Vintage-Fieber im Saanenland
29.08.2017 Event, SaanenlandDie erste Ausgabe der nostalgischen Radrennveranstaltung «Bergkönig» zog am vergangenen Wochenende viele Radsportfreunde und Schaulustige in die Gstaader Promenade. Am ersten «Swiss Vintage Cycling Festival» freute sich Veranstalter Alex Beeler über grosse Unterstützung aus der Region und knapp 200 Velofahrer, die sich auf die verschiedenen Touren begaben. Ziel waren keine Bestzeiten, sondern gepflegte Rennräder aus dem vergangenen Jahrhundert und passende Tenues zu präsentieren.
JENNY STERCHI
Das Saanenland wurde am vergangenen Wochenende von beinahe 200 Radfahrerinnen und Radfahrern erkundet. Grund dafür war die erste Ausgabe der Nostalgie-Radrennveranstaltung «Bergkönig». Initiant und Veranstalter Alex Beeler hatte für sein «Swiss Vintage Cycling Festival», die erste Veranstaltung dieser Art in der Schweiz, das Saanenland ausgesucht und einiges ins Programm genommen.
Zeitfahren und verschiedene Etappen
Mit einem Zeitfahren am Samstag begaben sich die Teilnehmenden vom Kapälli-Platz aus hinauf zum Gstaad Palace. Einzige Voraussetzung war die Verwendung eines Rennvelos oder sonstiges Velos, das nicht nach 1986 gebaut sein durfte. Manch einer wurde von der Steigung ins Oberbort überrascht. Erheblich weniger Gänge an den Velos von damals verlangten den Fahrerinnen und Fahrern bereits auf dieser kurzen Strecke einiges ab. Das Spezielle am «Bergkönig» war wohl die Sicherheit, dass das Velo auch ins Ziel, also vor den Eingang des Hotels, geschoben werden durfte. Im Vordergrund dieses «Velorennens» stand vor allem der Spass, das Interesse an den alten Zeiten und natürlich der Genuss. Und so kam der Apéro im Gstaad Palace im Anschluss an den Sprint ins Oberbort sehr gelegen.
Am Sonntag standen den Velofreunden unterschiedliche Routen zur Auswahl. Auf den vier verschiedenen Schlaufen der Pedaleur-de-Charme-Runde ging es für die Teilnehmenden nach Rougemont, Turbach, Gsteig oder an den Lauenensee. Einige liessen es sich nicht nehmen, alle vier Ausfahrten zu absolvieren.
Die Bergkönig-Runde, die mit 103 Kilometern Länge und einem Gesamtaufstieg von 2400 Höhenmetern aufwartete, wurde von rund der Hälfte der Fahrerinnen und Fahrern unter die Räder genommen. An sieben Verpflegungsposten sorgten die Organisatoren dafür, dass es den Teilnehmenden an nichts fehlte. Die Zeit, die sich die «Gümmeler» für den Verzehr von Bananen, Käse, Brot und hausgemachten Brownies nehmen durften, war Zeichen dafür, dass der «Bergkönig» weit entfernt von einem Radrennen mit der Jagd auf die Bestzeit angelegt war. Und das schätzten die Teilnehmenden sehr. «Es war zwar hart, aber eine wunderbare Ausfahrt gemeinsam mit anderen Radrennfreunden», war im Ziel zu hören. Und dass die Aufstiege zum Pierre du Moëlle und zur Alp Isenau alles andere als einfach waren, bestätigten viele der Teilnehmenden nach ihrer Zielankunft. «Der Weg hinauf zur Alp Isenau war giftiger als erwartet», schilderte einer der Fahrer, als er im Zielraum ein kühles Panaschee genoss.
Zufriedener Veranstalter
Alex Beeler, Initiant und Veranstalter des «Bergkönigs» freute sich über die wunderbare Stimmung im Zielraum, die vielen Komplimente der Radsportfreunde und die Vielfalt unter Teilnehmern und Besuchern. Er selber fand auch Zeit, eine Käseschnitte zu geniessen und mit vielen der Anwesenden zu plaudern. «Es ist wunderbar, dass wir mit den Teilnehmerzahlen unsere vorsichtig gesteckten Ziele erreicht und sogar übertroffen haben. Mit den 195 angemeldeten Fahrerinnen und Fahrern lagen wir weit über den anfangs erhofften 150», zog er eine überaus positive Bilanz für die erste Ausgabe der Veranstaltung und verriet, dass es, beflügelt durch die erfolgreiche Premiere, eine zweite Ausgabe im nächsten Jahr geben wird. Einige der Fahrer hätten die Runde unterschätzt und bestätigten Beeler im Ziel, eine anspruchsvolle Route gefunden zu haben. «Das ist gut so, schliesslich ist es der Bergkönig und kein Bergspaziergang» kommentierte der Veranstalter und lächelte verschmitzt.
Legenden und Prominenz
Alex Beeler konnte für den ersten «Bergkönig» nicht nur Schweizer Radsportlegenden gewinnen, sondern mit Jeroen van Rooijen, Styling-Berater bei der NZZ, einen fachkundigen Juror für die Auswahl der besten Outfits verpflichten. Thomas Wegmüller, tragische Figur des Rennens Paris-Roubaix 1988, wo ein Plastiksack in der Kette seinen Sieg verhinderte, begab sich im Tenue des Teams Gstaad auf die Bergkönig-Runde. «Er fährt zwar keine Rennen mehr, aber wenn er in der Steigung antritt, merkt man gut, dass er ein Profi ist», sagte Christoph Däpp, Mitglied im Team Gstaad, anerkennend im Ziel. Auch Gilbert Glaus, ehemaliger Weltmeister im Strassenrennen und Urs Freuler, zehnmaliger Bahn-Radweltmeister, waren auf der Teilnehmerliste zu finden und hatten viel Spass auf der Pedaleur-de-Charme-Runde.Der ehemalige Radprofi Franco Marvulli agierte als Speaker und unterhielt das Publikum prächtig. Er moderierte die Preisverteilung am Ende der Veranstaltung kurzweilig und entlockte den Preisträgern so manches Geheimnis zu den prämierte Velos und Kleidern.
Unterstützung auf allen Ebenen
Alex Beeler dankte am Ende der Veranstaltung all denen, die ihn bei der Organisation des ersten «Bergkönigs» in irgendeiner Weise unterstützt haben. «Ohne die tolle Unterstützung in meinem Umfeld und aus der Region wäre der Anlass nicht möglich gewesen.» Seien es die Sponsoren, die ihn sowohl materiell als auch finanziell unterstützten, als auch diejenigen, die ihm bei der Routenwahl und beim Einrichten der Infrastruktur zu Hilfe kamen.
Die Dorforganisation Gsteig stellte sich mit einer ganzen Woche im Zeichen des Radrennsports vergangener Zeiten hinter den «Bergkönig». Dabei kreierte das Hotel Bären in Gsteig eine Karte in Anlehnung an den Radsport und präsentierte in der Gaststube einige ausgewählte Rennvelos aus dem letzten Jahrhundert. Eine Vorführung zweier Kurzfilme dokumentierte den Radrennsport und dessen Bedeutung bereits in den 50er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.
Weitere Fotos unter https://tinyurl.com/y9tll24p
Video: https://tinyurl.com/yd5uzwkp






