Schneeschuhtouren, Ramsen und Fondue chinoise …

  04.01.2010 Kultur, Saanen


Gemütlicher Jahreswechsel fernab vom Trubel der Tourismusdestinationen im idyllischen Abländschen (Foto: zVG).

Fern von Trubel und Party-Jubel und ohne mitternächtlichen Raketenzauber feierten Bewohner und Gäste im Abländschen-Tal den Jahreswechsel. Das Jahr 2010 läuteten am Vormittag des Neujahrs die Trychler von Jaun ein – beim umgebauten und vergrösserten Restaurant «Zitbödeli» im Talgrund.

 

 

 

Im Abländschen-Tal ist es an Silvester 2009 sehr ruhig. Das Restaurant Kreuz ist (bis 30. April 2010) geschlossen, der letzte Gottesdienst – mit Bäuertweihnacht – des Jahres hat im hübschen kleinen Kirchlein am 25. Dezember stattgefunden, das Schulhaus ist geschlossen, die acht Schüler und Lehrer Beat Fuhrer haben Ferien und vom ehemaligen Skilift ist nichts mehr zu sehen. Trotz dem geringen Angebot, oder eben gerade weil es so ruhig ist, sind vereinzelte Touristen anzutreffen. Im Ferienhaus «Wandfluh» verbringt eine Gruppe von 30 Personen der Freien Evangelischen Gemeinde Delta aus Bern und Umgebung ihre Silvester-Freizeit. Die Familien feiern zum ersten Mal in der Abgeschiedenheit des Tals in einfachem Rahmen. Zum Nachtessen gibt es, wie an vielen anderen Orten, das traditionelle «Fondue chinoise».
Aus Pully bei Lausanne stammt Familie Macherel. Seit 40 Jahren ist ihr Chalet im Abländschen der Ruhepol und der Ausgangspunkt für Wanderungen und Touren. Am Silvester-Nachmittag machen sich Vater René und seine Kinder Helena und Constantin zu einer Schneeschuhtour auf. Schnee findet man in diesem Jahr aber auch im Abländschen erst in höheren Lagen. Ebenfalls auf Schneeschuhen unterwegs ist Thomas Deske aus Dachau bei München. Mit seiner Familie kommt er nun zum 19. Mal nach Abländschen: «Ich schätze die Abgeschiedenheit. Trotz des Abbruchs des Skilifts bleibt unsere vierköpfige Familie dem Tal treu. Wir fühlen uns im 400-jährigen Haus von Hans Hählen sehr wohl und schätzen diesen aussergewöhnlichen Talbewohner sehr. Die Stille an Silvester ist für uns beeindruckend. Keine Lichtverschmutzung durch Festbeleuchtungen, keine knallenden Feuerwerkskörper und kein damit verbundener Phosphorgestank und Petardenmüll.» Thomas Deske stört sich einzig an der Stromleitung vom Wallis nach Mühleberg durch das Tal: «Wenn die nicht wäre, wäre das Abländschental eine gute Kulisse für Mittelalter-Filme.»
Gemütlichkeit ist auch im Restaurant Zitbödeli angesagt. Zwar ist der Betrieb am Silvesterabend geschlossen, aber am Nachmittag des Silvesters ist das Lokal ein vielbesuchter Treffpunkt. Bei einem Hauskaffee oder einem Gläschen rotem Spiezer (eine Trouvaille) wünscht man sich gegenseitig schon jetzt ein gutes neues Jahr. Rechtzeitig vor der «Wintersaison» haben Vreni und Hans Dänzer ihren Betrieb um ein ganz in Holz gehaltenes, helles Säli mit gegen 30 Plätzen erweitert. Die Dachfenster bieten einen schönen Ausblick auf die Gastlosen. «Dank dem zusätzlichen Angebot verfügen wir jetzt über einen separaten Raum für festliche Bankette und für Versammlungen», freut sich der gelernte Dachdecker und Zitbödeli-Küchenchef Hans Dänzer. Im Winter ist das Restaurant von Freitag bis Montag offen, im Sommer (Samstag bis Mittwoch) sind die Öffnungszeiten mit denen des Restaurants Kreuz koordiniert. Im Zitbödeli wird während der Altjahrswoche auch ein alter Jassbrauch hochgehalten. Das Ramsen hat Tradition und die Regeln sind speziell. Gejasst wird mit fünf Karten, das «Egge-Sibni» ist immer der zweihöchste Trumpf, und wer am meisten Stiche einheimst, gewinnt zulasten der Verlierer Züpfen, Würste oder Käsestücke.


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