An der dreitägigen Jubiläumsfeier vom 16. bis 18. Oktober feierte das Obersimmental das 125-jährige Bestehen der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB). In feierlichem Rahmen erinnerten Beatrice Zeller, Gemeindepräsidentin von Zweisimmen, Laurent Wehrli, Präsident der MOB und ...
An der dreitägigen Jubiläumsfeier vom 16. bis 18. Oktober feierte das Obersimmental das 125-jährige Bestehen der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB). In feierlichem Rahmen erinnerten Beatrice Zeller, Gemeindepräsidentin von Zweisimmen, Laurent Wehrli, Präsident der MOB und Nationalrat des Kantons Waadt, René Müller, Gemeindepräsident der Lenk, Helena Galanakis, Direktorin von Lenk-Simmental Tourismus, Nicolas Vauclair, Vizepräsident der MOB, sowie Yves Marclay, Generaldirektor der MOB, an die goldenen Zeiten der Belle Époque und die innovative Umspuranlage im Bahnhof Zweisimmen.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
Pioniergeist und eine Weltpremiere
Während die Theatergruppe Turbach demnächst das Mundart-Theaterstück «Hinter den sieben Gleisen» auf die Bühne bringen wird, erklärte Bastian Werkle, Leiter Service und Infrastruktur MOB, vor Ort die Bedeutung der Gleise 6 und 7 im Bahnhof Zweisimmen.
«Die Idee, den Genfersee mit den Destinationen Lenk und Gstaad sowie dem Thuner- und Brienzersee zu verbinden, geht bis auf das Jahr 1873 zurück», betonte Werkle in seinem Vortrag. Da von Montreux bis Zweisimmen Meterspurgleise und zwischen Zweisimmen und Interlaken Normalspurgleise verlegt wurden, war ein durchgehender Verkehr lange unmöglich. 1924 wurde schliesslich die Vereinigung Golden-Pass gegründet. Werkle hob hervor: «Seit den Dreissigerjahren wurde über ein drittes Gleis nachgedacht. Die Gesamtkosten wurden 2006 auf rund 260 Millionen Franken geschätzt und als nicht finanzierbar beurteilt.»
Ab 2008 setzte die MOB deshalb auf ein völlig neues Konzept: Statt der Gleise mussten sich die Züge anpassen. Innovative Prototypen von Spurwechseldrehgestellen und einer speziellen Umspuranlage wurden entwickelt. Sichtbar stolz beendete Werkle seine Ausführungen: «Im Jahr 2022 erfolgte die erste Überfahrt von Meterspur auf Normalspur mit gleichzeitiger Anpassung an die Perronhöhe. Eine absolute Weltpremiere!»
Die Lenker Blütezeit in der Belle Époque
Die Besucher:innen des Jubiläums kamen in den Genuss einer vom Lenker Dorfchronisten Hans-Ueli Hählen präsentierten digitalen Zeitreise zur Geschichte von Lenk und zur Entwicklung der Eisenbahn im Simmental. In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg (1884–1914) erlebte die Lenk einen beispiellosen Tourismusboom. Angetrieben durch die heilenden Schwefelquellen des heutigen Lenkerhofs zog das Dorf wohlhabende Gäste und den englischen Adel an.
Den entscheidenden Durchbruch brachte schliesslich die Schieneninfrastruktur: Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Zweisimmen–Lenk im Juni 1912 wurde das Tal an das internationale Verkehrsnetz angebunden. Luxushotels entstanden und der Wintertourismus erwachte. Dieser glanzvolle Aufstieg endete im August 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs abrupt.
Lebendige Nostalgie mit dem Belle Epoque Verein Kandersteg
Wie elegant dieses goldene Zeitalter ausgesehen haben muss, wurde am Festwochenende im Dorf Lenk für alle Augen sichtbar. Die fein gewandeten Mitglieder des Belle Epoque Vereins Kandersteg waren als Ehrengäste angereist und verwandelten das Strassenbild in eine historische Flaniermeile.
Mit Zylindern, Gehröcken und edlen Spazierstöcken bei den Herren sowie opulenten Hüten, Spitzenkorsetts und langen, flanierenden Kleidern bei den Damen zog die Kandersteger Delegation alle Blicke auf sich. Beim Promenieren durch das Dorf versprühte der Belle Epoque Verein das authentische Flair des Fin de Siècle und erweckte die Epoche zu neuem Leben – eine gelungene Brücke zwischen lebendiger Tradition und stolzer Bahngeschichte.