RANDNOTIZ

Fr, 14. Feb. 2020

Wa(h)re Liebe

KEREM S. MAURER
Die gegenwärtige valentinische Überflutung an Liebesware für die wahre Liebe ist jenseits von Gut und Böse. Oder? Googelt man «Geschenke zum Valentinstag», werden über 21 Millionen Einträge angezeigt. Klickt man dazu auf «Bilder», sind rote Herzen, rote Rosen und rote Reizwäsche vorherrschend. Sogar der virtuelle Briefkasten wird derzeit mit Liebes-Werbemails geflutet und in den Geschäften kommt man um die Ware Liebe kaum herum: Die Botschaft, unterschwellig suggeriert aber deutlich: Nur wer seine Liebe mit der richtigen Ware bekräftigt, liebt richtig. Wer liebt, kauft. Ja, muss kaufen. Höre auf dein Herz, schaue nicht auf den Geldbeutel. Nicht heute! Beweise deine Liebe – zumindest mit Blumen. Dies dachte wohl auch schon der alte Valentin selbst, der als Christ bereits im vorchristlichen Rom verliebten Paaren Blumen aus seinem Garten schenkte und sie nach christlicher Tradition vermählte. So zumindest steht es auf der Webseite eines Blumenladens. Was dort aber nicht steht: Valentin wurde deswegen getötet. Falsche Zeit, falscher Ort, falscher Glaube. Pech gehabt. Da haben es die Blumenund Onlinehändler heute einfacher: Der Kapitalismus ist längst Staatsreligion. Wer Kasse macht, hat recht, und wer zahlt, befiehlt. Der Valentinstag beschert den Handeltreibenden volle Kassen. Das wird nicht nur toleriert, sondern bejubelt und zum Leidwesen vieler eifrig gefördert. Also beschenkt eure Liebsten und greift dafür möglichst tief ins Portemonnaie. Grosse Liebe, kleiner Preis passt schliesslich nicht zusammen, der Kommerzwahn um die Ware Liebe soll gehörig zelebriert werden. Letzthin bei einem Apéro eines Freundes bin ich auf folgendes Zitat, eingerahmt an der Wand hängend, von Friedrich Nietzsche gestossen: «Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.» Eben doch.

kerem.maurer@anzeigervonsaanen.ch

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