Was macht ein Sternekoch im Abländschen?
19.06.2026 AbländschenAbländischen zählt knapp 40 Einwohner – und hat seit Ende Mai einen Koch mit Michelin-Stern und 17 Gault-Millau-Punkten. Für Nicolas Darnauguilhem ist das abgelegene Seitental allerdings kein exotischer Neuanfang, sondern fast schon ein vertrautes Umfeld.
...Abländischen zählt knapp 40 Einwohner – und hat seit Ende Mai einen Koch mit Michelin-Stern und 17 Gault-Millau-Punkten. Für Nicolas Darnauguilhem ist das abgelegene Seitental allerdings kein exotischer Neuanfang, sondern fast schon ein vertrautes Umfeld.
SONJA WOLF
«Ich liebe die Berge!», sagt Nicolas Darnauguilhem spontan auf die Frage, warum er nun im Abländschen kocht. «Mein einziges Problem hier wird im Winter sein, wenn ich ringsherum Skitourengänger sehe, während ich arbeiten muss...», sagt er mit einem Strahlen.
Ganz fremd ist ihm das Kochen in einer beschaulichen Berglandschaft keineswegs: Er arbeitete vorher einige Jahre lang in der «Pinte des Mossettes» oberhalb von Cerniat in den Freiburger Voralpen, ziemlich abgelegen auf rund 1400 Metern Höhe. In den Bergen fühlt er sich wohl. Und ob er nun von seinem Heimatort Charmey zur Pinte auf den Berg oder zur Sau nach Abländschen fahre, mache ihm keinen grossen Unterschied.
Auf einer Wellenlänge
Auch Thomas und Brigitte Frei freuts. Die Gastgeber des Berghotels Zur Sau kehrten in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal in der «Pinte des Mossettes» ein, schätzen Darnauguilhems Küche sehr und teilen nach eigenen Aussagen eine ähnliche Philosophie. Da die Pinte nun für zwei Jahre aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen werden muss, boten die Freis dem Gourmetkoch ihre nagelneue Küche als Übergangslösung an. Was Darnauguilhem freudig annahm und prompt mit einem Grossteil seines Teams ins Saanenland wechselte.
Die Pflanzen reisen mit
Und nicht nur das. Im neuen Gourmetrestaurant «Esprit Mossettes» im Abländschen schwebt ganz wie der Name vermuten lässt, der Geist der «Pinte des Mossettes» ein wenig mit. Sogar Pflanzen aus Cerniat fanden den Weg ins Abländschen: Sie wurden ausgegraben und vor dem Hotel wieder eingepflanzt. Generell will der als «Green Chef of the Year» ausgezeichnete Koch seiner Linie treu bleiben. Schon in Cerniat hatte er seinen eigenen Garten, den eigenen Gärtner und zwei Wildpflanzensammlerinnen. Dieses grüne Konzept nimmt er mit ins Abländschen. Auch dort will er den Garten neben dem Haus weiter ausbauen.
Wird es andere lokale Produkte geben? «Ja, natürlich, die Eier stammen zu 100 Prozent aus lokalen Bauernhöfen der Umgebung – und aus dem Saanenland habe ich bereits viele Käsesorten integriert», sagt Darnauguilhem.
Ein Herzensprojekt
Das Gourmet-Restaurant ist klein. Es bietet gerade einmal Platz für 14 Personen. Sowohl Nicolas Darnauguilhem als auch Thomas Frei vermuten, dass die treuen Fans dem grünen Chef auch ins neue Tal folgen werden. «Und ein Sternekoch im Seitental mit seinen knapp 40 Einwohnern und seinen 40 Kühen macht vielleicht auch die hiesige Bevölkerung neugierig», sagt Frei. Allerdings ist der ehemalige Bernerhof-Besitzer in Bezug auf den wirtschaftlichen Erfolg bescheiden. «Wir sind nun ‹Aktivrentner›. Im Liegestuhl zu sitzen, ist nichts für uns. Wir investieren lieber Herzblut in Projekte, die uns wichtig sind.» Und wenn dabei noch eine «schwarze Null» herauskomme, dann umso besser.
Nicolas Darnauguilhem kann natürlich auch einfacher. Neben Austern, Makrele oder Entenschenkel im kleinen Gourmetrestaurant werden im Bistro weiterhin auch «côte de cochon» und andere klassische Gerichte serviert.






