanenmöser. Solveig Lanz, Präsidentin der Dorforganisation Saanenmöser, zeigte sich dankbar, dass sie auf die freiwilligen Helfenden und Standbetreibenden zählen konnte! Trotz der schlechten Wetterprognose wurde mit dem Aufstellen der Stände und des Festzelts begonnen. Leider bewahrheiteten sich die Wetteraussichten und es begann zu regnen. In Windeseile wurden Blachen und Schirme zusammengetragen, um die Waren zu schützen.
Ein richtig schönes Fest begann
«Was ist, wenn es den ganzen Tag regnet?», fragten sich die Ausstellenden und die Dorforganisation. «Kommt da überhaupt jemand?» Doch just zu Beginn des Marktes verzog sich der Regen und die vielen «Kunden» belohnten den geleisteten Effort. Somit stand einem gemütlichen Fest mit Alphornklängen, Folkloremusik, Pot-au-feu aus der Gulaschkanone und Spare-Ribs aus dem Smoker nichts mehr im Wege.
Gedanken zu Saanenmöser
Solveig Lanz begrüsste, fast bei Sonnenschein, die Gäste auf Deutsch, Französisch und Englisch. In Ihrer eindringlichen Ansprache wählte die Referentin aus den vielfältigen Themen von Saanenmöser vier wesentliche Punkte aus. «Schneesicherheit»: Diese sei gekoppelt an den Klimawandel, noch hätten wir einen grossen touristischen Vorteil im Winter, aber man wisse, dass diese Uhr ticke! Mit «hohen Preisen und Wohnraum für Einheimische» schnitt sie ein heikles Thema an. «Zusammenstehen», damit die Qualität, auf die wir so stolz seien, erhalten werden könne. «Dorfladen»: Dieser sei für Einheimische und Gäste sehr wichtig. Auch wenn das Brot oder die Milch ein paar Rappen mehr koste, brauche man den Dorfladen mehr denn je. Es gehe nicht nur darum, nachhaltiger zu werden, sondern vermehrt auf eine «Ganzjahres-Destination» für das Dorf und das Saanenland hinzuarbeiten. Am Schluss forderte Solveig Lanz die Gäste und Einheimischen auf, sich bei Themen, die alle betreffen, bei der Dorforganisation zu melden.