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Lawinenunglück fordert ein Todesopfer

Di, 19. Jan. 2021
In einem der Couloirs am Wasserngrat, die im Wald kaum ersichtlich sind, lösten die Freerider am vergangenen Sonntag die Lawine aus. FOTO: BLANCA BURRI

Drei Freerider fuhren am vergangenen Sonntag auf dem Wasserngrat ausserhalb der Piste ein steiles Couloir hinunter und lösten eine Lawine aus. Eine Person verstarb trotz sofort eingeleiteter Such- und Bergungsaktion, wie Ueli Grundisch, SAC-Rettungschef, auf Anfrage mitteilt.

BLANCA BURRI
Drei junge Freeskier fuhren vorgestern vor 15 Uhr beim Bergrestaurant Wasserngrat unter einer Abschrankung durch. Das steile westliche Couloir, das sie befuhren, führt Richtung Sagibode (Trom). In der Folge löste sich eine Lawine und verschüttete die Sportler. Einer der jungen Männer wurde teilverschüttet und befreite sich selbst. Er konnte auch einen seiner Begleiter befreien und alarmierte die Rettungskräfte.

Heikles Gelände
Der Alarm ging bei der Rettungsstation Gstaad-Saanenland um 15.09 Uhr ein. Bereits um 15.45 Uhr waren 20 Retter vor Ort. Aufgrund des heiklen Geländes und der Nachlawinen mussten besondere Vorsichtsmassnahmen getroffen werden. Jeweils eine durch den Helikopter gesicherte Person suchte nach der dritten, noch verschütteten Person. Nach deren Ortung bargen zwei wiederum durch den Helikopter gesicherte Retter den leblosen Körper. Im Spital verstarb der Mann, dessen formelle Identifikation noch aussteht. Die beiden anderen Männer im Alter von 20 und 22 Jahren wurden mit leichten Verletzungen mit der Ambulanz ins Spital Zweisimmen respektive ins Inselspital Bern gebracht.

Für die Suche wurden über ein Dutzend Mitglieder der Alpinen Rettung Schweiz, zum Teil auch mit Lawinensuchhunden, aufgeboten. Weiter standen Mitarbeitende von Air-Glaciers und der Rega sowie mehrere Ambulanzteams im Einsatz. Gebirgsspezialisten der Kantonspolizei Bern untersuchen die Umstände des Lawinenunglücks.


UELI GRUNDISCH IM INTERVIEW

«Viele Menschen haben keinen Respekt»

SAC-Rettungschef Ueli Grundisch findet es verantwortungslos, dass der Spass und das Risiko über allem stehen.

BLANCA BURRI

Wie beurteilen Sie das Gelände, das bei diesem Unfall befahren wurde?
Bei dieser Lawinensituation mit dem vielen Neuschnee ist es unverantwortlich, solche Couloirs zu befahren. Es ist einfältig, was da passiert ist.

Sind die Menschen zu wenig informiert?
Es gibt sehr viele Ausbildungsmöglichkeiten, Informationsportale und so weiter. Es war am Wochenende klar, wie heikel die Lage ist. Aber die Leute setzen sich trotzdem extrem gefährlichen Situationen aus. Viele Menschen haben keinen Respekt! Das möchte ich nicht verallgemeinern, aber es gibt viele, die sich kopflos einer Gefahr aussetzen und somit auch andere, wie zum Beispiel den Rettungstrupp, gefährden. Das gibt mir zu denken.

Was ist Ihr Appell an Skitourengänger und Freerider?
Im Moment sollten nur sichere Hänge wie die Schönrieder Seite des Rellerlis oder Steinmandli sowie Trüttlisberg befahren werden. Steilhänge meiden!

Weshalb ist der Schneedeckenaufbau so schlecht?
Die Kälte vor dem grossen Schneefall hat den Altschnee kristallisieren lassen. Das wirkt wie ein Kugellager zwischen der alten und der neuen Schneedecke. Anrisse und spontane Schneebretter sind sogar im Wald und vor allem unterhalb der Baumgrenze möglich.

Wird sich die Situation entspannen?
Die Wetterprognosen kündigen Mitte Woche einen Föhnsturm mit orkanartigen Böen an. Das gibt wiederum grosse Schneeverfrachtungen in der Höhe. Ich denke, dass die Situation angespannt bleibt. Deshalb empfehle ich allen Skitourengänger eine profunde Tourenplanung. Respektiert die Gesetze der Natur.

 

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