Bodenständigkeit an der Lenk: Der 1.-August-Brunch auf dem Bühlerhof
07.08.2026 NachbarschaftRund 400 Besucherinnen und Besucher kamen am 1. August zum traditionellen Brunch auf dem Bühlerhof an der Lenk. Neben regionalen Spezialitäten standen die Jungbürgerfeier und die Festrede von Grossrat Simon Bach im Mittelpunkt.
Es gab kein Knallen und ...
Rund 400 Besucherinnen und Besucher kamen am 1. August zum traditionellen Brunch auf dem Bühlerhof an der Lenk. Neben regionalen Spezialitäten standen die Jungbürgerfeier und die Festrede von Grossrat Simon Bach im Mittelpunkt.
Es gab kein Knallen und keine Rauchwolken, aber 400 zufriedene Leute. Schon von weitem ertönten Alphornklänge, die zum geselligen Beisammensein einluden. Die Familie Bühler hatte mit der Musikgesellschaft Lenk-St. Stephan und vielen weiteren Helferinnen und Helfern wieder einmal mit Herzblut ein herrliches Buffet aufgebaut, das die Bodenständigkeit nochmals unterstreicht. Die fast ausschliesslich einheimischen Produkte mit einem reichhaltigen Käseangebot, weiteren Milchprodukten, Fleischwaren, Müsli, Rösti, Spiegeleiern, herrlichen Züpfen und Broten sowie sonstigen Leckerbissen kitzelten Gaumen und Magen so richtig. Der Kaffee wurde zuvorkommend am Tisch serviert und wer weiteren Durst hatte, konnte sich an der Bühlerbar im Freien bedienen.
Aber auch an die kleinen Gäste wurde gedacht, denn für Kinder ist es nicht spannend, einen halben Tag mit den Erwachsenen am Tisch zu sitzen und brav zu sein. Für diese gab es die Möglichkeit, selbst Fahnen zu gestalten, am Musikworkshop teilzunehmen und zu erleben, wie ein Blasinstrument klingt. Auf dem grossen Vorplatz des Hofs konnten zudem die Pflastersteine bunt verziert werden. Christian Bühler war auch mit seinen Kleintieren angereist und viele Kinder erfreuten sich an den vorwitzigen Zwergziegen oder der besonderen Löwenkopfkaninchen-Familie. Und für diejenigen, die immer voller Energie waren, stand auch noch die Hüpfburg des Gewerbevereins bereit.
Und es werden volljährige Lenker Bürgerinnen und Bürger
Die Gemeinderätin Sandra Klopfenstein, die als Moderatorin fungierte, durfte sechs Lenkerinnen und vier Lenker hervorrufen, die die Ehre hatten, den Jungbürgerbrief in Empfang zu nehmen. Anschliessend erteilte sie dem Gemeindepräsidenten René Müller das Wort. Mit grosser Freude begrüsste der Gemeindepolitiker die Anwesenden, insbesondere auch den Festredner Grossrat Simon Bach. René Müller durfte festhalten, dass am Festtag 62,5 Prozent der berechtigten Jungbürgerinnen und Jungbürger anwesend seien, was entsprechenden Applaus wert war. Dies sei ein guter Anfang mit Potenzial, denn es brauche alle, wenn wir wollten, dass die Schweiz unsere Schweiz bleibt. «Ob Jung oder Alt, Frau oder Mann, Stadt oder Land, wie schon 1291 auf dem Rütli müssen wir zusammenstehen und zusammenhalten. Nur gemeinsam bewahren wir die Schweiz vor fremden Richtern. Ihr seid nun 18 Jahre alt und werdet endgültig und offiziell in die Welt der Erwachsenen aufgenommen. Damit erhaltet ihr neue Rechte, aber auch Pflichten», so Müller. Die wichtigste Pflicht sei nicht das Abstimmen und Wählen. Die wichtigste Pflicht sei, Verantwortung zu übernehmen und am Gemeindeleben teilzunehmen.
«Liebe Jungbürgerinnen und Jungbürger, ich sage es jedes Jahr wieder: All dies erhaltet ihr, ohne eine Prüfung abzulegen. Gratis. Ja, ihr müsst auch keinen Mitgliederbeitrag bezahlen. Die Aufnahme in den Verein ‹Schweizerbürger› ist kostenlos, ein Austritt ist jedoch nicht möglich – die Mitgliedschaft und die Treue zum Vaterland gelten lebenslänglich. Ich wünsche euch auf eurem weiteren Lebensweg von Herzen alles Gute, viel Kraft und Mut sowie die Fähigkeit, immer gute Entscheidungen zu treffen. Werdet nicht heimatmüde, steht zu eurer Heimat! Steht ein für unser Land, für Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit», sagte René Müller.
Der Festredner aus dem nächsten Nachbartal
Nun durfte die Moderatorin Simon Bach aus dem Turbachtal ans Rednerpult bitten. Obwohl der Bühlerhof und der Bauernhof von Simon Bach nur knapp neun Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind, musste der junge Festredner über Saanen und Zweisimmen fast eine Stunde fahren. Die Freude des frischgebackenen Grossrats aus dem Saanenland, an der Lenk auftreten zu dürfen, war ihm an seinem Strahlen anzusehen. Mit klaren und präzisen Worten zog der Redner die Zuhörerschaft in seinen Bann. Vorab wandte er sich an die Jungbürger, gratulierte ihnen zur Stimm- und Wahlberechtigung und merkte an, dass auch er vor elf Jahren einen solchen Brief erhalten hatte. Er ermutigte die Jungbürger, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, denn in wohl keinem anderen Land auf der Welt gebe es eine solche direkte Demokratie.
Die Schweizerfahne
Er kam auf seine Wahl in den Grossen Rat und seine Eindrücke aus der ersten Session zu sprechen. Bach berichtete, besonders aufgefallen sei ihm im Eingangsbereich des Rathauses das grosse Gemälde von Ferdinand Hodler aus dem Jahr 1882, auf dem ein Schwingerumzug und in der Mitte eine Flagge mit dem Schweizerkreuz zu sehen ist. So erfuhr er nun die kurze Entstehungsgeschichte der Fahne mit dem weissen Kreuz. Bis 1798 hatte die Alte Eidgenossenschaft keine einheitliche Fahne. Zwar war immer irgendein Kreuz zu sehen, aber keine Einheit. In der Zeit von 1798 bis 1803 tauchte schliesslich eine dreifarbige Fahne nach französischem Vorbild auf. Schliesslich war es General Guillaume Henri Dufour zu verdanken, dass die Schweizerfahne, wie wir sie heute kennen, ab 1840 von der damaligen Tagsatzung festgelegt wurde. In einer spannenden Erzählung ging Simon Bach auf die Person Dufour ein. Dieser baute gemäss seinen Worten die erste Hängeseilbrücke, kartografierte die gesamte Schweiz und war General im Sonderbundskrieg 1847, der glücklicherweise der letzte Krieg in der Schweiz war. Obwohl durch diesen Krieg der Fortbestand der Schweiz mit ihrem einzigartigen freiheitlichen politischen System gefährdet war, wurde der Weg zum heutigen Bundesstaat geebnet – und somit haben wir immer noch unsere neutrale Schweiz.
Die aktuelle politische Lage
Für den jungen Politiker ist das heutige freiheitliche, demokratische und föderalistische Politsystem nicht selbstverständlich. Bereits während seiner kurzen Amtszeit in Bern musste er feststellen, dass viele Politiker Themen lieber auf kantonaler oder sogar nationaler Ebene regeln möchten, anstatt den Gemeinden ihre Autonomie zu belassen. Er appelliert deshalb, zum föderalistischen System Sorge zu tragen und insbesondere die touristischen Gebiete im Berner Oberland nicht zu übergehen.
Bedenken bereiten ihm auch die am 2. März unterzeichneten EU-Verträge. Bach sagte, diese hätten aus seiner Sicht weitreichende Konsequenzen für die Schweiz und könnten Eigenständigkeit und Demokratie gefährden. Erschüttert zeigte er sich auch darüber, dass der Bundesrat und weitere Teile des Parlaments dazu bereit sind, solche Privilegien preiszugeben und die direkte Demokratie auszuhöhlen.
Bach betonte zudem die Bedeutung der bewaffneten Neutralität, welche die Schweiz seit rund 500 Jahren prägt. Im Jahr 1815 hätten die damaligen Grossmächte am Wiener Kongress erklärt, dass die Neutralität der Schweiz im Interesse von ganz Europa liege. Henri Dufour habe sich immer wieder für die Neutralität stark gemacht. Weiterhin war Dufour Mitgründer und erster Präsident des Roten Kreuzes. Somit überrasche es wenig, so Bach, dass die umgekehrte Schweizer Flagge, also die des Roten Kreuzes, ebenfalls auf Dufour zurückgeht. Damit eine Institution wie das IKRK überhaupt entstehen und bestehen könne, sei sie auf einen neutralen Staat wie die Schweiz angewiesen.
Zum Schluss
Mit dem Zitat von Dufour: «Wir müssen aus diesem Kampf nicht nur siegreich, sondern auch ohne Vorwurf hervorgehen», kam der Politiker und Bergbauer Simon Bach zu seinem Schlusswort. Er hielt fest, dass dieses Zitat bis heute Gültigkeit habe und in politischen Diskussionen sowie in der Familie und Gesellschaft einen wichtigen Grundsatz darstelle. Man solle seine Gegner mit Respekt behandeln, fair bleiben und gemeinsam weitergehen. Mit der Feststellung, dass das biblische Prinzip «Liebet eure Feinde» nach wie vor Gültigkeit habe, schloss der Redner seine Rede und wünschte allen Anwesenden mit der nachfolgenden Nationalhymne alles Gute und einen gesegneten 1. August.
Das Programm geht weiter
Die Musikgesellschaft Lenk-St. Stephan war bereit, und es ertönte die Nationalhymne, bei der doch noch einige Sänger miteinstimmten. Mit weiteren Darbietungen der Musikgesellschaft und des Örgelitrios Zeller ging der Nachmittag auf dem Bühlerhof bei Speis und Trank weiter.
HANS-UELI HÄHLEN



