Dorforganisation Schönried: Rochade im Vorstand
07.04.2026 Schönried
Dorforganisationspräsidentin Christine Schopfer führte mit ihrem Team zügig durch die ordentlichen Traktanden. Vor zwei Jahren hat sie das Präsidium übernommen, nun gibt sie es weiter an Irene Eggenberg, bleibt aber im Vorstand. Einen grossen Stellenwert an der ...
Dorforganisationspräsidentin Christine Schopfer führte mit ihrem Team zügig durch die ordentlichen Traktanden. Vor zwei Jahren hat sie das Präsidium übernommen, nun gibt sie es weiter an Irene Eggenberg, bleibt aber im Vorstand. Einen grossen Stellenwert an der Hauptversammlung haben jeweils die Ehrungen für herausragende Leistungen.
ANITA MOSER
76 Personen – 56 Mitglieder und 20 Nichtmitglieder – haben am Gründonnerstag an der Hauptversammlung der Dorforganisation Schönried im Hotel Ermitage teilgenommen. Vorstandsmitglied Irene Eggenberg blickte anhand von Impressionen auf ein attraktives und abwechslungsreiches Jahresprogramm zurück. Darunter das zum ersten Mal durchgeführte Dorffest, Migros Hiking Sounds, der traditionelle Nationalfeiertag, das Platzkonzert der Musikgesellschaft Gstaad oder der erste Migros Grandprix Nordic usw.
Rochade im Vorstand
Christine Schopfer wurde 2024 von der Versammlung zur Präsidentin gewählt. Nicht ganz freiwillig habe sie sich für das vakante Amt zur Verfügung gestellt, erklärte Vorstandsmitglied Heinz Zürcher. «Mit ihrer eigenen Art von Enthusiasmus und Initiative hat sie das Amt übernommen und ausgeübt.» Auf ihre Initiative hin sei zum Beispiel das erste Dorffest organisiert worden. Sie habe aber immer klar kommuniziert, dass sie das Amt nur ad interim ausübe. Im Laufe des letzten Jahres habe sich die vor zwei Jahren in den Vorstand gewählte Irene Eggenberg bereit erklärt, das Amt zu übernehmen und sich im Laufe des letzten Jahres eingearbeitet. Mit Applaus wählte die Versammlung Irene Eggenberg zur Präsidentin, Christine Schopfer bleibt im Vorstand.
In Abwesenheit, aber ebenfalls mit Applaus wurde Neal Schwenter in den Vorstand gewählt. «Er ist sehr engagiert. Er wurde frisch in die Dorforganisation aufgenommen, jetzt ist er bereits im Vorstand. Gestern hat er den Betrieb seines Vaters übernommen, heute ist er in die Ferien gefahren – Sie sehen, er ist richtig, richtig initiativ», schmunzelte Zürcher. Neal Schwenter tritt die Nachfolge an für Laura Riedi, welche nach fünf Jahren demissioniert hat. «Sie hatte einen guten Draht zur Langlaufszene, war verbindendes Mitglied und hat viel geleistet im Vorstand», würdigte Zürcher das Engagement der krankheitshalber abwesenden Laura Riedi.
Rechnung mit Defizit
Die Rechnung 2025 schliesst bei einem Ertrag von Fr. 26’254 und einem Aufwand von 36’664 Franken mit einem Defizit von 10’410 Franken ab. Das Budget 2026 rechnet bei einem Ertrag von Fr. 27’800 und einem Aufwand von Fr. 27’580 mit einem Plus von 220 Franken. Sparen will man beim Dorffest – unter anderem bei der Zeltmiete. «Deshalb findet das Dorffest dieses Jahr in der Mehrzweckhalle statt», erklärte Vorstandsmitglied Tatjana Röthlin. Weniger budgetiert ist auch beim Posten Ortsversammlung/Vorstand. Rechnung und Budget wurden ohne Wortmeldung zur Kenntnis genommen und dem Vorstand Décharge erteilt.
Die Dorforganisation zählt nach fünf Austritten und vier Eintritten per Ende 2025 220 Mitglieder.
Ehrungen für herausragende Leistungen
Im Rahmen der Dorforganisationsversammlung werden traditionell Personen für herausragende Leistungen in Beruf, Sport, Musik und Kultur geehrt. Dieses Jahr kam zwölf Personen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – diese Ehre zu. Es sind dies: Luis Iseli (Ski Freestyle) – er hat die Aufnahme an die Sportschule Engelberg geschafft, was mit spontanem Applaus quittiert wurde – Larina von Siebenthal, Raphael Herrmann, Luc Herrmann, Sue Piller (alle Ski Alpin), Sascha Gyger (Bass), Nicola von Siebenthal (Spengler), Emma und Raphael Bütschi, Luana Martin (Mitglieder Kinderchörli Saanenland) sowie Vater und Sohn Roland Martin und René Martin (beide Bogenschiessen).
Verkehrssituation und Kommunikation
«Was passiert mit der Durchgangsstrasse Schönried oder passiert nichts mehr?», fragte Heiner Lutz unter dem Traktandum Verschiedenes. Das Thema sei ein Dauerbrenner seit Jahrzehnten. Seines Wissens sei im Moment diesbezüglich – Tempo 30 – nichts Weiteres vorgesehen, antwortete Gemeinderat Elio von Grünigen und würdigte die Arbeit der Dorforganisation. Die Dorforganisation übernehme einen wichtigen Teil für die Gemeinde – das Dorfleben im kleinsten Grad zu beleben und vielleicht zusammen darüber nachzudenken, wie man das Dorf weiterentwickeln könne. «Die Dorforganisation ist nicht zwingend politisch, aber sie kann es sein», so von Grünigen. «Und sie hat auch einen wichtigen Draht zu den Gästen, den hat die Gemeinde nicht.»
Die Dorforganisation könne bezüglich der Dorfstrasse wohl selber nicht viel bewirken, aber sie könne bei der Gemeinde das Thema ansprechen, sagte Tatjana Röthlin. Er habe sich oft dafür eingesetzt, Schönried attraktiver zu machen, indem man – wohl oder übel – das Tempo anpasse, betonte der langjährige ehemalige DO-Präsident Rolf Schwenter. Das sei nicht gut angekommen, es habe eine Petition gegen Tempo 30 gegeben. Rund 20 Vertreter von Geschäften, Hotels, Dorforganisation hätten eine Begleitgruppe gebildet. Der Kanton habe jedoch entschieden, dass das Thema nicht weiterverfolgt werden könne, weil die Opposition zu gross sei. «Das wurde leider nicht öffentlich kommuniziert», kritisierte Schwenter. «Schönried hätte es – ebenso wie Saanen oder Gstaad – verdient, ein bisschen Attraktivität zu bekommen. Etwas beruhigen, etwas langsamer, ein bisschen leiser, etwas weniger stinken», so einfach wäre das seiner Meinung nach.
Als Tohuwabohu bezeichnete Hans Frautschi die aktuellen Öffnungszeiten der Bergbahnen. «Ich bitte die Dorforganisation beim GST und den Bergbahnen vorstellig zu werden, damit wir klare und koordinierte Öffnungszeiten bekommen, dass alle im Tourismus Involvierten wissen, was geht.» Der Winter habe sich zurückgemeldet und die BDG beschlossen, das Horneggli kurzfristig nochmals zu öffnen, so Frautschi. Die Skischule habe das Kinderparadies aber bereits abgebaut. «Es macht keine gute Falle, wenn der Kuhstall vier Tage offen hat und davor sieht es aus, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte», kritisierte er. Sie verstehe den Part betreffend Kommunikation, das gebe sie gerne so weiter, betonte Tatjana Röthlin. Aber man habe jahrelang kritisiert, die Bahnen seien nicht flexibel. Sie selber habe sich riesig gefreut, dass die Bahnen am Horneggli über Ostern nochmals offen gewesen seien, dass man auf das Gästebedürfnis reagiert habe. Die BDG habe sich den Entscheid nicht einfach gemacht, betonte Alfred Schopfer. «Es war ein guter Entscheid, aber es war auch für die Angestellten nicht einfach.» Einige hätten ihre Ferien schon gebucht, seien aber zurückgekommen. Es hätte sicher Kritik gegeben, hätte man an den ursprünglichen Betriebsdaten festgehalten und den Betrieb am Horneggli am 28. März eingestellt. Es gehe ihm ausschliesslich um die Kommunikation und Koordination, betonte Hans Frautschi, «dass im Herbst die Betriebszeiten Winter aufgeschaltet sind, damit sich jeder Betrieb entsprechend organisieren kann.» Dank Kunstschnee sei das Horneggli problemlos gleich lang befahrbar wie die Bahnen in Saanenmöser. «Ich denke, wir haben einander verstanden», betonte die Vorsitzende schmunzelnd und schloss dieses Thema. Nach dem Hinweis von Bruno von Siebenthal auf das Oberländische Schwingfest in Gstaad Mitte Juni leitete sie über zum zweiten Teil mit Scherenschnittkünstlerin Regina Martin (siehe Kasten).
EINST BELÄCHELT, JETZT ALS KÜNSTLERIN ANERKANNT
Regina Martin nahm die Anwesenden mit auf eine Reise des Scherenschnitts, des Papiers, der Scheren sowie auf ihren eigenen Werdegang. Ein Bild des Künstlers Christian Schwizgebel, das im Wohnzimmer ihrer Eltern hing, faszinierte Regina Martin als Elfjährige. Sie habe nie einen Musikstar als Vorbild gehabt, sondern eben Christian Schwizgebel. «Ich durfte einen ganzen Nachmittag mit ihm verbringen. Er war nicht unbedingt eine Plaudertasche. Und ich mit meinen elf Jahren sehr scheu und ich wagte mich kaum, ihm Fragen zu stellen. So haben wir den Nachmittag halt stillschweigend und mit Schneiden verbracht.» Zum Abschied habe er ihr die Hand gereicht und gesagt: «Du musst weiterschneiden, deine Tiere, die leben.»
Der Begriff Scherenschnitt sei heute noch mit der Tradition und heiler Welt belegt, werde als naiv betitelt und provoziere bei vielen Leuten ein skeptisches oder gar mitleidiges Lächeln. «Auch ich werde manchmal etwas abschätzend so hingestellt, als würde ich daheim im Atelier etwas basteln. Dass dies hoch anstrengend sein kann, verstehen die Leute oftmals nicht.» Nach dem wochenlangen, gar monatelangen Arbeiten an einem Bild sei sie jeweils «nudlefertig». Beim Anblick von Werken von zeitgenössischen Papierschneidern wichen Klassifizierungen von hobbymässig, naiv, antiquiert, volkstümlich, kitschig aber grossem Erstaunen und hoher Wertschätzung. Was sie auch bei den meisten ihrer Kunden erlebe. «Erst dann wird anerkannt, dass sich Scherenschneider mit ihrer Umwelt ebenso auseinandersetzen wie Künstler anderer Kunstrichtungen. Sie arbeiten mit spielerischer Fantasie, mit Entdeckungsfreude, mit Formenvielfalt, mit Ausdruckskraft. Sie feilen an ihrer Technik, sie probieren Neues aus und fordern den Betrachter heraus. Mit ihren Innovationen haben die Papierschneider bewiesen, dass ihre Kunst dem Vergleich mit jeder anderen Kunstrichtung standhält.» Manchmal werde auch sie nicht richtig ernst genommen und als altertümlich und verstaubt angesehen, mit einem Hobby, das niemanden interessiert. «Wenn ich ihnen aber dann von meiner Arbeit erzähle, wächst ein grosses Interesse und auch eine grosse Demut vor meiner Arbeit. Und wenn sie wüssten, welche bekannten Persönlichkeiten schon in meinem Atelier neben mir sassen…»
Den Scherenschnitt gebe es nicht. Die Vielfalt reiche vom Alpaufzug bis hin zum Genrebild, von der Jugendstilanlehnung bis hin zur Karikatur, von der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung bis zur Abstraktion. Im Scherenschnitt habe sie eine Kunstform gefunden, «die voll und ganz meinem Naturell entspricht: klare Grenzen zwischen Schwarz und Weiss sowie eine Technik, die Geduld und vor allem Präzision erfordert». Sie befasse sich am liebsten mit traditionellen Sujets, wage sich aber auch an neue Bilder, wie zum Beispiel an einer schweizerischen Ausstellung mit dem Thema lebendige Stadt. Dafür habe sie das Bild «Shoppingfieber» geschnitten. «Im Moment arbeite ich an einem Bild mit dem Titel ‹Gämsen im Schnee›. Das heisst, ich schneide einfach weg, was zuviel ist. Ich erwecke sozusagen das Papier zum Leben.» Sie zeichne ihre Bilder nur rudimentär vor, also ziemlich unvollständig. Die Präzision kommt mit dem Schnitt. «Neue Werke entstehen oftmals durch Eindrücke von Bildern, Motiven aus der Natur und aus dem Leben.» Der aufregendste Moment sei stets, wenn sie das Papier entfalte und die meist symmetrischen Sujets richtig betrachten könne. «Das ist sozusagen der Lohn für meine Arbeit.»
ANITA MOSER


