Die Gelassenheit der Chorsänger
12.06.2026 NachbarschaftDraussen Regen, drinnen musikalischer Hochgenuss: Der St Salvator’s Chapel Choir aus dem schottischen St Andrews verwandelte die voll besetzte Kirche St. Peter’s in Château-d’Oex in einen Ort der Ruhe, Harmonie und beeindruckenden Klangfülle.
...Draussen Regen, drinnen musikalischer Hochgenuss: Der St Salvator’s Chapel Choir aus dem schottischen St Andrews verwandelte die voll besetzte Kirche St. Peter’s in Château-d’Oex in einen Ort der Ruhe, Harmonie und beeindruckenden Klangfülle.
ETIENNE ROCH
Gelassenheit ist eine Stärke. Sie trägt wesentlich zur inneren Ruhe bei – so wie am Donnerstag, 4. Juni, in der anglikanischen Kirche St. Peter’s in Château-d’Oex. Dort war ein Chor aus Schottland zu Gast. Die anglo-sächsische Verbindung bot den idealen Rahmen für ein aussergewöhnliches Musikerlebnis. Selbst das fast schon schottische Regenwetter hielt die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nicht davon ab, den Anlass zu besuchen. Die Kirche war denn auch bis auf den letzten Platz gefüllt, als die jungen Sängerinnen und Sänger mit ihren eindrucksvollen Stimmen auftraten.
Musikalische Tradition aus Schottland
Der St Salvator’s Chapel Choir wurde an der renommierten Universität von St Andrews gegründet. Die kleine Küstenstadt im Osten Schottlands liegt zwischen Edinburgh und Dundee. Die 1413 gegründete Universität geniesst einen Ruf, der mit jenem von Oxford oder Cambridge vergleichbar ist. Rund 10’000 Studierende aus 135 Nationen sind dort eingeschrieben. Neben dem St Salvator’s Chapel Choir beherbergt die Universität weitere Chöre, deren Bekanntheit weit über die Landesgrenzen hinausreicht.
Die Studierenden verbinden ihr Universitätsstudium mit ihrer Leidenschaft für den Chorgesang und sind somit keine Berufsmusiker. Dank einer langen Tradition der Exzellenz, grossem Engagement und konsequenter Förderung erreichen sie dennoch ein aussergewöhnlich hohes Niveau.
Eine Reise durch die Chormusik
Unter der Leitung von Claire Innes-Hopkins präsentierte das für diesen Anlass aus 23 Chormitgliedern bestehende Ensemble einen Querschnitt durch mehrere Jahrhunderte der Chormusik. Auf dem Programm standen Werke zahlreicher Komponisten, darunter Charles Wood, Francis Poulenc, Maurice Greene, Pablo Casals und Ralph Vaughan Williams.
Ergänzt wurde das Konzert durch drei Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, die von den Organisten Daniel Toombs, Calum Landon und Alexey Popov eindrucksvoll interpretiert wurden.
Die Lieder wurden auf Englisch, Deutsch, Latein und Französisch vorgetragen. Die meisten Werke standen in der christlichen Tradition und waren Lobgesänge auf Gott. Der zweite Teil des Konzerts widmete sich der Fastenzeit, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Den Abschluss bildeten zwei wunderschöne schottische Lieder, darunter das bekannte «Scotland the Brave» in einem Arrangement von Seb Roberts. Das Stück gehört zum festen Repertoire vieler Dudelsackformationen an den zahlreichen Festivals des traditionsreichen Landes.
Standing Ovations zum Abschluss
Die Anwesenden konnten sowohl die Kraft als auch die Sanftheit der Stimmen dieser jungen Erwachsenen erleben. Mit technischer Präzision und grosser Bühnenpräsenz brachten sie ihre natürlichen Gesangstalente eindrucksvoll zur Geltung. Sopran- und Tenorstimmen, Solopassagen und Kanongesänge verschmolzen zu einem harmonischen Ganzen und begeisterten das Publikum. Entsprechend gross fiel der Applaus am Ende des rund eineinhalbstündigen Konzerts aus: Die Sängerinnen und Sänger wurden mit Standing Ovations verabschiedet.
Britische Verbundenheit seit 1916
Die anglikanische Kirche St. Peter’s hatte die Freude, den Chor als erste Station seiner Tournee mit fünf Konzerten durch die Schweiz zu empfangen. Dass die Tournee gerade in Château-d’Oex begann, passt zur langen Verbundenheit der Region mit Grossbritannien. Bereits 1916 gehörte die Gemeinde zu den ersten Orten, die britische Soldaten aufnahmen und damit eine bis heute bestehende Beziehung zur britischen Gemeinschaft begründeten.
Für die weitere Reise durch die Schweiz bleibt zu hoffen, dass die jungen Sängerinnen und Sänger überall auf ebenso grosse Wertschätzung stossen wie an diesem Abend. Ihr Publikum dankte ihnen nicht zuletzt für die Gelassenheit und Ruhe, die sie mit der Schönheit ihrer Stimmen vermittelten.

