Im Saanenland hat der jüngste Schneefall die Lage innert kurzer Zeit verschärft: 70 bis 80 Zentimeter Neuschnee, dazu starke Winde und erhebliche Verfrachtungen erhöhen die Lawinengefahr deutlich. Die Bergbahnen Destination Gstaad und Glacier 3000 ...
80 Zentimeter Neuschnee führt zu erhöhter Lawinengefahr
19.02.2026 SaanenlandIm Saanenland hat der jüngste Schneefall die Lage innert kurzer Zeit verschärft: 70 bis 80 Zentimeter Neuschnee, dazu starke Winde und erhebliche Verfrachtungen erhöhen die Lawinengefahr deutlich. Die Bergbahnen Destination Gstaad und Glacier 3000 führen Sprengungen durch.
JONATHAN SCHOPFER
«In den letzten Tagen sind bei uns verbreitet 70 bis 80 Zentimeter Neuschnee gemessen worden, stellenweise sogar noch mehr», sagt Walter Reichenbach, Leiter Pisten und Rettungsdienst der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) am Donnerstag, 19. Februar. Gstaad 3000 AG (Glacier 3000) gibt ausserdem bekannt, dass in den letzten sieben Tagen auf 3000 Metern Höhe 184 Zentimeter Schnee gefallen sind.
Zu der Schneemenge in der Region habe es erhebliche Windverfrachtungen gegeben, welche die Lawinengefahr zusätzlich erhöhten. Für Einheimische wie Gäste gelte, betonen Glacier 3000 und die BDG einheitlich, dass auf den präparierten und gesicherten Pisten Skifahren und Snowboarden möglich und sicher sind. Sobald man sich allerdings abseits der markierten Pisten bewege, steige die Lawinengefahr erheblich.
Sprengungen an mehreren Standorten
«Konkret sind Lawinensprengungen an der La Videmanette, im Saanersloch sowie am Rinderberg durchgeführt worden», so Reichenbach. Beim Glacier 3000 seien ebenfalls präventive Auslösungen erfolgt, so Glacier 3000. Man habe Lawinenabgänge auf allen Seiten des Oldenhorns, in Olden, unterhalb des Restaurants Botta, am Fusse der Gemskopf-Felswand, aber auch auf Reusch ausgelöst, um das Skigebiet und die Strasse zum Col du Pillon abzusichern.
Technisch kämen fix installierte Anlagen zum Einsatz. Dabei handle es sich um im Gelände montierte, dauerhafte Vorrichtungen, die Lawinensprengungen ferngesteuert und wetterunabhängig ermöglichen. Ergänzend würden Sprengladungen von Hand platziert und gezündet. Wenn die Wetterbedingungen es zuliessen und gutes Flugwetter herrsche, würden Sprengungen zusätzlich per Helikopter durchgeführt.
Temporäre Schliessungen wegen Wind
Die Wettersituation habe auch Auswirkungen auf den Bahnbetrieb. Allerdings nicht aufgrund der grossen Schneemengen, sondern wegen der Windverhältnisse und den starken Böen seien bei der BDG und beim Glacier 3000 einzelne Liftanlagen temporär geschlossen worden. «Diese Woche hat uns der Wind von Montag bis und mit Mittwoch daran gehindert, die Luftseilbahn zu betreiben, und unsere Teams konnten erst am Donnerstag hinaufsteigen und das Gebiet vorbereiten», sagt Glacier 3000. «Wir arbeiten derzeit daran, das Skigebiet an diesem Wochenende wieder zu öffnen.» Bei der BDG sind seit vergangenem Donnerstag wieder alle Liftanlagen in Betrieb.
Spezielle Situation, spezielle Vorsicht geboten
Besondere Vorsicht sei wegen der Schneedeckenstruktur geboten. «Regenfälle, die bis in höhere Lagen vorgedrungen und anschliessend gefroren sind, haben in der Schneedecke eine erhöhte Schwachschicht gebildet. Diese begünstigt die Lawinenauslösung und macht das Gelände ausserhalb der gesicherten Pisten besonders tückisch», so Walter Reichenbach. Für Tourengeherinnen und Tourengeher sowie alle, die abseits der Pisten unterwegs sein möchten, seien in der aktuellen Situation fundierte Kenntnisse in der Lawinenbeurteilung absolut unerlässlich. Abseits der gesicherten Pisten könnten sich jederzeit und überall spontan Lawinen lösen.
Auch Glacier 3000 spricht von einer speziellen Lage: «Seit zehn Tagen liegt die Lawinengefahr nicht mehr unter der Stufe vier von fünf. Derzeit ist besondere Vorsicht geboten.»
Beste Bedingungen für einen Skitag in Aussicht
Die aktuellen Schneeverhältnisse sind aussergewöhnlich, aber beide Berggebiete betonen, dass sie auf solche Situation bestens vorbereitet sind.
«Die Landschaften seien wunderschön und das Wetter für die nächste Woche verspricht herrlich zu werden. Wer die Möglichkeit hat, sollte seinen Arbeitsanzug für einen Tag gegen einen Skianzug tauschen», so die Medienstelle des Glacier 3000.



