Bevor die Ballone steigen, wird der Himmel organisiert
27.01.2026 NachbarschaftBunte Spezialformen, ideales Wetter und Tausende von Besucherinnen und Besuchern: Die 46. Ausgabe des Internationalen Heissluftballonfestivals von Château-d’Œx ist erfolgreich gestartet. Doch damit Ballone, Helikopter und Flugshow sicher nebeneinander stattfinden ...
Bunte Spezialformen, ideales Wetter und Tausende von Besucherinnen und Besuchern: Die 46. Ausgabe des Internationalen Heissluftballonfestivals von Château-d’Œx ist erfolgreich gestartet. Doch damit Ballone, Helikopter und Flugshow sicher nebeneinander stattfinden können, braucht es mehr als Wind und Wetter – nämlich ein Team von Fluglotsen, das den Himmel über dem Pays-d’Enhaut ordnet.
SONJA WOLF
Ein brasilianischer Tukan und zwei giftgrüne Aliens aus England schweben lautlos über Château-d’Œx. Ein untrügliches Zeichen: Das Internationale Heissluftballonfestival von Châteaud’Œx ist wieder gestartet. Dank idealer Wetterbedingungen konnten bereits am ersten Wochenende über 100 Heissluftballons starten, rund 20’000 Besucherinnen und Besucher zog es in die Region.
Knackpunkt Wetter: Jeden Morgen entscheiden die Meteorologinnen und Meteorologen aufs Neue, ob die Ballone abheben dürfen. Doch genauso wichtig ist eine andere Gruppe von Experten, die Jahr für Jahr zum Ballonfestival anreist: ein Team von neun Fluglotsen, die normalerweise den dichten Flugverkehr am internationalen Flughafen Genf kontrollieren. Für die Dauer des Festivals reisen sie ins beschauliche Pays-d’Enhaut, um den Luftraum über Château-d’Œx zu koordinieren. Gearbeitet wird in drei Teams zu je drei Fluglotsen, die sich alle drei Festivaltage ablösen.
Einer von ihnen ist Bastien Bonelli. Wir wollten wissen, was seine Aufgabe am Boden eines Ballonfestivals ist – und warum am Ende des Tages vor allem eines zählt: dass alle Ballone wieder sicher gelandet sind.
Bastien Bonelli ist Fluglotse am internationalen Flughafen Genf. Während des Ballonfestivals von Château-d’Œx arbeitet er nicht im Tower, sondern am Boden – und erklärt, warum Ballone, Helikopter und Flugzeuge eine besondere Koordination brauchen.
SONJA WOLF
Bastien Bonelli, Sie arbeiten normalerweise am Flughafen Genf. Was unterscheidet Ihren Einsatz hier in Château-d’Œx vom Alltag im Kontrollzentrum?
Unsere wichtigste Aufgabe am Festival hier ist es, am Ende des Tages sicherzustellen, dass alle Ballone wieder gelandet sind. Jeder Ballon reicht bei uns einen Flugplan ein, mit Angaben zum Piloten, zur Crew und zu Kontaktmöglichkeiten. Vor dem Start melden sich die Piloten per Funk bei uns, sodass wir sie auf unserer Frequenz haben.
Wozu ist dieser Funkkontakt wichtig?
So können wir Informationen weitergeben – etwa zu Wetteränderungen – und sind jederzeit erreichbar. Gleichzeitig geht es darum, dass sich alle Akteure des Festivals sicher im selben Luftraum bewegen können: Ballone, Helikopter, das Heissluft-Luftschiff, Drohnen. Dafür gibt es definierte Flugund Bewegungszonen, die wir überwachen.
Geben Sie auch Startfreigaben?
Nein, das machen die sogenannten Launch Master direkt auf dem Startplatz. Sie sehen am besten, wann ein Ballon startbereit ist und wie die Situation zwischen den Ballonen aussieht. Wir greifen eher dann ein, wenn sich etwas Unerwartetes entwickelt.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Heute ist ein Ballon durch den Wind leicht in die vorgesehene Flugroute eines Helikopters geraten. In solchen Fällen informieren wir den Helikopter, damit er besonders aufmerksam ist. So erhöhen wir die Sicherheit für alle Beteiligten.
Verfolgen Sie die Ballone auch während des ganzen Fluges?
Nein. Sobald sie weiter weg sind, können wir sie nicht mehr permanent verfolgen – schon allein wegen der Topografie. Unsere Funkanlage ist auf den Startplatz ausgerichtet und reicht nicht über alle Berge hinweg. Entscheidend ist für uns, dass sich die Piloten nach der Landung zurückmelden. Bleibt diese Meldung aus und wir erreichen niemanden, würden wir Abklärungen oder im Ernstfall Such- und Rettungsmassnahmen einleiten.
Also koordinieren Sie auch Bergungen?
Ja. Wenn ein Ballon an einem schwer zugänglichen Ort landet, zum Beispiel im Gebirge, koordinieren wir gemeinsam mit Air Glacier die Bergung per Helikopter. Auch das gehört zu unserem Sicherheitsauftrag.
In der Nähe des Flugplatzes Saanen wird es für Ballone manchmal heikel. Wie ist das geregelt?
Für Flugzeuge, die nach Saanen fliegen, gibt es hier eine klar definierte Zone. Die Piloten wissen, dass wir während des Festivals in Kontakt mit den Ballonen stehen – deshalb melden sich viele von ihnen direkt bei uns.
Also nicht zuerst beim Flugplatz Saanen?
Genau. Auch das Kontrollzentrum in Genf, wo wir normalerweise arbeiten, ist darüber informiert, dass wir hier im Einsatz sind. Entsprechend werden die Piloten angewiesen, zuerst uns zu kontaktieren, weil wir im Moment des Festivals den besseren Überblick haben als der Informationsdienst am Flugplatz Saanen.
Warum ist das nötig?
Weil Ballone sich völlig anders verhalten als Flugzeuge. Wenn ein Ballon in die Nähe des Flugplatzes gerät, kann er seine Geschwindigkeit oder Richtung nicht einfach anpassen. Er kann nicht beschleunigen, nicht ausweichen, nur die Höhe anpassen. Er folgt dem Wind. Wenn sich ein Flugzeug nähert und gleichzeitig ein Ballon im gleichen Luftraum unterwegs ist, braucht es sehr klare Koordination.
Arbeiten Sie den ganzen Tag durch?
Der Morgen ist natürlich besonders wichtig, weil dann die meisten Ballone starten, aber auch später: Wirkliche Pausen haben wir selten. Es passiert immer etwas im Programm: Eine zweite Passagierflugwelle am Nachmittag, die Kunstflugshow, Drohnenflüge usw. Deshalb sind wir ja jeweils zu dritt im Einsatz.
Was ist am Ende des Tages für Sie der wichtigste Moment?
Wenn wir wissen: Alle Ballone sind sicher gelandet. Dann ist unsere Arbeit getan.




