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Schreckliches Unwetter vor 50 Jahren in Lauenen

Fr, 26. Jun. 2020
Aus dem «Anzeiger von Saanen» – das Unwetter ereignete sich jedoch am 27. Juni 1970 und nicht wie damals geschrieben am 28. Juni.

Unglaubliches Glück dass es keine Toten gab und viel Solidarität unter der Bevölkerung.

Am 27. Juni 1970 um sechs Uhr abends ist es ein halbes Jahrhundert her, seit das Dorf Lauenen von einem schrecklichen Unwetter heimgesucht wurde. Nachfolgende Meldung (sie ist nicht im «Anzeiger von Saanen» erschienen) setzte die Schweizerische Depeschenagentur (sda) am Montag, 29. Juni ab: Es war Peter Zumbrunnen, der mich fragte, ob ich nicht etwas zu dem «traurigen» und trotzdem glimpflich abgelaufenen Jubiläum schreiben wolle.

Hauptsächlich war das Dorf betroffen. Es war die Folge des schneereichen Winters, es schneite noch im April Unmengen Schnee. Vom Lauenenhorn und vom Trüttlisberg her wurde dann durch die Wucht eines wolkenbruchartigen Gewitters mit viel Hagel und Regen eine Unmenge Wasser und Geröll Richtung «Mühlebächli» transportiert. Auch hatte es, wie die Lauener sagen, noch viel «Louischniee».

Bereits in der Kählen wurde ein grosses Loch rausgerissen und unten beim «Remädlibrüggli» staute es sich und nahm den Weg über die Brüggmatte Richtung Dorf.

Die Zuleitung der Wasserversorgung wurde zerstört und es wurde später eine Zuleitung von 300 Metern vom Reservoir von Christian Perreten erstellt, um die Wasserabonnenten zu versorgen – natürlich mit der Bitte, sparsam Wasser zu brauchen. Der Gemeindewerkmeister Jakob Frick eilte ins Reservoir in der Schönhalte, um das Wasser abzustellen und verhinderte somit eine noch zusätzliche Wasserflut.
Die Remise von Erich Reichenbach, unten am Weg zum Grünbühl, wurde zerschlagen und am gleichen Ort beim «Remädlibrüggli» staute sich die grosse Wand aus Schutt, Steinen, Geröll und Wasser, sodass der grosse Teil den Weg über die Brüggmatte nahm und gegen das Dorf floss.

Glück im Unglück
Später wurden viele Lastwagen voll Schutt weggefahren. Addors hatten nur einen kleinen Bagger (das ist heute anders!) und so half die Firma Poschung mit einem grösseren Bagger aus und es wurde tagelang Schutt und Erde abtransportiert. Im Herbst war es dann wieder grün und «ds Romalfredi» räumte tagelang mit dem Rechen Steine zusammen. Als Entschädigung gab es einen Franken pro Quadratmeter! Hagelversicherung gab es leider keine, das war damals noch nicht üblich.

Im Moosfang, Richtung Längeboden, wurde zur gleichen Zeit eine Strasse gebaut und dort war man froh über das Material – und so mussten die Lastwagen nicht bezahlt werden. Auch Annens sowie Hedi Reichenbach wissen zu berichten, dass die Solidarität sehr gross war und dass nach dem Unwetter ganz viele Freiwillige halfen und tagelang räumten und putzten.

Arbeiter von Unternehmen wurden gratis zur Verfügung gestellt. Oswald und Hedi Reichenbach waren mit ihrem Laden direkt unter der Brüggmatte auch schwer betroffen.

Qswald verletzte sich an einer Glastüre, als er Material vor der unheimlichen Bedrohung und Wucht retten wollte. Er musste zum Arzt und war dann einige Zeit nicht einsetzbar.

Das schreckliche Unwetter forderte zum Glück keine Menschenleben, aber es war für viele lebensgefährlich.

Willi Addor, der Briefträger, hatte seine Bergschuhe gewaschen und sie zum Trocknen auf den Stuhl vor die Post gestellt. Sie wurden weggeschwemmt und Vater Zumbrunnen sah die Schuhe auf dem Schlammberg und fürchtete, dass jemand darin verunglückt war – doch das bewahrheitete sich dann zum Glück nicht.

Stau bei der Mühlebrücke
Heinz Annen wollte den Parkplatz des Hotels Wildhorn verbreitern und es wurden grosse Rohre in den Mühlebach gelegt, diese wurden total zerschlagen und stauten das Wasser. Darum staute es bei der Mühlebrücke und das Wasser lief Richtung Zumbrunnens und zusammen mit dem Wasser, welches von der Brüggmatte kam, bei Zumbrunnens und Würstens hinunter.

Auch die Backstube, der Mehlraum und der Weinkeller wurden total beschädigt.

Ein Landrover, der vor der Post geparkt war, wurde auf die andere Strassenseite an das Geländer verschoben. Auch der Bus von Oswald und Hedi, der vor dem Laden parkiert war, stand nach dem Unwetter vor dem «Bären».

Die Baubewilligung war bereits erteilt. Das Fundament war schon gegraben, es wurde aber zerrissen (Profile sind links noch zu sehen). In der Folge wurde das Häuschen dann oben neben dem Schulhaus aufgestellt. Das Bild zeigt rechts das Mehlhaus von Zumbrunnens, hinten das Haus Würsten und rechts das Haus von Zumbrunnens.

Holzer Christian Brand wollte Trudi Würsten und ihrer Tochter Cecile helfen. Die Nachttischli schwammen im Schlafzimmer umher und er fürchtete, der Boden würde einbrechen. Es war aber Cecile ein Anliegen, dass man noch das Nachthemd aus dem Nachttischli rettete!

Heute ist noch beim Fenster am Posthaus das Niveau zu sehen, wo das Wasser kam (bis unter die Fenster). Willy Addor erinnert sich, dass es die Toilette vom oberen Stock ins Postbüro hinunterspülte. Auch die Keller des Posthauses wurden überschwemmt. Die nicht eingelösten Motorräder, welche im Mühlegraben herumstanden, wurden auch weggeschwemmt!

Selber erinnere ich mich an ein ganz gewaltiges Rauschen. Ich war – mit den beiden Mädchen auf dem Schoss – in der Tweregg. Wir sassen in der Küche, es gewitterte und hagelte gewaltig, ein komisches Dröhnen war in der Luft und machte Angst. Man spürte, dass etwas Ausserordentliches passiert war. Selbst die Mädchen (fast zwei und vier Jahre alt) fürchteten sich, klammerten sich an mich, sie spürten wohl auch meine Angst, die vorher noch nie so schlimm war und auch danach nicht. Die Lauener hatten ganz viele Schutzengel – trotzdem.

RUTH ANNEN

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