«Swisstainable» als Zeichen für Nachhaltigkeit
15.12.2022 SchönriedMit dem Programm «Swisstainable» lässt sich Nachhaltigkeit auf drei Stufen sichtbar machen. Dahinter steht der Schweizer Tourismus Verband. Der Gast sucht verstärkt nach Betrieben, die den nachhaltigen Tourismus anstreben, auch im Saanenland.
JENNY ...
Mit dem Programm «Swisstainable» lässt sich Nachhaltigkeit auf drei Stufen sichtbar machen. Dahinter steht der Schweizer Tourismus Verband. Der Gast sucht verstärkt nach Betrieben, die den nachhaltigen Tourismus anstreben, auch im Saanenland.
JENNY STERCHI
Die Reihe von Labels, mit denen Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Gesellschaft signalisiert wird, ist schon sehr lang und kaum mehr zu überblicken. Nicht selten ist die Zertifizierung durch einige dieser Labels mit nicht zu unterschätzenden Kosten verbunden.
Swisstainable ist ein Programm, herausgegeben vom Schweizer Tourismus Verband, dass sich vor allem auf die nachhaltige Entwicklung im Schweizer Tourismus konzentriert.
Drei Stufen der Nachhaltigkeit
Swisstainable bietet drei Nachhaltigkeitsstufen an. Auf der ersten Stufe «Committed» finden sich Betriebe, die über noch keine derartigen Zertifikate verfügen, sich aber in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln möchten. Das Verfahren ist kostenlos, unkompliziert. Es basiert auf Selbstdeklaration, erfordert demnach Eigenverantwortung der Kandidaten. Es ist kein langfristiger Zertifizierungsprozess zu erwarten.
Mit dem zweiten Level, das als «engaged» bezeichnet wird, können sich Betriebe und Unternehmen der Tourismusbranche auszeichnen lassen, die bereits diverse Einzelnachweise erreicht haben, denen aber noch ein ganzheitliches und umfassendes Nachhaltigkeitsengagement fehlt.
Tourismusbetriebe, egal ob Hotelbetriebe oder ganze Destinationen, die bereits über eine umfassende Nachhaltigkeitszertifizierung verfügen, gelangen auf das höchste Level bei Swisstainable. Diese höchste Stufe wird als «leading» bezeichnet, weil jene Unternehmen bereits viele Schritte zum nachhaltigen Betrieb gegangen sind. Auch sie haben aber durchaus noch Ausbaupotenzial. Als Beispiel wurde die Kartause in Ittingen präsentiert. Ein Restaurant, beherbergt in alten Klostermauern, das mit einem 0-Kilometer-Menu, 20 Lernenden in neun Berufen und einer mit Quellwasser gespeisten Kühlung, einer Fotovoltaikanlage sowie einer Holzschnitzelheizung ein beeindruckend nachhaltiges Betriebskonzept verfolgt.
Swisstainable und der Schweizer Tourismus Verband sind in diesem Prozess nicht nur die Instanz, die das jeweilige Level erteilt. Sie bieten auch Hilfe und Unterstützung bei der Suche nach passenden Massnahmen, nachhaltig zu arbeiten, und deren Umsetzung.
Saanenland ausbaufähig
Zum Zeitpunkt der Informationsveranstaltung, zu der alle eingeladen waren, die in irgendeiner Weise am Tourismus im Saanenland beteiligt sind, waren es 13 Betriebe in der Region, die mit Swisstainable bereits in Verbindung geraten sind. Romy Bacher, Leiterin Nachhaltigkeit beim Schweizer Tourismus Verband, stellte das Label im Rahmen dieses Anlasses vor und betonte, dass das Interesse an nachhaltiger Entwicklung deutlich wachse. Derzeit sind es schweizweit 1432 Betriebe, die sich eines der drei Levels erarbeitet haben oder noch gerade im Zertifizierungsprozess befinden. Nachhaltigkeit ist auch Bestandteil der Destinationsstrategie. Demnach wird ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Pflege, Sorge und Weiterentwicklung der Landschaft, der Natur, der Kultur und der Lebensqualität angestrebt.
Greifbar machen
Für Gstaad Saanenland Toursimus, die sich bereits mit dem Swisstainable Level «committed» in diesen Prozess begeben haben, wurde ein Green Team zusammengestellt, in dem jeder Bereich des Unternehmens vertreten ist. Grundsatzentscheide, wie der Aufbau eines Managements und die Sensibilisierung sowie Bildung sind ebenso Ausgangspunkt wie ein kostenloser öffentlicher Verkehr für Gäste und das Motto «Gstaad. Regional. Echt.».
Aus gesellschaftlicher Sicht verfolgt die Destination die Ideen, Overtourismus zu verhindern, Traditionen zu pflegen und sichtbar zu machen und nicht zuletzt regionale Akteure, wie zum Beispiel die Dorforganisationen, mit einzubeziehen.
Die Idee, Synergien zu nutzen und Kräfte zu bündeln, die hinter der IG Hotels Gstaad-Saanenland steckt, begeisterte Romy Bacher und sei ein Konzept, das Erfolg hinsichtlich Nachhaltigkeit verspricht.
Nachhaltigkeit als Konglomerat
Nachhaltig wirtschaften heisst nicht nur, emissionslos unterwegs zu sein und den Müll zu trennen. Wer nachhaltig agieren möchte, der muss Ressourcen schonen, der muss Kultur verstehen und pflegen, langfristig denken und arbeiten und offen bleiben. Dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens eine Rolle spielt, machte Romy Bacher mit einer Infografik (siehe Abbildung) deutlich.
Und dass Nachhaltigkeit, wenn auch als Begriff derzeit beinahe inflationär benutzt, keine Erfindung der Moderne ist, wusste Flurin Riedi, Tourismusdirektor und Moderator der Veranstaltung, zu belegen: «Bereits 1713 schrieb Franz Carl von Carlowitz in seinem Buch über Forstwirtschaft, dass in nachhaltiger Forstwirtschaft nur soviel Bäume geschlagen werden, wie wieder aufgeforstet werden können.»