Nach der Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Frutigen planen fünf Hebammen den Aufbau einer neuen Geburtspraxis in Reichenbach im Kandertal. Das Projekt soll ab Frühjahr 2026 eine wohnortnähere Geburtshilfe ermöglichen und ist auch für angrenzende Regionen ...
Nach der Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Frutigen planen fünf Hebammen den Aufbau einer neuen Geburtspraxis in Reichenbach im Kandertal. Das Projekt soll ab Frühjahr 2026 eine wohnortnähere Geburtshilfe ermöglichen und ist auch für angrenzende Regionen wie das Saanenland von Bedeutung.
In Reichenbach im Kandertal planen fünf Hebammen den Aufbau einer neuen Geburtspraxis. Vorgesehen ist eine Praxis mit Gebärzimmer für Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften. Die Eröffnung ist auf das Frühjahr 2026 ausgerichtet. Geplant ist der Standort an der Bahnhofstrasse in den ehemaligen Räumlichkeiten der Spar- und Leihkasse. Die Räume liegen ebenerdig und nahe bei anderen Infrastrukturen, was für Notfälle und Verlegungen wichtig ist.
Über das Projekt berichtete die Zeitung «Frutigländer» erstmals Mitte Dezember 2025 in einer mehrteiligen Serie zur Geburtshilfe im Frutigland.
Antwort auf geschlossene Geburtenabteilung in Frutigen
Auslöser für das Projekt ist die Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Frutigen im Jahr 2025. Seither müssen werdende Mütter aus dem Kander- und Engstligtal für die Geburt nach Interlaken oder Thun ausweichen. Auch Schwangere aus weiteren Teilen des Berner Oberlands, etwa dem Obersimmental oder dem Saanenland, wollten ihr Kind in Frutigen gebären, mussten jedoch umplanen. Laut Berichten führt dies vermehrt zu Unsicherheiten kurz vor der Geburt sowie zu ungeplanten Geburten zu Hause oder unterwegs.
Die fünf Hebammen arbeiteten zuvor als Beleghebammen am Spital Frutigen und leben im Kander- und Engstligtal oder haben einen engen Bezug zur Region. Nach der Schliessung wechselten sie als Beleghebammen an das Spital FMI in Interlaken. Die von ihnen betreuten Frauen stammen jedoch weiterhin aus dem Kander- und Engstligtal, wie Lidije Berisha erklärt: «Als es hiess, Frutigen wird schliessen, da waren wir alle schon über Monate hinweg ausgebucht. Der grösste Teil der von uns begleiteten Frauen kam deshalb mit uns nach Interlaken.»
Komplexe und risikobehaftete Geburten weiterhin im Spital
Die geplante Praxis mit dem Namen «Talhebammen» versteht sich nicht als Ersatz für ein Spital, sondern als Ergänzung, wie die Hebammen gegenüber dem «Frutigländer» erklären. «Geburten können komplex und herausfordernd sein – sie können aber auch sehr schnell und unkompliziert verlaufen. Frauen ohne Risiken sollen die Möglichkeit haben, in der neuen Praxis in Reichenbach zu gebären. Frauen mit Risiken werden weiterhin als Beleggeburten im Spital Interlaken betreut. Beide Angebote laufen parallel. Meldet sich eine Frau während der Schwangerschaft bei uns, wird sie vom gesamten Team während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitet», erklären die Hebammen.
PD/JOP