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«Alle Puzzleteile waren vorhanden»

Fr, 15. Nov. 2019
Die besten Ideen kommen Michel Hediger, wenn er in den Bergen unterwegs ist. FOTO: SARA TRAILOVIC

In dem Moment, wo andere Jugendliche die Region verlassen, hat er sich entschlossen zu bleiben und wurde zu einer treibenden Kraft für die Region.

SARA TRAILOVIC
«Es bringt nichts, bei einem sinkenden Schiff die Löcher zu stopfen. Es geht trotzdem unter, nur ein wenig langsamer.» Das sagt Michel Hediger zum Thema Klimawandel im Saanenland. Es werde in Zukunft ziemlich ungemütlich, eine tiefer gelegene Bergregion zu sein, die auf Wintertourismus angewiesen sei. «Uns wird es sehr früh treffen.» Und im selben Atemzug: «Das ist unsere Chance, als erste Region eine gute Lösung zu präsentieren – wenn auch nicht ganz freiwillig», schmunzelt er.

Wir sitzen im Sitzungszimmer seines Arbeitgebers, der Gstaad Marketing GmbH. Hedigers Aussagen sind überlegt, aber nicht zurechtgelegt. Am liebsten wäre es dem 29-Jährigen gewesen, das Gespräch auf einem der umliegenden Berge zu führen. Dort könne er jeweils abschalten und sich seine Ideen zwei-, dreimal durch den Kopf gehen lassen. «Bergtouren zu planen ist ähnlich wie Projektplanung.» Hediger zeichnet eine unsichtbare Form auf die Tischfläche und drückt Daumen und Zeigefinger der rechten Hand gegen die Kante. «Man setzt sich ein Ziel und sucht dann die beste Route. Dabei muss man mögliche Hindernisse, das Wetter und die Lawinengefahr beachten – und dann heisst es: durchziehen.»

Als Sohn einer Stadtbernerin und eines Solothurners hat Hediger das Saanenland schon immer mit einer gewissen Aussensicht betrachten können. Von ihnen hat er auch den Aktivismus mitbekommen. Sobald Klein-Hediger denken und laufen konnte, engagierte er sich an verschiedenen Events der Region. «Ich war Helfer am Beach, Polo und dem Country.» Damit unterschied er sich lange nicht von anderen Jugendlichen der Bergregion. Nachdem er die Berufsmaturität in Thun erlangt hatte, stand er mit jugendlichem Drang nach Karriere und Unbekanntem da und musste sich entscheiden. «Ich sah schon, dass es mehr gab auf der Welt und stellte mir die Frage: Soll ich das Saanenland verlassen oder bleiben?»

Hediger wägte ab. Im Hinterkopf hatte er bereits das Ziel, etwas Eigenes aufzubauen. «Hier oben hatte ich einen guten Freundeskreis und kannte viele Leute. Im Unterland gab es mehr Jobs, aber auch sehr viele andere Events – Konkurrenz also.»
Hediger blieb. Und startete eine stille Revolution. Nach seinen Vorbildern, den Mitbegründern der Freestyle-Anlässe High Fly und Gstaad Winter Games, schlug Hediger ebenso neue Wege ein. «Ich sah, dass im Saanenland alle Puzzleteile dafür vorhanden waren – die Natur, Organisationen, die meine Projekte mit Know-how und Geld unterstützen könnten und genügend Gäste.» Zusammen mit seinen besten Kollegen Raphael, Hannes, Björn, Marco und Frederic initiierte er das Filmfestival Shape the Mountain (2012 bis 2015), das Musikfestival Ride on Music (2013 bis heute) und die Wakeboard-Anlage Wake Up Gstaad (2018 bis heute). «Alles Ideen, die zuerst absurd erschienen, weil sie noch nie jemand so umgesetzt hatte.» Er sei schon immer progressiv gewesen. Daneben sammelte er Erfahrungen in der Betriebslogistik des Gstaad Menuhin Festivals und verdiente auch sein Geld damit.

Heute arbeitet Michel Hediger im Produktmanagement der Destination Gstaad und ist froh, einen stärkeren Rahmen zu haben. «Ich kann jetzt die Zukunft zusammen mit einem professionellen Team längerfristig mitgestalten. Es ist anders als bei den Events, wo du auf einen bestimmten Moment hinarbeitest. Der junge Mann ist bodenständig und ruhig. Doch zum Glück für die Region ist er nicht bescheiden, was seine Ideen angeht. Diese untermalt er bei unserem Gespräch mit allerlei Gesten. «Wir planen Projekte wie Dynamic Pricing oder die ganzjährig erlebbaren Berginszenierungen.» Aktivitäten also, die nicht von Schnee und Wetter abhängig sind. Bleibt da genügend Spielraum für den progressiven Hediger? Er lacht. «Für meine wilde Seite habe ich das Ride on Music.»

Und hat er denn schon die Lösung für den Klimawandel in Gstaad? Der Denker und Macher umfasst seinen Kopf mit aufgespreizten Fingern. «Die alles rettende Idee ist mir noch nicht gekommen. Es fehlen noch zwei, drei Bergtouren.»

Wir stellen Ihnen Menschen vor, die jenseits der Schlagzeilen die Geschichte des Saanenlandes mitschreiben. Leute, die im Hintergrund Fäden spannen, ihr Umfeld mit ihrer Art bereichern oder ganz einfach anders sind. Die Serie rollt wie ein Schneeball durch die Region, denn die Porträtierten wählen jeweils selbst einen/eine Nachfolger/in. Auf Wunsch von Michel Hediger besuchen wir als Nächstes Samuel Moor.


ZUR PERSON

Michel Hediger ist 29 Jahre alt. Er wohnt in Gstaad und arbeitet als Produktmanager Winter bei der Gstaad Marketing GmbH. Davor war er für die künstlerische Betriebslogistik des Gstaad Menuhin Festivals zuständig und hat Events wie das Ride on Music mitbegründet.

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