125 Jahre MOB: Verbundenheit über die Röstibrücke
25.08.2026 RegionVor 125 Jahren nahm die Compagnie du chemin de fer Montreux-Oberland bernois (MOB) den ersten Abschnitt von Montreux nach Les Avants in Betrieb und legte damit den Grundstein für viele weitere Etappen in ihrer Geschichte. Zum Jubiläum begrüsste das Unternehmen am 21. August ...
Vor 125 Jahren nahm die Compagnie du chemin de fer Montreux-Oberland bernois (MOB) den ersten Abschnitt von Montreux nach Les Avants in Betrieb und legte damit den Grundstein für viele weitere Etappen in ihrer Geschichte. Zum Jubiläum begrüsste das Unternehmen am 21. August rund 120 geladene Gäste in Gstaad.
ELIANE ZÜRCHER
In ihrer langen Geschichte brachte die Strecke zwischen Genfersee und Berner Oberland viele Passagiere zum Träumen und Staunen. Wahrscheinlich haben die meisten unter uns eine Anekdote zur MOB zu erzählen. Oder sie verbinden mit ihr Erinnerungen an Fahrten ins Gymnasium, ins Welschlandjahr, ins Militär oder zur Arbeit. Für mich greift die Erinnerung noch etwas tiefer: Fünf Jahre lang war ich als Zugbegleiterin zwischen Zweisimmen und Montreux unterwegs. Mein erster Job, unterwegs in verschiedenen Regionen und Kulturen – er prägt mich bis heute. Umso mehr habe ich mich über die Einladung gefreut und für den «Anzeiger von Saanen» teilgenommen.
Erster Zwischenhalt: Bahnhof Gstaad
Das Wetter zeigte sich herbstlich regnerisch an diesem Freitagmittag. Die Laune der Gäste und Mitarbeitenden trübte das überhaupt nicht. Stilgemäss empfing die Alphorngruppe Gstaad die Gesellschaft. Mittendrin auch Gemeindepräsidentin Petra Schläppi. Sie eröffnete kurz darauf mit ihrer Rede den offiziellen Teil. Dabei betonte sie den Pioniergeist sowie den Mut der Gründer, die mit Weitsicht gehandelt hätten. Den Entscheid, das damals kleine Dorf Gstaad zu erschliessen, wurde zu Beginn des 20 Jahrhunderts hinterfragt, technisch wäre es nicht notwendig gewesen. Grossrat Carl Reichenbach setzte sich jedoch vehement dafür ein, und die Strecke über Gstaad wurde 1905 eröffnet. Heute ist sich die Gemeindepräsidentin sicher: «Diese Entscheidung war für Gstaad Gold wert.»
Neues Design von Ueli Hauswirth zum Jubiläum
Perfekt getaktet – wie es sich für ein Eisenbahnunternehmen gehört – fuhr während der ersten Worte von MOB-Generaldirektor Yves Marclay ein neu folierter Goldenpass Express ein. Die Lokomotive mit den Wagen ist ab sofort mit einem Scherenschnitt unterwegs. Marclay erklärte, das Design zeige die Gemeinsamkeiten der drei durchfahrenen Kantone Waadt, Freiburg und Bern durch Tradition und Innovation, Erinnerung und Fortschritt, Wurzeln und Zukunft. Ein Element sei dabei sehr verbindend: die von ihm genannte «Röstibrücke» im Zentrum. Sie stehe für die Verbindung zwischen Romandie und Deutschschweiz, aber vor allem zwischen all den Menschen, die zwischen den Sprachregionen unterwegs seien. Den originalen Scherenschnitt lieferte der Zweisimmer Künstler Ueli Hauswirth. Er als ehemaliger «Bähnler» zeigte sich sichtlich berührt. Die MOB sei nach der Schweizer Scherenschnittausstellung auf ihn zugekommen. Zuerst habe er nicht gewusst, dass es um ein Motiv für eine Lok gehe. Wie sehr ihn der Anblick dieser Lok mit seinem Scherenschnitt berührte, war ihm deutlich anzusehen.
Nächster Halt: Buchvernissage und die Partnereisenbahn Nankai Electric Railway
Nach einer kurzen Fahrt mit historischen Bussen startete der zweite Teil im Gstaad Palace. Gastgeber Andrea Scherz brachte mit einer Anekdote aus den 1960er-Jahren zusätzliche Lockerheit in die Runde. Der durch die Eisenbahn verursachte Lärm in Gstaad hätte nicht allen gefallen. So habe eine Gruppe spätabends nach einem Besuch im Bistrot dieses Problem mit ordentlich Schmierfett eigenhändig lösen wollen. Am nächsten Morgen sei kein Quietschen zu hören gewesen. Allerdings, weil der Zug die Steigung aufgrund des Fetts nicht mehr bewältigen konnte, nicht weil ihr Geheimrezept die Wunderwaffe gewesen war.
Historisch ging es mit einer Vernissage weiter. Nadya Simonian, Laurent Tissot und Jack Varlet haben das 250-seitige Buch «Kommen Sie mit auf eine schöne Reise! MOB 1901–2026 Geschichte und Geschichten» erarbeitet. Das zweiteilige Werk behandelt die Geschichte der MOB von der Gründung bis ins Jahr 2026.
Seit 2017 ist Nankai Railway aus Japan Partnergesellschaft der MOB. Die weitgereiste Delegation um Managing Director Yuichi Imanaka liess es sich nicht nehmen, dem Verwaltungsratspräsidenten Laurent Wehrli persönlich zum Jubiläum zu gratulieren. Nach einer kurzen deutschen Begrüssung erhielt Imanaka einen spontanen Applaus. Er sei beeindruckt von der Passion und der Tradition der Schweizer Eisenbahnen und speziell der MOB, auch wenn die Kultur ganz unterschiedlich sei.
Prochain arrêt: Politlandschaft Schweiz
Die MOB will Regionen und Menschen zusammenbringen. Das funktionierte an der Feier im Salle Baccarat wunderbar. An jedem Tisch sassen Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, öffentlichem Verkehr sowie der Politik aus den Kantonen Bern, Freiburg, Waadt und vom Bund. Die drei Kantone und der Bund besitzen zusammen über 80 Prozent der MOB-Aktien. In ihren Reden waren sich Evi Allemann (Regierungsrätin Bern), Laurent Wehrli (Präsident der MOB und Nationalrat Waadt), Frédéric Borloz (Staatsrat Waadt) und Didier Castella (Staatsrat Freiburg) einig: Die Eröffnung der MOB-Strecke von der Waadtländer Riviera ins Berner Oberland hat den Einheimischen die Welt geöffnet und den Tourismus in die vorher schwer zugänglichen und wirtschaftlich benachteiligten Regionen gebracht. Die Fahrt sei dabei ein Erlebnis (Allemann), Transportunternehmen spielten eine wichtige Rolle in der Gesellschaft und das Brückenbauen sei wichtiger als das Grenzensetzen (Castella).
Bundesrat Albert Rösti betitelte in seiner Ansprache die MOB als «Suisse miniature», die Stadt und Land verbinde. Durch das einfachere Reisen habe der Austausch zugenommen, die Mobilität habe die Gesellschaft verändert. Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation appellierte zudem, die verschiedenen Verkehrsträger und Verkehrsarten sollten sich ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Scheinbar selbstverständlich wurden die Ansprachen in Französisch und Deutsch gehalten – die «Röstibrücke» wurde an diesem Jubiläumstag mehrfach und erfolgreich überquert.
GESCHICHTE DER MOB
– 1901: Inbetriebnahme Montreux-Les Avants, der erste Abschnitt der MOB.
– 1905: Inbetriebnahme der Strecke bis Zweisimmen. Die Linie von Montreux bis Zweisimmen ist als erste der Schweiz vollständig elektrifiziert. In diesem Jahr werden rund 348’000 Fahrgäste und 5700 Tiere befördert. Nach grossem Engagement von Grossrat Reichenbach führt die Strecke über das damals kleine Dorf Gstaad – nicht wie ursprünglich geplant direkt von Saanen nach Schönried.
– 1929: Die Nachfrage geht mit der Verbreitung des Automobils zurück.
– 1930: Zum ersten Mal überschreiten die Einnahmen vom Bahnhof Gstaad jene von Montreux.
– 1939: Mit dem Ausbleiben der Touristen erhält die MOB für die Sanierung der Infrastruktur sowie der Erneuerung des Rollmaterials grosse Unterstützung von Eidgenossenschaft, Heer und Kantonen. Die Linie ist unentbehrlich für das Schweizer Réduit, das Verteidigungssystem gegen eine mögliche Invasion.
– 1976: Inbetriebnahme des ersten Panoramawagens – eine Weltpremier auf der Schmalspur.
– 2022: Offizielle Einweihung der Umspuranlage in Zweisimmen und erste kommerzielle Fahrt des Goldenpass Express zwischen Montreux und Interlaken. In diesem Jahr werden 2,81 Millionen Fahrgäste befördert.
EZU





