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IG GoldenPass stimmt der Vereinsfusion zu

Fr, 10. Sep. 2021
Die Stimmberechtigten der IG GoldenPass stimmten für die Fusion mit der IG Grimselbahn. FOTO: KEREM S. MAURER

INTERLAKEN An der 32. und zugleich letzten Generalversammlung des Vereins IG GoldenPass ebneten die Stimmberechtigten den Weg zur Fusion mit dem Verein IG Grimselbahn zur Gründung des neuen Vereins «Interessengemeinschaft Grimseltunnel – Zusammenschluss der Schmalspurnetze». Wirklich dagegen war niemand, nur der Zeitpunkt stimmte nicht für alle.

KEREM S. MAURER
Die Stimmung unter den 39 anwesenden Stimmberechtigten im Hotel Metropole in Interlaken am Mittwoch war ein Gemisch aus Nostalgie und visionärem Aufbruch. Man blickte nostalgisch zurück auf über drei Jahrzehnte IG-GoldenPass-Geschichte und noch weiter bis zum Ursprung der Idee, den gesamten Schweizer Alpenraum mit einem umsteigefreien Schmalspurnetz zu verbinden. Mit der Umspuranlage in Zweisimmen, die seit 2019 steht und getestet wird, soll ab der offiziellen Inbetriebnahme im Dezember 2022 nicht nur das umsteigefreie Reisen zwischen Montreux und Interlaken Realität werden, sondern damit erfüllen sich auch Sinn und Zweck der IG GoldenPass. Für den Vorstand dieser Interessengemeinschaft ist damit der Zeitpunkt gekommen, sich mit dem Verein IG Grimselbahn zusammenzutun. Die Abstimmung über die geplante Fusion war dann auch das Kernstück der Generalversammlung. Von den abgegebenen 39 Stimmen sprachen sich 34 für die Fusion aus, vier waren dagegen und einer enthielt sich der Stimme. Damit war die für die Fusion geforderte Dreiviertelmehrheit der Anwesenden erreicht.

Schlagkräftige 1000 Mitglieder
Für die Befürworter der Fusion – darunter der gesamte Vorstand der IG GoldenPass – ist der Zeitpunkt für die «Zusammenführung der Kräfte» jetzt nicht nur günstig, sondern der einzig richtige. IG-GoldenPass-Präsident Karl Vogler erklärte, warum. Mit der Inbetriebnahme der Umspuranlage in Zweisimmen im Dezember 2022 sei ein wichtiges Zwischenziel der IG Golden-Pass erreicht. Eine weitere Umspuranlage im Bahnhof Interlaken Ost sei derzeit nicht realistisch, weil die technischen Hürden wegen des Zahnradbetriebs am Brünig beträchtlich seien. Sollte aber die Grimselbahn realisiert werden, erhöhten sich seiner Meinung nach die Chancen, auch in Interlaken eine Umspuranlage umzusetzen. «Mit der Aufnahme des Projekts Grimselbahn in die Finanzierung des Ausbaus der Bahninfrastruktur (FABI) wurde ein wichtiges Zwischenziel für die Realisierung der Grimselbahn erreicht», so Vogler. Und weiter: «Die nächste Herausforderung ist die Freigabe von Mitteln zur Finanzierung der Grimselbahn durch das Parlament.» Diese sei für Anfang 2023 geplant. Und er betonte: «Die Chancen, mit der Grimselbahn ein zusammenhängendes, schweizweites Schmalspurnetz von rund 850 Kilometern zu realisieren, sind intakt.» Mit der Fusion der beiden Vereine entstehe eine starke Lobbyorganisation, die in der Innerschweiz, im Berner Oberland, im Wallis, in Graubünden und in der Romandie gut verankert sei und hinsichtlich der Grimselbahn-Realisierung politisch Einfluss nehmen könne und müsse, so Vogler. Mit der Zusammenlegung der Vereine entstehe ein neuer Verein mit dem Namen «Interessengemeinschaft Grimseltunnel – Zusammenschluss der Schmalspurnetze» mit nahezu 1000 Mitgliedern.

Kein idealer Zeitpunkt
Die Fusionsgegner hatten zwar nichts gegen die Fusion an sich. Eine Bündelung der Kräfte zur Realisierung weiterer Ziele erscheint auch ihnen sinnvoll. Aber: Ihrer Meinung nach ist der Zeitpunkt zu früh angesetzt. Denn das erklärte Ziel der IG Goldenpass, das umsteigefreie Reisen zwischen Montreux und Interlaken, sei noch nicht erreicht. Bethli Küng aus dem Saanenland, die gegen die Fusion gestimmt hatte, begründete: «Solange der Goldenpass Express auf der Strecke nicht fahrplanmässig rollt, ist das Ziel nicht erreicht und eine Auflösung der IG GoldenPass zu früh.» Auch sie beteuerte gegenüber dieser Zeitung, voll und ganz hinter einer sinnvollen Bündelung der Kräfte zu stehen und einer Fusion zu einem späteren Zeitpunkt vorbehaltlos zuzustimmen. Ein anderer, der gegen die Fusion votierte, bemängelte, dass im Namen der neu zu gründenden IG der Begriff «GoldenPass» nicht vorkomme. Deutlich spürbar war, dass viele der Anwesenden seit der Gründung der IG mit dabei waren und entsprechend Mühe hatten, ihre IG aufzulösen. Ein spontan gestellter und von der Versammlung gutgeheissener Antrag, die Diskussion vor der Abstimmung sofort abzubrechen, setzte dem Hin- und Her der Votanten ein jähes Ende.

Zweck des neuen Vereins
Nachdem die Stimmberechtigten der IG GoldenPass der Fusion zugestimmt haben, fehlt jetzt noch die Zustimmung der IG Grimselbahn an ihrer Generalversammlung vom 24. September, um die neue IG tatsächlich ins Leben zu rufen. IG-Grimselbahn-Präsident Dres von Weissenfluh erläuterte das Projekt Grimselbahn und zeigte sich zuversichtlich, dass seine Mitglieder der Fusion ebenfalls zustimmen werden. Sollte diese zustande kommen, wird der Vorstand der neuen IG aus Vorstandsmitgliedern beider IGs zusammengesetzt. Der neue Verein bezweckt laut dem Fusionsvertrag die Unterstützung der Ausarbeitung und die Realisierung des Projekts «Grimselbahn» zur Schaffung eines zusammenhängenden, den schweizerischen Alpenraum verbindenden Schmalspurnetzes sowie die weitere Verknüpfung, den Ausbau und die Verbesserung der bestehenden Schmalspurnetze im schweizerischen Alpenraum. Die IG GoldenPass schloss ihr letztes Vereinsjahr übrigens mit einem Gewinn von 178 Franken ab.


STATUTENENTWURF

Die Absichten des Vereins «Interessengemeinschaft Grimseltunnel – Zusammenschluss der Schmalspurnetze» sind:
– die bestehenden Schmalspurnetze im Norden und Westen (Zentralbahn und Montreux-Berner Oberland-Bahn) mit den Schmalspurnetzen im zentralen Alpenkamm (Matterhorn-Gotthard-Bahn und Rhätische Bahn) zu verbinden
– die Realisierung der Grimselbahn voranzutreiben und bei den zuständigen Gremien einzufordern
– den weiteren Ausbau der Infrastruktur der Schmalspurnetze im schweizerischen Alpenraum voranzutreiben
– attraktive Bahnverbindungen auf den Schmalspurnetzen im Interesse der touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung in der betroffenen Regionen zu fördern
– sich für eine optimale Infrastruktur, attraktives Rollmaterial, ein gutes Fahrplanangebot, eine hohe Dienstleistungsqualität und einen wirkungsvollen Marktauftritt der Schmalspurnetze im Schweizerischen Alpenraum einzusetzen
– sich für eine angemessene Berücksichtigung der Anliegen des Tourismus und der Berggebiete im Rahmen der politischen und administrativen Entscheidungsprozesse am Ausbau der Schmalspurnetze im Schweizerischen Alpenraum zu engagieren

KEREM S. MAURER

 

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