Kaum zu glauben!

Di, 08. Sep. 2020

In unserer Reihe «Aus früheren Zeiten» erzählen Leser/innen Episoden – Geschichtliches, Erlebtes, Erinnerungen – aus früheren Zeiten.

Im Frühjahr 1980 unternahmen mein Mann und ich eine Rucksackreise durch Peru, Ecuador und die Galapagosinseln. Wir verbrachten zwei Tage vor der Abreise zu den Galapagos in der Hafenstadt Guayaquil, damals eine hässliche und dreckige Stadt am Meer. Beim Schlendern durch das Hafenviertel kamen wir an einer Art Kiosk vorbei, dessen Hinterwand mit einer wandhohen Fototapete geschmückt war, die vor einer imposanten Bergkulisse blühende Blumenwiesen zeigte. Allein der Anblick dieses saftigen Grüns war in der schmutzigen Schwüle der Stadt eine Offenbarung.

Wir blieben vor den gestapelten Cola-Kästen stehen und mein Mann fragte mich: «Wo ist das?» Ich sagte: «Irgendwo in Österreich oder der Schweiz.» – «Schau mal genau hin! Du kennst das.» Ich erkannte aber nichts, da ich mir Alpenpanoramen nicht so einprägen konnte wie mein Mann, der ein erfahrener Bergsteiger war. «Das ist in Schönried.» – «Das glaube ich nicht.» Nun muss man dazu sagen, dass wir fünf Monate vorher den Kaufvertrag für ein neu zu erbauendes Ferienhaus in Schönried unterzeichnet hatten. Aber die Berge hatten sich mir noch nicht als Bild eingeprägt. Ich blieb ein ungläubiger Thomas. Ich fotografierte die Tapete, um das in Deutschland nachprüfen zu können. Wie sollte gerade so ein Bild im Hafen von Guayaquil zu sehen sein?

Schade! Weil ich es nicht glauben wollte, habe ich versäumt, den Besitzer zu fragen, wie er zu dieser Tapete gekommen war. In Schönried musste ich dann feststellen, dass die Aufnahme nicht irgendwo in Schönried gemacht worden war, sondern in der Nähe des Chalets entstanden war, am Panoramaweg auf der Höhe von Gottfried Schopfers Bauernhaus am Bach, einer Stelle, wo auch Fotos für die Werbeplakate für den Ort Schönried gemacht wurden.

In unserem Gästebuch des neuen Chalets befinden sich seitdem zwei Fotos von Schönried übereinander. Das aus Ecuador und das aus Schönried mit der prägnanten Silhouette der Videmanette und der Gummfluh.

DR. BRIGITTE WOLFF-WIINTRICH, KÖLN/SCHÖNRIED

Wissen auch Sie noch Begebenheiten aus früheren Zeiten? Zögern Sie nicht, greifen Sie zur Feder und schreiben Sie uns: «Anzeiger von Saanen», Anita Moser, Redaktion, Kirchstrasse 6, 3780 Gstaad, oder per Mail: anita.moser@ anzeigervonsaanen.ch

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