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Spitalstandort: Die Würfel sind gefallen

Mo, 06. Dez. 2010

Zweisimmen wird zu einem Gesundheitszentrum, ergänzt mit der stationären Grundversorgung in Gynäkologie/Geburtshilfe, Medizin, Chirurgie. Saanen wird zu einem Gesundheitszentrum mit einem bedarfsgerechten ambulanten und teilstationären Angebot.

Zweisimmen wird zu einem Gesundheitszentrum, ergänzt mit der stationären Grundversorgung in Gynäkologie/Geburtshilfe, Medizin, Chirurgie. Saanen wird zu einem Gesundheitszentrum mit einem bedarfsgerechten ambulanten und teilstationären Angebot.

«Mit neuem Vorschlag zum Durchbruch»: Unter diesem Titel hat der Verwaltungsrat der Spital STS AG am Montag in Thun den definitiven Entscheid in Sachen Spitalstandort Saanenland/Obersimmental bekannt gegeben. Nachfolgend die Pressemitteilung der Spital STS AG. Weitere Reaktionen und Details folgen in der Freitagausgabe.

Seit drei Jahren wird im Simmental und im Saanenland zum Teil heftig um den Standort der Spital-Akutversorgung debattiert. Nachdem sich der Regierungsrat mit den Besuchen vor Ort im vergangenen Frühjahr ein Bild von der Situation gemacht hat, hat er signalisiert, dass er aus regionalpolitischen Gründen einem Standort der stationären Akutversorgung in Zweisimmen den Vorzug geben würde. Der Verwaltungsrat der Spital STS AG berücksichtigt diese Meinungsäusserung des Eigentümers und hat nun den formal abschliessenden Entscheid getroffen. Sowohl in Zweisimmen wie in Saanen wird ein Gesundheitszentrum mit einem ambulanten und einem teilstationären Angebot eingerichtet. Das Zentrum in Zweisimmen wird mit einem stationären Bereich für die Grundversorgung ergänzt. In Saanen soll ergänzend ein auf die besonderen Bedürfnisse der Region zugeschnittenes stationäres Angebot in Kooperation mit einem privaten Anbieter entwickelt werden.

Zur Vorgeschichte
Am 23. November 2007 entschied der Verwaltungsrat Spital STS AG aufgrund des Spitalversorgungsgesetzes, die beiden Spitäler «STS AG Saanen» und «STS AG Zweisimmen» durch einen Neubau in Saanenmöser zu ersetzen. Geplant war, die stationäre Akutversorgung in der Region Obersimmental/Saanenland langfristig in einem Spital zu sichern. So wären sowohl die Ziele der Versorgungsplanung des Kantons Bern als auch die Finanzierungsvorgaben aus dem KVG eingehalten worden. Doch diesem Beschluss ist vor allem aus dem Obersimmental massiver politischer Widerstand entgegengebracht worden. Seit exakt drei Jahren wird im westlichen Berner Oberland um die Spital-Akutversorgung heftig debattiert und gestritten. Auch Aussprachen brachten keine Einigung. Schliesslich wurde bei Gesundheitsökonom Willy Oggier ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, welches die Möglichkeiten der Akutversorgung der Region prüfte und beurteilte. Auf der Basis dieses Gutachtens legte der Verwaltungsrat Spital STS AG ein neues Versorgungskonzept fest. Dieses sah nun zwei Gesundheitszentren vor, in Zweisimmen komplementär zur stationären Alterspflege und -Betreuung und in Saanen ergänzt mit einem stationären Angebot für Akutpatienten.
Die Gemeinden der Bergregion Obersimmental/Saanenland und die niedergelassene Ärzteschaft verlangten daraufhin ein Überdenken dieser Planung und eine nochmalige Prüfung der Neubau-Variante. In der Folge gab die Spital STS AG im Januar 2009 eine Machbarkeitsstudie für die Standortsuche eines Spitalneubaus in Saanenmöser in Auftrag. Diese Studie prüfte die bauliche, privat- und planungsrechtliche sowie politische Machbarkeit eines solchen Neubaus. Sie wurde gemeinsam von der Spital STS AG als Auftraggeberin und der Bergregion Obersimmental/Saanenland durchgeführt. Mitte Oktober 2009 lagen die Ergebnisse vor. Die Studie wies die Machbarkeit nach, so dass der Verwaltungsrat Spital STS AG auf das Konzept eines Neubauprojekts in Saanenmöser zurückkam.

Getrennte Entwicklung der Gesundheitsversorgung in den beiden Regionen
Der spitalpolitische Konsens in der Region war von kurzer Dauer. Erneut wurde dem Neubauprojekt Widerstand entgegengebracht. Damit wurde klar, dass das Vorhaben aus politischer und, wegen drohender Einsprachen, auch aus rechtlicher Sicht nicht umsetzbar war. Die letzten drei Jahre und auch die kürzlich geführten Gespräche haben deutlich gezeigt, dass sich die beiden Regionen in spitalpolitischen Fragen nicht einigen können, so dass ein einheitliches Versorgungskonzept für die gesamte Region nicht realisierbar ist. Damit hat sich die Ausgangslage gegenüber den bisherigen Konzepten verändert. In der Konsequenz hat der Verwaltungsrat diese beiseite gelegt und schlägt nun ein neues Konzept vor, mit dem die Gesundheitsversorgung für die beiden Regionen getrennt entwickelt wird. Eine künftige, gemeinsame Lösung schliesst der Verwaltungsrat Spital STS AG indes nicht aus, das Erarbeiten eines spitalpolitischen Konsenses im Obersimmental und in der Region Saanen ist aber Sache der politischen Behörden und nicht die Angelegenheit der Spital STS AG.

Entscheidkompetenz beim Verwaltungsrat der Spital STS AG
Der Verwaltungsrat Spital STS AG hat nach einer Aussprache mit dem Regierungspräsidenten des Kantons Bern zur Kenntnis genommen, dass er gemäss heutiger Auffassung des Regierungsrats formal und abschliessend für den Standortentscheid im Simmental/Saanenland zuständig ist. Diese Frage war bislang nicht abschliessend geklärt, entsprechend kam es immer wieder zu Entscheidblockaden. Die bernische Regierung erwartet nun vom Verwaltungsrat umgehend einen Entscheid. Bereits in einer früheren Aussprache hat der Regierungsrat signalisiert, dass er aus regionalpolitischen Gründen einem Standort der stationären Akutversorgung in Zweisimmen den Vorzug geben würde.

Das neue Versorgungskonzept
An seiner Sitzung vom 3. Dezember 2010 hat der Verwaltungsrat nun entschieden, sich dem regionalpolitischen Signal des Regierungsrats nicht zu widersetzen. Die Spital STS AG hat beschlossen, Zweisimmen zum Gesundheitszentrum zu wandeln, ergänzt mit der stationären Grundversorgung in Medizin, Chirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe. Das stationäre Angebot richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten, diese stehen in direktem Zusammenhang zum Patientenaufkommen. Der Standort Saanen wird zu einem Gesundheitszentrum mit einem bedarfsgerechten ambulanten und teilstationären Angebot gewandelt, welches der Bevölkerung rund um die Uhr offen steht. Dieses Angebot soll in Kooperation mit einem privaten Anbieter mit einem spezialisierten stationären Angebot (z.B. Orthopädie) ergänzt werden, das auf die besondere Situation des Saanenlandes Rücksicht nimmt. Die stationären Angebote in Zweisimmen und Saanen sollen keine Doppelspurigkeiten aufweisen. Das Konzept der Gesundheitszentren orientiert sich auch daran, dass in absehbarer Zeit die ambulante ärztliche Versorgung der Bevölkerung im Versorgungsgebiet Obersimmental/Saanenland gefährdet ist. Die Spital STS AG stellt sich mit dem vorgeschlagenen integrierten Versorgungskonzept dieser Herausforderung.
Nach dem Grundsatzentscheid des Verwaltungsrats gilt es nun, die stationäre und teilstationäre Grundversorgung für die Regionen Simmental und Saanenland im Detail zu definieren, dies wird bis Mitte 2011 erfolgen.

Entscheid war dringend nötig
Der Standortentscheid und die Festlegung der Versorgungskonzepte sind dringend geworden. Diese Dringlichkeit ergibt sich durch die enger werdenden Finanzierungsperspektiven. Auch die Mitarbeitenden sind auf eine Klärung angewiesen, die lange Verunsicherung ist nicht mehr länger haltbar. Schliesslich ist auch für die Region eine Beruhigung notwendig.

Die Reaktionen
Die Reaktionen in den beiden Regionen fallen gemischt aus. So versteht das Saanenland nicht, dass der Verwaltungsrat nicht die betriebswirtschaftlich optimalste Lösung gewählt hat. Mit einem Gesundheitszentrum ist aber eine minimale Forderung, der Bevölkerung eine permanente Anlaufstelle, auch ausserhalb der Öffnungszeiten der privaten Arztpraxen zu ermöglichen, erfüllt. Die Region Saanen überlegt sich aber auch, den direkten Kontakt zu einem privaten Anbieter zu suchen. Anders sieht die Situation im Simmental aus. Man hat den Entscheid des Verwaltungsrates mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Insbesondere auch, dass politische Argumente gewürdigt wurden. Deshalb will sich das Simmental nicht als Sieger verstanden wissen und alles daran setzen, für die gesamte Region einen gesundheitspolitischen Akzent zu setzen.

Kommentare

Wäre Saanenmöser billiger gewesen Warum gieng Spital Saanen in den Keller ??
Hätte die Bevölkerung des Simmentals gewusst, was mit dem DRG (Fallpauschalenabrechnung) auf sie finanziell zukommt, so wären sie in 2 Jahren glücklich ein Spital ohne Akutzentrum zu haben. Leider wurden Sie über diese finanziellen Belastungen vermutlich nie richtig aufgeklärt! In Zukunft hat ein Spital nur noch eine Chance, wenn es hoch spezialisiert ist und eine zahlungskräftige Klientel anzieht. Ein gutes Beispiel ist hier die Klinik Gut in St. Moritz, solch eine Klinik wünsche ich dereinst dem Saanenland.
Vermutlich die beste Lösung

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ANITA MOSER
Als ich vor über zehn Jahren, nach meinem Umzug von Gstaad nach Schönried, mein erstes E-Bike gekauft habe, hat man noch geschmunzelt. Und ich hatte Hemmungen, die Grubenstrasse hinauf «normale» Velofahrer (*) zu überholen, habe mich sogar jeweils bei ihnen entschuldigt. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. E-Bikes boomen. Immer mehr ältere, aber auch immer mehr junge und sportliche Menschen fahren heute «mit».

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