Pôle Santé im Umbruch – privates Klinikprojekt ergänzt das regionale Angebot
27.01.2026 NachbarschaftDas Pôle Santé du Pays-d’Enhaut (PSPE) muss bis Ende 2028 neu aufgestellt werden. Weil der Kanton den geplanten Neubau nicht mehr mitfinanziert, rückt eine private Initiative für Rehabilitation und Prävention in den Fokus – ein Angebot, das auch dem ...
Das Pôle Santé du Pays-d’Enhaut (PSPE) muss bis Ende 2028 neu aufgestellt werden. Weil der Kanton den geplanten Neubau nicht mehr mitfinanziert, rückt eine private Initiative für Rehabilitation und Prävention in den Fokus – ein Angebot, das auch dem Saanenland offenstehen soll.
IN KÜRZE
• Das heutige Spitalgebäude des Pôle Santé du Pays-d’Enhaut erfüllt die Vorgaben der Gebäudeversicherung nicht mehr und darf ab 2029 nicht mehr als Spital betrieben werden.
• Eine Spendensammlung brachte 4,4 Millionen Franken ein, doch der Kanton Waadt beteiligt sich neu nicht mehr am geplanten Neubau.
• Das Pôle Santé prüft nun alternative Modelle, um eine Grundversorgung über 2028 hinaus sicherzustellen.
• Parallel dazu plant eine private Initiative eine Klinik für Rehabilitation und Prävention als ergänzendes Angebot für die Region, auch für das Saanenland.
SONJA WOLF
Bis Ende 2028 muss das Spitalgebäude des Pôle Santé du Pays-d’Enhaut den Betrieb einstellen, falls keine neue Lösung gefunden wird. Grund sind gravierende bauliche Mängel, welche die Waadtländer Gebäudeversicherung (ECA) beanstandet hat, insbesondere bei den Brandschutzbestimmungen (wir haben berichtet).
Um den dringend nötigen Neubau, der auf 20 Millionen Franken geschätzt wird, zu ermöglichen, rief der PSPE im vergangenen Jahr zu Spenden auf. Mit Erfolg: Statt der angestrebten vier Millionen Franken kamen sogar insgesamt 4,4 Millionen zusammen. Diese Eigenmittel sollten als Basis für das Projekt dienen. Auch der Kanton Waadt hatte in Betracht gezogen, das Projekt finanziell zu unterstützen.
Kanton zieht Unterstützung zurück
Doch im Dezember kam die Kehrtwende. Wie der Stiftungsrat des Pôle Santé du Pays-d’Enhaut in einer Mitteilung festhält, informierte der Kanton Waadt die Verantwortlichen schriftlich darüber, dass er sich aus finanziellen Gründen nicht an der Finanzierung beteiligen könne. Ohne kantonale Unterstützung ist ein Neubau nicht realisierbar. Das bestehende Gebäude darf deshalb ab dem 1. Januar 2029 nicht mehr als Spital betrieben werden.
Der PSPE steht nun unter erheblichem Zeitdruck. Ziel ist es, zumindest eine reduzierte stationäre Versorgung mit Notfallangebot über das Jahr 2028 hinaus sicherzustellen. Die Verantwortlichen prüfen derzeit alternative Modelle, die sich von einer klassischen Spitalstruktur lösen.
Private Initiative gewinnt an Bedeutung
In diese unsichere Phase fällt ein privates Projekt, das für die Region – und insbesondere auch für das Saanenland – an Bedeutung gewinnen könnte: die geplante «Clinique du Pays-d’Enhaut». Initiiert wird sie von Claire Soffiotti-Plawczyk, einer spezialisierten klinischen Pflegefachfrau, die seit über 15 Jahren mit ihrer Familie in Châteaud’Oex lebt. Sie ist sowohl im Pôle Santé du Pays-d’Enhaut tätig als auch selbstständig im Gesundheitsbereich aktiv.
Die Initiantin verfolgt das Projekt einer integrativen Klinik für Rehabilitation und Prävention bereits seit einiger Zeit. Im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen» sagt sie: «Durch die aktuelle Entwicklung beim Pôle Santé wird klar, dass es ab 2029 ein anders gestaltetes Angebot geben wird. Hier könnte eine ergänzende Struktur für die Bevölkerung von Nutzen sein. Die Klinik, die ich plane, versteht sich nicht als Konkurrenzprojekt zum PSPE, sondern als Unterstützung.» Auch seitens des Kantons werde diese Lösung positiv beurteilt, so Soffiotti-Plawczyk weiter.
Hybrides Modell mit Leistungen für alle
Der Initiantin zufolge soll die Klinik auf einem hybriden Modell basieren. Geplant ist einerseits eine Rehabilitationsabteilung, deren Leistungen von der obligatorischen Krankenversicherung der Schweiz anerkannt sind und somit der gesamten Bevölkerung offenstehen. Andererseits ist eine Einheit für private Gesundheitskuren vorgesehen – mit oder ohne Übernachtung.
Die Angebote richten sich an Personen, die an ihrer Mobilität, Regeneration oder Prävention arbeiten möchten. Angesprochen sind nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner des Pays-d’Enhaut, sondern auch jene des Saanenlandes, wo es bislang kein strukturiertes Angebot für Rehabilitation und Gesundheitsaufenthalte gebe, schreibt die Initiantin in einer Medienmitteilung.
Standort Rougemont im Fokus
Als Standort bevorzugt Claire Soffiotti-Plawczyk Rougemont. Dort wird derzeit ein geeignetes Grundstück geprüft. Parallel dazu läuft die Ausarbeitung des Businessplans. Die Vorstudien zu Standort, Architektur, medizinischer Ausstattung, Personalbedarf, Finanzierung und Betrieb sind angelaufen. Erste konkrete Ergebnisse werden im Verlauf des ersten Halbjahres 2026 erwartet.

