Ahnenforschung birgt Suchtpotenzial

Di, 14. Jan. 2020
Der Tisch wird zur Ahnentafel: Wenn Margrith Brand (links), Ruth Annen und Bethli von Grünigen (vorne sitzend) nach verwandtschaftlichen Verhältnissen forschen, wird das Esszimmer zum Büro. FOTOS:JENNY STERCHI

Margrith Brand aus der Bissen und Ruth Annen aus Lauenen haben sich selber die Aufgabe gestellt, in einen bestehenden Stammbaum die fehlenden Familienmitglieder bis zur heutigen Generation einzufügen. Dabei sind sie dankbar für jede auch noch so kleine Information.

JENNY STERCHI
«Wir sind auf der Suche nach Namen und Verwandtschaften, so wie andere Puzzleteile zusammensetzen», erklärt Margrith Brand ihre Leidenschaft für die Ahnenforschung. Auf ihren Reisen in die Vergangenheit wird sie von der Lauenerin Ruth Annen, die seit langer Zeit die geschichtlichen Entwicklungen und Familienverhältnisse in ihrer Heimat dokumentiert, begleitet. Angesteckt mit dem «Familienforscher-Virus» haben sich die beiden, als ihnen der Stammbaum von Ulrich Reichenbach in die Hände geriet. Jener Reichenbach, 1758 geboren, war nachweislich Obmann und Landsvenner in Lauenen.

Mancher wäre wohl schon ausgestiegen, wenn er gesehen hätte, dass Reichenbach und seine Frau Maria mit sieben Kindern den Beginn eines Stammbaumes bilden, der heute den Boden eines geräumigen Wohnzimmers bedeckt. Nicht so die beiden Spürnasen der einheimischen Verwandtschaftsverhältnisse. Jene sieben Sprösslinge konnten – zu dieser Zeit eher ungewöhnlich – alle einen Ehepartner finden. Die verwandtschaftliche Verzweigung nahm seinen Lauf.

Karl Romangs wertvolle Vorarbeit
Der Ursprung für die Erstellung dieses Stammbaumes liegt bereits über 60 Jahre zurück. Karl Romang war zu Beginn des letzten Jahrhunderts Lehrer in Lauenen. Interessiert an der Ahnenforschung fügte er anlässlich der 400-Jahrfeier der Gemeinde Saanen die drei Generationen, die dem Ehepaar Reichenbach folgten, minutiös in einen Stammbaum ein. Unterstützt wurde er dabei von seiner Grossmutter, die noch viel zu berichten wusste von Obmann Reichenbach.

Wie wertvoll das Wissen der älteren Generationen ist, merken auch die beiden Frauen, die den begonnenen Stammbaum nun ergänzen. Mit Bethli von Grünigen aus dem Turbach haben sie eine zuverlässige Quelle, die im Stammbaum aufgeführte Personen noch persönlich kennengelernt hatte. So manches Namensrätsel wurde schon gelöst und die Zweige des Stammbaumes wuchsen.

Die verwandtschaftlichen Verhältnisse im Saanenland haben im Lauf der Zeit und über viele Generationen hin grosse Kreise gezogen. Da erstaunt es selbst die beiden nun schon erfahrenen Ahnenforscherinnen, welche Familien schliesslich doch miteinander verbunden sind. «Es gab schon Momente, da kamen wir einfach wirklich nicht mehr weiter», berichtet Margrith Brand. Aber von Verdrossenheit gibt es keine Spur. «Dafür haben wir Brigitte Leuenberger an unserer Seite.» Die Saanerin sei sehr interessiert am Geschehen vergangener Tage und kenne sich daher in den Familien des Saanenlandes bestens aus.

Laptop statt Papierbögen
Dank der fortgeschrittenen Digitalisierung können Margrith Brand und Ruth Annen auf das Hinzufügen weiterer riesiger Papierbögen verzichten. Ein spezifisches Computerprogramm ermöglicht eine übersichtliche Datenerfassung via Laptop und minimiert die Quote falscher Geburtsdaten.

Der bisherige Datensatz umfasst bereits 3500 Namen. Dem Laien scheint da kein Platz mehr für eine Lücke. «Weit gefehlt», so Ruth Annen, «jedem Namen, den wir einfügen, folgen wieder eine Reihe von Nachkommen oder noch unbekannten Vorfahren.» Die Suche beschränke sich schon lange nicht mehr nur auf Familien aus Lauenen. «Es bestehen Verbindungen ins ganze Saanenland.»

Sichtbar für alle
«Wir möchten den Stammbaum dereinst öffentlich präsentieren, denn wir spüren, dass die Menschen – auffallend viele junge – vermehrt an ihren familiären Wurzeln interessiert sind», beschreibt Margrith Brand das übergeordnete Ziel. Umso wichtiger sei es, dass Überlieferungen über verwandtschaftliche Verhältnisse mit dem Ableben der älteren Generationen nicht verschwänden. «Wir sind dankbar für jede Information und jeden Blick in alte Dokumente der Menschen, die im Saanenland daheim sind.»

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