Vokale Offenbarung mit speziellen Klangfarben von Konzertflügel und Harmonium

  13.12.2024 Nachbarschaft

Ein selten zu hörendes Werk hat der Cantate Chor Zweisimmen aufgespürt: Rossinis «Petite Messe Solennelle». Der Chor überzeugte vergangenen Sonntag, 8. Dezember mit gesanglicher Leistung. Das Publikum kam in den Genuss von Rossinis opernhaftem Werk mit eigenartiger Besetzung von Chor, Solistenquartett, Flügel und Harmonium.

Zur Einstimmung des Konzerts des Cantate Chors Zweisimmen machte Pianist Reto Reichenbach einen Abstecher nach Frankreich. Er spielte die zwei Nocturnes op. 62, op. 15 und die Barcarolle op. 60 von Fréderic Chopin. Anschliessend eroberte der Cantate Chor die Zuhörenden mit Rossinis speziellen Ausdrucksmitteln.

Neben «Stabat Mater» ist die «Petite Messe Solennelle» die zweite grosse kirchenmusikalische Schöpfung Gioacchino Rossinis. Sie entstand 1863 in Passy, einem Vorort von Paris. Nach seinem Opernschaffen schrieb er eine Vielzahl kleiner, von ihm ironisch als «Sünden des Alters» benannte Stücke.

Als letzte Todsünde schuf er die lebensfrohe festliche Messe, welche er der Ehre Gottes widmete. Vielleicht waren es die räumlichen Verhältnisse, die Rossini zu der auf den ersten Blick etwas ungewöhnlichen, in der französischen Messtradition aber durchaus beliebten Begleitung mit Klavier und Harmonium bewegten.

Lebendig agierend und homogen
Am zweiten Adventsonntagabend kam das Publikum in den Genuss des beweglich, lebendig agierenden Chors. Homogen wirkten die Einzelstimmen und der Gesamtklang. Immer wieder entlockte Klaus Burkhalter in exakt ruhig fliessender Dirigierart und mit vielen Einsätzen seinen Sängerinnen und Sängern ausdrucksstarke Momente.

Fulminante Doppelfugen
Dass der Inhalt der Liturgie auch in dramatisierter Form glaubwürdig vermittelt werden kann, bewies der Cantate Chor Zweisimmen in geschickter und gefälliger Art. In geradezu beschwingter Leichtigkeit erklangen Teile wie etwa in fulminanten Doppelfugen «Cum Sancto Spiritu» im Gloria, «et vitam venturit» im Credo.

Beim mehrteiligen Credo gelang es den Sängerinnen und Sängern gekonnt, die Vokalsolisten chorisch abzulösen und sich einzufügen. Schwungvoll wirkte der Schlusschor des Gloria. Mühelos bewältigte der Chor mit und ohne Begleitung, in Doppelquartett und teilweise mit Stimmteilung die hohen Ansprüche.

Eindrücklich wirkten die grossen musikalischen Bögen. Die Aufführenden vereinten Glanz des italienischen Kolorits und Klarheit, die den südländischen Meistern eigen ist. Flügel, Harmonium, Solistenquartett und Chor begeisterten die Zuhörenden mit vitaler und gestaltungsreicher Wiedergabe. Tiefsinnig, geistreich, humorvoll bis dramatisch und unmittelbar emotional ergreifend wirkten die durch flehenden oder klagenden Charakter bestimmten Sätze «Kyrie eleison», «Qui tollis» und «Agnus Dei». Hell und klar bestach der homogene Zusammenklang, die Transparenz und Klarheit der rund 45 Stimmen.

Farbenreichtum
Nebst opernhaft dramatischem Geschehen kamen Sinnlichkeit, zartes Belcanto und pastellartige Vielfalt zum Ausdruck. Berührend wirkte die spezielle Begleitung. Der einheimische Pianist Reto Reichenbach meisterte den anspruchsvollen Part am Flügel mit beinahe orchestralem reichhaltigem Farbenreichtum. Dezent übernahm Wojtek Wezranowski unterstützendes Continuo am Harmonium. Die leicht beschwingten sowie lyrischen Passagen in Zwischenspielen und im solistischen «Preludio Religioso» liessen aufhorchen.

Eine interessante Vielfalt bildete das Vokalsolistenquartett. Ausdrucksvoll überzeugte die Sopranistin Beatrice Ruchti, warm timbrierten Alt fügte Astrid Pfarrer bei. Die Frauenstimmen verwoben sich ideal mit schlankem Belcanto-Sound des Tenors Nino Aurelio Gmünder und dem ausgeglichenen, fundamentalen Bariton von Stefan Vock.

Nach dem innig schlichten «Dona nobis pacem» des Chores und der Altistin sparte das Publikum nicht an Beifall.

«SIMMENTAL ZEITUNG»/HEIDY MUMENTHALER

Die Wiederholung des Konzertes findet am Sonntag, 29. Dezember, 19 Uhr in der reformierten Kirche Zweisimmen statt.


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