«Das Ziel ist Olympia 2028»
16.02.2026 SerieEnya von Grünigen ist 21 Jahre alt, stammt aus dem Saanenland und hat sich in kurzer Zeit in der Schweizer Flag-Football-Szene einen Namen gemacht. Mit viel Ehrgeiz, Leidenschaft und Unterstützung durch ihren Partner hat sie den Sprung in die Nationalmannschaft ...
Enya von Grünigen ist 21 Jahre alt, stammt aus dem Saanenland und hat sich in kurzer Zeit in der Schweizer Flag-Football-Szene einen Namen gemacht. Mit viel Ehrgeiz, Leidenschaft und Unterstützung durch ihren Partner hat sie den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft und träumt nun von Olympia.
PAULA H. MITTAG
«Das Ziel ist Olympia 2028», teilt Enya von Grünigen mit einem Lächeln im Gesicht mit, und doch merkt man, dass sie es voll und ganz ernst meint. Die junge Flag Footballerin ist gerade mal 21 Jahre alt und ist schon stolzes Mitglied in der Nationalmannschaft im Flag Football. Auch die Teilnahme an der Europameisterschaft steht schon in ihrem Lebenslauf, obschon sie diesen Sport erst vor knapp drei Jahren angefangen hat. Auf die Frage, ob sie denn noch Hobbys ausserhalb des Flag Footballs habe, erzählt sie mir begeistert von ihren Freizeitbeschäftigungen: «Ich betätige mich gerne sportlich und bin gerne draussen.» Draussen ist sie auch oft beruflich: Die junge Sportlerin ist Pöstlerin und hat einen Zwergpudel. «Mein Hund ist mein Hobby», sagt sie lachend. «Flag Football ist mit American Football verwandt und ähnlich aufgebaut, jedoch kontaktarm», erklärt Enya von Grünigen (siehe Kasten).
«Ich hatte keine Zeit mehr, um spontan zu sein»
Enya von Grünigens Wurzeln liegen im Saanenland, wo sie aufgewachsen ist und wohin sie heute noch regelmässig zum Skifahren zurückkehrt. «Ich komme gerne hier hoch, um abzuschalten. Die Natur, die Erinnerungen – das ist einfach Heimat.» Sie ist bereits mit 15 aus ihrem Elternhaus im Saanenland nach Thun in eine WG gezogen, um ihrer Ausbildung als Bereiterin auf einem Gestüt in Bern nachzugehen. Aufgrund ihres neu gefundenen sportlichen Lebensinhalts hatte sie keine Zeit mehr für ihren alten Beruf. «Ich war Bereiterin, das war nicht nur ein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung und hat mir lange Zeit sehr viel Spass gemacht», erzählt sie. Doch die langen Arbeitstage liessen kaum Raum für Training oder Freizeit. «Ich hatte keine Zeit mehr, um spontan zu sein.» Der Wechsel zur Pöstlerin war für sie ein Befreiungsschlag, es gab kürzere Arbeitszeiten und mehr Zeit sowie Energie für den Sport.
Freund als Inspiration
Enya von Grünigen ist durch ihren Freund zum Flag Football gekommen, welcher American Football spielte, seit er 13 Jahre alt war. Jedoch zog er sich eine Verletzung zu, was dazu führte, dass er zum Flag Football wechselte. Denn der Flag Football ist eine kontaktarme Variante des American Tackle Footballs. Er hat Enya von Grünigen animiert, selbst einmal ins Training zu kommen. «Da hab ich Feuer gefangen», erzählt sie begeistert.
«Hopp, Highland Capricorns!»
Inzwischen gründete sie mit ihrem Freund einen eigenen Verein: den Flag Football Verein Highland Horns. Der Verein ist am 13. Oktober ins Leben gerufen worden. Mit dem neuen Verein wurde auch die erste reine Frauen-Flag Football-Mannschaft im Kanton Bern gegründet. Der Verein setzt auf kreative Mannschaftsnamen: Während die Männermannschaft «Highland Goats» heisst, treten die Frauen als «Highland Capricorns» an.
Nicht nur körperliche, sondern auch mentale Stärke
«Ich finde mentale Stärke sehr wichtig. Mein Motto ist: ‹Fake it till you make it›», erklärt Enya von Grünigen (Anm. d. Red: sich selbstbewusst und kompetent verhalten, auch wenn man unsicher ist oder noch nicht über die nötigen Fähigkeiten verfügt, bis man diese tatsächlich entwickelt hat). Für sie ist es wichtig, Fehler und falsche Spielzüge zu machen, um besser zu werden. «Man darf wegen solcher Fehler nicht aufgeben, sonst wird man nicht besser. Aus Fehlern sollte man lernen», erläuterte sie entschlossen. Es bringe nichts, wenn man sich von einem Fehler ganz am Anfang des Spiels unterkriegen lasse und dieser so auf die Gedanken schlage, dass man sich für das ganze Spiel nicht mehr konzentrieren könne. «Immer wenn ich ein mentales Tief habe, sage ich: Ich geh ganz weit nach unten, damit ich Schwung habe für ganz nach oben», erklärte die Flag Footballerin mit Überzeugung.
Olympia: das grosse Ziel für 2028
Besonders fasziniere sie am Flag Football die Spieldynamik, welche das Spiel aufweise. «Als ich in die Defensive gewechselt habe, hats mich richtig gepackt», sagt sie. Es sei eine sehr schnelle und komplexe Sportart, welche das Taktische und das Sportliche vereine. «Wenn man beispielsweise in der Defensive den Ball abfängt oder runter schlägt, sind das grosse Gefühle.» Nicht nur der Flag Football allgemein habe es ihr angetan, sondern auch der Kraftsport: «Es motiviert mich, wenn ich Kraftsport mache und sehe, was es mir bringt und wie ich mich verbessere.» Ihr momentanes Ziel in diesem Sport sind die Olympischen Spiele 2028. «Ich würde gerne alles daraufsetzen und schauen, ob es reicht», so von Grünigen.
Wovon träumen die jungen Menschen im Saanenland und wie gestalten sie ihr Leben? Die Serie «Jung und ...?» gibt ihnen eine Stimme.
WAS IST FLAG FOOTBALL?
Flag Football ist die kontaktarme Variante von American Football. Statt Tackles werden den ballführenden Spielerinnen Klett-Flags (Bänder) an der Hüfte abgezogen – der Spielzug endet, ohne dass jemand zu Boden gebracht wird. Gespielt wird meist fünf-gegen-fünf auf verkürztem Feld mit schnellen «Stop-and-go»-Sprints, präzisen Pässen und klaren Rollen als Offence- und Defence-Spieler. Das macht den Sport dynamisch, taktisch – und sicherer als Tackle Football. Der Schweizerische American Football Verband (SAFV) ist der Dachverband, der Ligen organisiert, Nationalteams betreut und die Entwicklung der Sportart in der Schweiz fördert.
PAM/SWO










