«Kein Weg führt am Saanenland vorbei»
25.09.2026 SerieMarjolaine Marti und Dominic Roth lebten und arbeiteten als Architekten mehrere Jahre ausserhalb des Saanenlands. Wieso die beiden Stadtliebhaber zurückgekehrt sind und was sie an ihrer Heimat lieben.
JONATHAN SCHOPFER
Städte wie Luzern, Basel, Bern und ...
Marjolaine Marti und Dominic Roth lebten und arbeiteten als Architekten mehrere Jahre ausserhalb des Saanenlands. Wieso die beiden Stadtliebhaber zurückgekehrt sind und was sie an ihrer Heimat lieben.
JONATHAN SCHOPFER
Städte wie Luzern, Basel, Bern und Zürich gehörten zu den Stationen von Marjolaine Marti und Dominic Roth. Die zwei kannten sich zwar schon aus ihrer Schulzeit im Saanenland, doch erst 2019 kreuzten sich ihre Wege in Luzern wieder. Seither sind sie ein Paar.
Was sie vor rund zwei Jahren zurück ins Saanenland gebracht hat? «Für mich ist das Saanenland ein Anker, ein Ort, an dem ich Ruhe finde», sagt Marjolaine Marti. Dominic Roth nickt und ergänzt: «Es war eine Gefühlssache.» Und obwohl die beiden die Region vor allem wegen des persönlichen Umfelds und der Landschaft schätzen, geniessen sie das Stadtleben ebenso. «Wir sind Stadtliebhaber. Das Pulsierende der Stadt fasziniert uns immer wieder.»
«Die Beziehung von Raum und Mensch»
Ich treffe die beiden in ihrem Atelier ilo in Gstaad, gleich nebenan rauscht die Saane. Der Wind bläst an diesem Herbsttag, die Rottannen schaukeln hin und her. Die tief stehende Herbstsonne lässt viel Licht in das Atelier fallen. Roth zeigt zu den Fenstern. «Im Winter ist es hier noch heller.» Er ist Architekt, sie ist Innenarchitektin. In der Architektur faszinieren sie besonders schlichte, klare Formen, Natur- und Ortsverbundenheit sowie der Einsatz von Materialien, welche eine Geschichte erzählen. «Aber am Ende geht es bei der Architektur vor allem um Atmosphäre und die Beziehung zu Raum und Mensch», so Roth. Gemeinsam haben sie das Atelier 2024 gegründet.
Ist es nicht heikel, als Paar ein Geschäft zu führen? «Wir empfinden es als Bereicherung, gemeinsam Projekte zu erarbeiten», sagt Roth.
In den Ferien Stadtwandern
Über Architektur könnten die beiden stundenlang sprechen. «Wenn wir in den Ferien in einer Stadt sind, setzen wir uns mit der Baukunst auseinander», sagt er. «Wir lassen uns dabei einfach durch die Strassen treiben und entdecken, was uns am Weg begegnet», ergänzt Marti. Auch Kunst gehört zu ihren Interessen. Die beiden sind Mitglieder bei den Kunstfreunden des Kunstmuseums Basel und freuen sich über regionale Anlässe wie die MAZE Art Gstaad.
Wer richtet nun die Wohnung ein?
«Bei der Wohnungseinrichtung haben wir gemeinsam das Sagen», so die Innenarchitektin. Und obwohl die beiden seit rund eineinhalb Jahren gemeinsam in Saanen wohnen, fehlt ihnen noch ein Stubentisch. Darauf konnten sie sich bisher nicht einigen. «Wir wollen etwas, das wirklich zu uns passt und mit dem wir uns wohlfühlen», sagt Marti. Inzwischen haben sie immerhin ein Objekt in Aussicht.
Neuschnee und Skifahren: aus ästhetischer Sicht
Im Saanenland sind es für Roth und Marti oft die kleinen Momente, die hängen bleiben. Roth mag es, wenn Nebelschwaden durch die Landschaft ziehen, Tau auf den Wiesen liegt oder leichter Regen fällt. Besonders im Herbst und Winter, wenn sich der Nebel in der Abenddämmerung durch die Tannen zieht, entstehe eine fast melancholische Stimmung.
Für Marti ist es auch der Winter. «Wenn man am Morgen erwacht, das Fenster öffnet und es draussen schneit, dieser sanfte Ton, diese Stimmung, das gibt es sonst nie.»
Und dann ist da natürlich noch das Skifahren, mit dem beide aufgewachsen sind. Für Roth ist es immer wieder ein Freudenmoment, an einem Wintertag mit frischem Pulverschnee oben auf dem Berg zu stehen: «Als einer der Ersten eine Skispur in den unberührten Schnee zu ziehen, das gibt einem ein unglaubliches Glücksgefühl.»
Könnten sich die beiden vorstellen, irgendwann wieder wegzuziehen? «Kein Weg führt am Saanenland vorbei», sagt Marti. Und doch könnten sie sich vorstellen, irgendwann einen Rückzugsort in einer Stadt zu haben. «Vielleicht ein städtisches Ferienhaus, wenn das möglich ist.»
DOMINIC ROTH…
…wuchs in Gstaad auf und absolvierte in der Region eine Lehre als Hochbauzeichner. Nach der Berufsmaturität studierte er in Luzern Architektur. Anschliessend arbeitete er vier Jahre beim Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron, zuletzt als Projektleiter. Danach kehrte er ins Saanenland zurück und gründete gemeinsam mit Marjolaine Marti das Atelier ilo.
JSC
MARJOLAINE MARTI…
…wuchs in Gsteig auf. Nach einem Sozialjahr in Bern und einem Welschlandjahr arbeitete sie fast zehn Jahre im Kinderbereich. Später wechselte sie in einen Verlag, studierte an der Höheren Fachschule für Technik und Gestaltung (HFTG) Zug Innenarchitektur. Danach arbeitete sie als Innenarchitektin in Zürich bevor sie ins Saanenland zurückkehrte und gemeinsam mit Dominic Roth das Atelier ilo gründete.
JSC
SERIE: DIE HEIMKEHRER
Oftmals verlassen Menschen das Saanenland für die Ausbildung, den Beruf oder aus privaten Gründen. Manche bleiben für immer weg, andere finden nach Jahren den Weg zurück in ihre Heimat. Mit der Serie «Die Heimkehrer» erzählt der «Anzeiger von Saanen» ihre Geschichten. Was hat sie zur Rückkehr bewegt? Und weshalb haben sie sich entschieden, im Saanenland ein neues Kapitel zu beginnen? Wir fragen nach.
JSC
Kennen Sie eine Person, die nach Jahren ins Saanenland zurückgekehrt ist? Dann freuen wir uns über Ihren Hinweis an redaktion@anzeigervonsaanen.ch.



