Freiwilligenarbeit macht zufriedener
17.12.2024Bereits als junge Frau wollte Marianne Brunner die Welt entdecken und Gutes tun, nicht nur kommerziell arbeiten, sondern auch menschlich etwas bewirken. Die Zeit mit ihrem Mann Alfred in Kamerun (1971–1974), der über die Mission 21 die Spitalverwaltung in Manyemen übernommen hatte, hinterliess einen bleibenden Eindruck und auch die Begeisterung für dieses afrikanische Land. So kam es, dass sich Marianne Brunner 30 Jahre ehrenamtlich für den Claro Weltladen in Zweisimmen und den fairen Handel engagierte.
Zahlreiche Studien haben herausgefunden, dass Freiwilligenarbeit auch denen guttut, die diese leisten, und nicht nur denjenigen, die Unterstützung erhalten. Die sozialen Kontakte und das Zusammengehörigkeitsgefühl werden gefördert und man fühlt sich weniger isoliert. Egal ob durch lokale gemeinnützige Arbeit, nationale Initiativen oder globale Projekte, das Gefühl der Freiwilligen, mit anderen etwas Wichtiges zu schaffen, wird gestärkt, ohne immer nur an den kommerziellen Aspekt zu denken. Gemeinsam Gutes zu tun, fördert eine empathischere und verbundenere Gesellschaft. Die geistige Gesundheit ist besser und mit gesellschaftlichen Stressfaktoren aufgrund der zunehmenden Digitalisierung kann besser umgegangen werden.
Da bleibt die Frage, warum es heute so schwer ist, Freiwillige für Arbeiten in Vereinen, Vorständen, Gremien, Projekten und Parteien zu finden. Vereine sind ein wichtiger Bestandteil des sozialen und kulturellen Lebens in der Schweiz. Wer sich in einem Verein engagiert, ist Teil einer Gemeinschaft.
Kamerun ist Marianne Brunner ans Herz gewachsen
Marianne Brunner hat sich immer gerne für andere engagiert. So kam sie als junge Frau in Kontakt mit der Mission 21, dem evangelischen Hilfswerk Basel und lernte dort ihren Mann Alfred kennen, der ab 1969 als Spitalverwalter in Kamerun arbeitete. 1971 heirateten die beiden und lebten nun in Westkamerun. Seitdem ist Kamerun Marianne Brunner ans Herz gewachsen, «auch wenn es nicht immer einfach war dort». Ihr Haus war direkt am Urwald und ihre erste Tochter (von insgesamt drei Kindern) ist in Kamerun geboren. Über Pidgin-Englisch, eine vereinfachte Sprache mit Bestandteilen aus Englisch, Französisch und anderen Sprachen, ging die Verständigung nach und nach besser.
Zurück in der Schweiz und bald schon neue Projekte
Nach einigen Jahren konnte ein einheimischer Spitalverwalter eingesetzt werden. Hilfe zur Selbstständigkeit ist immer noch ein wichtiger Faktor bei der Entwicklungshilfe. Familie Brunner kam daraufhin zurück in die Schweiz, nach Saanen, wo Alfred Brunner als Spitalverwalter des Spitals Saanen arbeitete.
Als Delegierte des Kirchlichen Bezirks bei der kirchlichen Stellenvermittlung (heute Aupair.ch) lernte Marianne Brunner Kuth Dubach aus Blankenburg kennen, die ebenfalls Delegierte für das Obersimmental war. Das Herz ging Marianne Brunner auf, sie hatte jemanden getroffen, der sich ebenfalls für Fairtrade-Handel, also der Verbesserung der Lebenssituation von Produzentinnen und Produzenten in Afrika, Asien, Südamerika und im Nahen Osten, einsetzen wollte.
Eröffnung des Claro-Weltladens in Zweisimmen
Mitte der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre entstanden die ersten Dritte-Welt-Läden, später Eine-Welt-Läden. Eine Gruppe mit Ruth Dubach engagierte sich bereits für die fair gehandelten Produkte. 1985 hatte sie bereits einen Stand in der Bahnhofstrasse am «Märit». Das Interesse an den Produkten wurde immer grösser und die Idee für einen eigenen Laden reifte immer mehr.
1994 war es endlich so weit, der Dritte-Welt-Laden, später Claro-Weltladen konnte an der Saanenstrasse (heute Galerie Art Bistro) eröffnet werden. Seit 2007 befinden sich die Geschäftsräume nun an der Lenkstrasse. Liebevoll dekoriert und verkauft werden die Waren, Lebensmittel, Geschenke und viele andere nützliche Sachen, alle fair und sozialverträglich oder auch in der Schweiz in sozialen Institutionen hergestellt, von den ehrenamtlich arbeitenden Frauen. Aber auch die Ehemänner helfen viel im Hintergrund mit.
Besonders glücklich ist Marianne Brunner, dass über die Stiftung Terrespoir frische Früchte wie Ananas, Bananen etc. zweimal im Jahr (Weihnachten und Ostern) im Direktvertrieb weiterverkauft werden können. «Terrespoir ist ein Kind von mir, ich freue mich sehr, so Kameruner Bauern helfen zu können», so Marianne Brunner. «Vielleicht ist heute das Bewusstsein nicht mehr so da, dass man nicht auf Kosten anderer leben sollte», meint sie nachdenklich. Hoffen wir doch, dass sich die junge Generation dessen bewusst ist und dass die Eine-Welt nicht nur digital auf dem Handy existiert, sondern auch real gelebt wird.
Seit einigen Jahren wohnen Alfred und Marianne Brunner nun in Zweisimmen und bis Mai dieses Jahres hat sich Marianne von ganzem Herzen für den Claro-Weltladen engagiert. Nach 30 Jahren hat sie nun Platz für neue Freiwillige gemacht. Wie in vielen Vereinen auch, werden im Claro Weltladen ehrenamtliche Mitarbeitende gesucht, die sich mit Freude für ihre Mitmenschen einsetzen und Gutes tun möchten (siehe auch Inserat). Es wäre schön, wenn die Freude an ehrenamtlichen Ämtern wieder neu entdeckt werden würde.
«SIMMENTAL ZEITUNG»/KERSTIN KOPP
MISSION 21 – EVANG. MISSIONSWERK BASEL
«Wir borgen von der Zukunft und geben es doch nie zurück», hat Hans-Christoph Neuert unseren gegenwärtigen Lebensstil auf den Punkt gebracht. Die Mission 21 sucht gemeinsam nach Wegen, die uns in eine menschenwürdige Zukunft führen. Das Missionswerk setzt sich als Teil der weltweiten Kirche für Gerechtigkeit, Religionsfreiheit und Frieden ein. Ein Leben in Würde bedeutet: Ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit mit ausreichend Nahrung, mit Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung – für alle Menschen, ungeachtet ihres Geschlechts und ihrer ethnischen, religiösen und kulturellen Zugehörigkeit sowie ihrer sexuellen Orientierung.
PD
TERRESPOIR – STIFTUNG FÜR FAIREN HANDEL
Terrespoir wurde 1992 gegründet und ist eine Stiftung, die sich für den fairen Handel zwischen der Schweiz und Afrika einsetzt. Sie unterstützt Gruppen Kamerunischer Kleinbauern bei der Vermarktung ihrer Produkte. Terrespoir verbessert die Einkommen und Lebensbedingungen von rund 130 Produzentenfamilien in Kamerun.
PD
HISTORIE DES CLARO-WELTLADENS
1974 wurde der erste Weltladen der Schweiz in Uster eröffnet. Zwei Jahre später, 1976, war die Gründung der Vereinigung der Weltläden «Corr – The Jute Works» in Bangladesch. Sie stellt die legendären Jutetaschen her, die in den Siebzigerjahren die Fair-Trade-Bewegung mit ausgelöst haben.
Am 22. Juni 1977 wird mit Hilfe von Schweizer Hilfswerken die Import-Gesellschaft OS3, die «Schweizer Import- und Informationsstelle für Waren aus Entwicklungsländern» mit Sitz in Sonceboz gegründet. In diesem Jahr wird von der Organisation «Erklärung von Bern» die Aktion «Jute statt Plastik» durchgeführt. Es werden 250’000 Jutetaschen verkauft – dies führte zu mehr Akzeptanz des fairen Handels in der Schweizer Bevölkerung.
Die Unternehmung Claro Fair Trade AG konzentriert seine Aktivitäten und Logistik der Claro- und Unica-Fair-Trade-Produkte ab 1. Juli 2015 auf den Standort Orpund. Dadurch wird Claro Fair Trade zum grössten Schweizer Importeur von 100 Prozent fair gehandelten Produkten im Bereich Lebensmittel, Wohnen und Deko sowie Mode.
PD


