Buure Metzg AG: eine Beschwerde blockiert Ersatzstandort
29.05.2026 GewerbeDie Buure Metzg AG braucht einen Ersatzstandort für ihre Fleischproduktion. Dafür soll das Schlachthaus Bödemli an der Turbachstrasse erweitert werden. Obwohl der Kanton die dafür nötige Zonenplanänderung genehmigt hat, blockiert eine Beschwerde das Projekt. Wir haben nachgefragt. ...
Die Buure Metzg AG braucht einen Ersatzstandort für ihre Fleischproduktion. Dafür soll das Schlachthaus Bödemli an der Turbachstrasse erweitert werden. Obwohl der Kanton die dafür nötige Zonenplanänderung genehmigt hat, blockiert eine Beschwerde das Projekt. Wir haben nachgefragt.
JONATHAN SCHOPFER
Wieso muss die Buure Metzg vom alten Standort weichen?
«Der heutige Hauptstandort in Gstaad ist gemietet», sagt Rolf von Siebenthal, Betriebsleiter der Buure Metzg AG. Der langjährige Mietvertrag sei 2023 ausgelaufen und vom Vermieter nochmals bis 2026 verlängert worden. «Der Vermieter stellt der Buure Metzg AG die Räumlichkeiten weiterhin zur Verfügung bis das neue Projekt umgesetzt werden kann. Er betrachtet das Projekt von regionaler Wichtigkeit.» Der Standort stosse aber baulich und betrieblich an und über seine Grenzen, fügt Rolf von Siebenthal hinzu. «Ohne neuen Standort kann die Buure Metzg AG in Gstaad nicht langfristig weitergeführt werden.» Ein weiterer Punkt komme hinzu: «Der Kanton duldet die bestehenden baulichen Verhältnisse nur noch mit Blick auf einen geplanten Neubau.»
Wo steht die Erweiterung des Schlachthauses Bödemli aktuell?
Damit der Standort erweitert werden kann, muss zusätzliches Land der Gewerbezone zugeführt werden. Die Landeigentümer der Parzelle haben sich 2020 für die Zonenplanänderung ausgesprochen.
Auf Anfrage schreibt die Gemeinderätin Patricia Matti von der Abteilung Bauinspektorat, Raumplanung und Umwelt der Gemeinde Saanen: «Mit Verfügung vom 4. Februar 2026 hat das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) des Kantons Bern die Änderung des Zonenplans Nr. 4 und die Änderung des Baureglements ‹Erweiterung Schlachthaus Bödemli› genehmigt.» Die noch hängigen Einsprachen seien entsprechend abgewiesen worden.
Gegen die Genehmigung des AGR sei jedoch innert der dafür vorgesehenen Frist Beschwerde erhoben worden. Das Verfahren liege nun beim Rechtsamt der Direktion für Inneres und Justiz.
Wann ist mit einem Entscheid des Rechtsamts zu rechnen?
Die Medienstelle des Rechtsamts schreibt auf Anfrage: «Die Beschwerde in diesem Verfahren ist Anfang März bei der Direktion für Inneres und Justiz (DIJ) eingegangen. Da es sich um ein hängiges Beschwerdeverfahren handelt, können wir darüber bis zu dessen Abschluss keine Auskunft geben.»
Damit bleibt offen, wann ein Entscheid fällt.
Was sagt Rolf von Siebenthal dazu?
«Die Buure Metzg AG ist ein Beispiel dafür, wie ein funktionierendes Geschäftsmodell nicht an wirtschaftlicher Realität, sondern an komplexen Verfahren und behördlichen Abläufen zu scheitern droht. Die Buure Metzg ist eine 30-jährige Erfolgsgeschichte mit der Landwirtschaft, Mitarbeitenden und Kunden. Wir arbeiten Hand in Hand und das sucht seinesgleichen!», sagt der Betriebsleiter der Buure Metzg AG, Rolf von Siebenthal. «Wenn jetzt keine Lösung kommt, muss der Betrieb schliessen.»
Wie viele Standorte und Mitarbeitende wären betroffen?
«Über 40 Mitarbeitende, darunter Lehrlinge und junge Berufsleute, arbeiten in Schlachtung, Verarbeitung, Produktion und Verkauf, verteilt auf den Hauptstandort in Gstaad und die beiden Filialen in Schönried und Rougemont», sagt Rolf von Siebenthal. «Ohne Produktionszentrale müssen auch diese Filialen geschlossen werden.»
«Jährlich liefern rund 170 regionale Landwirtschaftsbetriebe Tiere an die Buure Metzg AG – darunter Kälber, Rinder und Kühe, Schweine, Lämmer, Ziegen und Wild. Die Metzgerei darf an nahezu alle Gastrobetriebe im Saanenland liefern, an Feste und Anlässe, an viele Dorfläden sowie an Privatkundinnen und Privatkunden», sagt von Siebenthal.
Wie hat das Projekt begonnen?
«Bereits 2018 fanden private Gespräche statt, welche das Projekt ‹Regionales Kalbfleisch Saanenland› zum Ziel hatten», schreibt Gemeinderätin Patricia Matti. Ein Beitragsgesuch sei vom Amt für Landwirtschaft und Natur bewilligt worden. Gleichzeitig sei ein geeigneter Ersatzstandort zur Buure Metzg AG in der Dorfkernzone Gstaad gesucht worden.
Im Juli 2020 habe der Gemeinderat von Saanen beschlossen, auf das Gesuch zur Erweiterung der Gewerbezone Bödemli einzutreten und die Änderung des Zonenplans Nr. 4 sowie die Änderung des Baureglements zu starten, schreibt die Gemeinde weiter.
Welche Verfahrensschritte hat das Projekt bisher durchlaufen?
Vom 12. April bis 13. Mai 2022 fand laut Gemeinde eine Mitwirkung statt. «Im besagten Zeitraum gingen insgesamt sieben Eingaben zur Planung ein», schreibt Patricia Matti.
Anschliessend habe das Amt für Gemeinden und Raumordnung die Zonenplanänderung im Rahmen der kantonalen Vorprüfung und unter Beizug der kantonalen Fachstellen geprüft. «Der Vorprüfungsbericht datiert vom 24. Mai 2023 und beinhaltet Hinweise, Empfehlungen und Genehmigungsvorbehalte, welche in der Folge von der Gemeinde und der Bauherrschaft bereinigt werden konnten», schreibt Patricia Matti.
Im Rahmen der öffentlichen Auflage vom 31. Oktober bis 1. Dezember 2023 seien bei der Gemeinde zwei Einsprachen eingegangen. Danach habe die Gemeinde gemeinsam mit den Einsprechenden versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden. «An der Einspracheverhandlung konnte jedoch keine Einigung erzielt werden und die Einsprachen wurden aufrechterhalten», schreibt die Gemeinde Saanen.
Die Stimmberechtigten hätten an der Gemeindeversammlung die Zonenplanänderung mit 378 Jastimmen und drei Neinstimmen beschlossen. Nach der Beschlussfassung sei die Zonenplanänderung dem Amt für Gemeinden und Raumordnung zur Genehmigung eingereicht worden.
Was passiert nach der Beschwerde?
Heisst das Rechtsamt die Beschwerde gut, müsste die Planung angepasst oder neu beurteilt werden. Wird die Beschwerde abgewiesen, könnten die Beschwerdeführenden den Entscheid weiterziehen – im äussersten Fall bis vor Bundesgericht.
Kommt ein anderer Standort infrage?
Aus Sicht der Gemeinde Saanen kommt kein anderer Standort infrage. Sie habe im Umkreis von 15 bis 20 Fahrkilometern mögliche Alternativen geprüft. «Bevor der Standort Bödemli fixiert wurde, wurden sämtliche unüberbauten Grundstücke in der Gewerbezone oder vergleichbaren Zonen innerhalb der Gemeinde Saanen geprüft», schreibt die Gemeinde Saanen.
Das Tomi-Areal im Süden von Gstaad komme laut Gemeinde nicht infrage. «Das Tomi-Areal ist mit einer Dienstbarkeit belegt, welche die Produktion, die Lagerung und den Verkauf von Lebensmitteln untersagt.» Aufgrund dieser Dienstbarkeit sei die vorgesehene Nutzung auf dem gesamten Areal ausgeschlossen. Gegen diesen Standort spreche zudem der längere Erschliessungsweg, der zusätzliche Transportwege und damit höhere Emissionen verursachen würde.
Auch Standorte im Umkreis von rund 15 bis 20 Fahrkilometern seien geprüft worden. In Zweisimmen bestehe zwar die teilweise noch unbebaute Gewerbezone Grossenmatte. «Eine Ansiedlung eines Schlachthauses würde nicht dem beabsichtigten Nutzungsmix der Gewerbezone entsprechen», schreibt die Gemeinde Saanen. Zudem würden sich die Fahrten zur Belieferung des Schlachtbetriebs und zur Auslieferung der Produkte ins Saanenland sowie des Personals wesentlich verlängern.
In Rougemont und Château-d’Oex gibt es laut Gemeinde keine ausreichend grossen unbebauten Gewerbezonen für ein Schlachthaus. «Damit und mit der Möglichkeit zur Nutzung von Synergien mit dem bestehenden Schlachthaus ist der Bedarf für die Erweiterung der Gewerbezone Bödemli ausreichend nachgewiesen», schreibt die Gemeinde Saanen.
«Zudem liegt es im Interesse der Gemeinde Saanen sowie des Kantons Bern, die generierte Wertschöpfung durch die Betriebe im Kanton Bern und im Saanenland zu halten», schreibt die Gemeinde weiter.
Kann die Buure Metzg weiterplanen?
Nur bedingt. Die Projektinitianten könnten die Detailplanung trotz des laufenden Beschwerdeverfahrens fortsetzen und grundsätzlich auch ein Baugesuch bei der Gemeinde einreichen. «Eine Baubewilligung kann jedoch erst erteilt werden, wenn die Änderung des Baureglements rechtskräftig ist», schreibt die Gemeinde Saanen.
Rolf von Siebenthal sagt, die Planung sei weit fortgeschritten. Er hofft, dass die Beschwerde rasch erledigt werden kann, damit das Baugesuch eingereicht werden kann. «Ich bin selber auf einem Bauernbetrieb aufgewachsen. Wirtschaftlich ist es eine unsichere Zeit. Mir liegen schlussendlich auch die Betriebe und die Sicherung der regionalen Lebensmittelversorgung am Herzen.»





