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Das Knattern aus dem Saanenland

Di, 15. Jun. 2021

Doch wirklich, sie existieren noch, die Töffli aus den 60er-Jahren. Unzählige Clubs europaweit lieben und verehren sie, so auch eine kleine Gruppe von 27 Töfflibegeisterten aus dem Saanenland.

SONJA WOLF
Froh und stolz sind sie, die Töfflibuebe und -meitli Gstaad. Zum neunten Mal haben sie nun am Red Bull Alpenbrevet teilgenommen. Drei Pässe haben sie überwunden, insgesamt 121 km und 3380 Höhenmeter zurückgelegt. Diverse kleine Pannen konnten dank des mitgeführten Flickzeugs schnell wieder behoben werden. Bei schönstem Sonnenschein knatterten sie von Saanen über den Col du Pillon nach Aigle, über den Hongrin auf den Col des Mosses und über Siernes Picaz wieder zurück nach Saanen. Den Col de la Croix hatten sie eigentlich auch bezwingen wollen, dieser war allerdings infolge einer Schlammlawine gesperrt. Wegen der Corona-Pandemie war wie im Vorjahr eine individuelle Streckenauswahl gefragt. Gemeinsames Ziel war lediglich, dass alle Teilnehmer zusammen die 100-Pässe-Marke knackten. Dies haben die Töffli-fans auch erreicht und sogar übertroffen: Insgesamt wurden 109 verschiedene Pässe überquert.

Gleiche Idee vereint
«Das Alpenbrevet ist nicht die einzige Veranstaltung, welche wir Töfflibuebe und -meitli von Gstaad zusammen bestreiten. Aber es war der Anlass, der uns im Jahr 2013 zum ersten Mal zusammenführte», erzählt der gelernte Zweiradmechaniker Toni Buchs, der die Gruppe koordiniert.

Damals kam das Red Bull Alpenbrevet nach drei Jahren in Meiringen zum ersten Mal ins Saanenland. Die Strecke war seinerzeit für alle Teilnehmer die gleiche mit Start und Ziel auf dem Flugplatz in Saanen. Auch sechs Teilnehmer aus der Region standen knatternd am Start, ohne jedoch voneinander zu wissen, erinnert sich Manfred Meier, ein Töfflibueb der ersten Stunde. Umso grösser war dann die Freude, als sie sahen, dass sie nicht die einzigen aus der Region waren, die ihr Töffli aus der Versenkung geholt und startklar gemacht hatten.

Digital nicht auffindbar
Die Gruppe der einheimischen Töfflibegeisterten stieg mit jedem Alpenbrevet an, bis sie sich 2016 schliesslich offiziell zu den Töfflibuebe Gstaad formierte. Schnell kamen auch einige Töfflimeitli dazu, sodass die Gruppe heute insgesamt 27 Mitglieder zwischen 14 und 73 Jahren zählt, davon fünf Damen. «Wir sind aber kein Verein mit Vorstand und Mitgliederbeiträgen, sondern eine lockere offene Gruppe», erklärt Toni Buchs. Selbst wer auf der Suche nach ihnen ist, findet sie nirgends: Kein Google, Facebook oder Instagram gibt die Gruppe preis. Man muss sie schon kennen, wenn man sich ihnen anschliessen möchte.

Ein Logo, verschiedene Aktivitäten
Allen gemeinsam ist das Logo, das auf ihrer schwarzen Jacke prangt: die Saanegeiss mit der coolen Motorradbrille auf dem Töffli vor dem Wasserngrat. Gerne lassen sie auch eine Saanenfahne an ihrem Mofa wehen bei den verschiedenen Veranstaltungen. Das heisst aber nicht, dass sie überall nur in der Grossformation auftreten. Vielmehr gibt es inzwischen viele verschiedene Teams innerhalb des Vereins. Einige sind heisse Fans einer bestimmten Töfflimarke und haben sich so zusammengefunden.

Andere Untergruppen wiederum beschliessen, gemeinsam an einem der anderen Töfflifestivals teilzunehmen, wie zum Beispiel am Ötztaler Mopedmarathon in Österreich, der eine offizielle Länge von 238 km hat und über vier Pässe und 5500 Höhenmeter führt. Dort treten sie als typisches Schweizer Team im Käse-Skidress mit Skischuhen beim Wettbewerb an.

Andere wiederum nehmen regelmässig am «run to the hill» auf dem Jaunpass Teil, wo sie beim integrierten Töffli Poker Run an fünf Posten Texas Hold’em Poker-Karten ziehen – das beste Blatt und/oder die höchste Karte gewinnt am Ende.

Die Trophäe eines jeden dieser Festivals ist ein Badge, den sich Töfflimeitli oder -buebe auf ihre Jacke dazunähen, bis die Jacke voll ist.

Töfflimuseum und Töffliwiehnacht
Im Winter warten im Lagerraum von Toni Buchs in Saanen unzählige Zweitakter auf ihren Wiedereinsatz im Frühjahr: «Wenn man bedenkt, dass jedes unserer Mitglieder zwei bis fünf Töffli hat ...», dann wird schnell klar, warum Buchs den Lagerraum liebevoll «Töfflimuseum» nennt. Natürlich bleibt auch ein wenig Platz für die 27 Mitglieder, die an kalten Winterabenden dort zusammen Skirennen verfolgen, zusammensitzen oder jährlich zur Töffliweihnacht ein gemeinsames Nachtessen geniessen.

Töfflirevival
Manfred «Fredy» Meier hat Jahrgang 1951, sein Töffli 1966. «Mit 14 bis 16 Jahren sind wir alle Töffli gefahren, um mobiler zu sein, es war auch extrem cool.» In den 90ern sind die Gefährte dann europaweit aus der Mode gekommen: zu laut, zu unökologisch. Sie verstaubten bei den meisten in einem dunklen Winkel der Scheune oder Garage. «Aber mit dem Red Bull Festival haben wir unsere alten Töffli wieder hervorgeholt und zwäg gebracht. Sie sind heute fast wie ein Kulturgut, das wiederbelebt wird», so Fredy Meier.

Und unglaublich, aber wahr: Das kultige leicht antiquierte Gefährt mit seiner «amtlichen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h» kommt nicht nur bei Festivals zum Einsatz. Keineswegs! Fredy Meier und Toni Buchs benutzen ihre Töffli auch als normale Fortbewegungsmittel auf dem Weg zur Arbeit, ins Schwimmbad oder um sich ein Bier zu holen. Das ist doch nun wirklich cool, oder?

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