Mit dem Camper durch Neuseeland und Australien …
17.04.2013 Gesellschaft, GstaadVor einigen Jahren waren Daniel und Marlies von Siebenthal aus Gstaad auf Weltreise. Nun, dreizehn Jahre und vier Kinder später sie wieder unterwegs. Im Camper durch Neuseeland, nachher durch Australien … (Fotos: Familie von Siebenthal)
Endlich gehts los
Der 10. Februar ist ein wunderschöner Wintertag, da müssen wir unbedingt nochmal eine Skiabfahrt geniessen. 45 lange Stunden später sinken alle ziemlich geschafft am anderen Ende der Welt ins Bett. Den Flug haben wir recht gut überstanden. Micha (6) und Noah (4) hatten kaum Zeit zum Schlafen wegen der vielen Filme zum Anschauen, Katja (8) hielt sich mit Gamen bei Laune, Tamara (11) wurde – reisekrank – von der Crew bestens umsorgt. Am Flughafen die erste Überraschung: unser reserviertes Zimmer erwartete uns erst eine Nacht später. So fuhren wir per Taxi zu unserer Notlösung durch die Dunkelheit, ein Kind nach dem anderen schlief ein, auch mir fielen ständig die Augen zu. So schnell war noch nie Nachtruhe bei von Siebenthals. Um acht Uhr Ortszeit erwachen wir alle. Jetlag, was ist das? Der Blick nach draussen zeigt Strand, Sonne und Meer. Etwas müde sind wir noch, einige Hustenviren haben wir aus dem Flugzeug mitgenommen. Daniel macht einen Tag krank, doch dann sind wir bereit, uns ins Abenteuer zu stürzen. Wir nehmen den Camper in Empfang. Eine Weile braucht es schon, bis alles verstaut ist. Daniel fällt nun die Aufgabe zu, das 2,1 Meter breite und 6,8 Meter lange Vehikel (mit) links durch den Feierabendverkehr aus der Stadt zu lenken. Das mit dem auf der linken Seite fahren hat er schnell raus, das mit dem auf der richtigen Seite einsteigen, ist schon schwieriger.
Sternenhimmel in der Höhle
Wir lesen von einer Glühwürmchenhöhle, die man auf eigene Faust entdecken kann. Leider haben wir nur noch eine helle Taschenlampe, die andere wurde bei Daniels nächtlichen Mückenjagden im Camper schon arg heruntergebraucht und ist nur noch ein Trauerlicht. Macht nichts, wir schaffen das schon. Die Anfahrt mit dem Camper ist bereits ziemlich kurvig und eng. Dann steigen wir in die dunkle Höhle hinunter. Der Boden ist schlüpfrig, ab und zu tappt ein Schuh ins Wasser. Eine Taschenlampe verbreitet wirklich nicht gerade viel Licht für sechs. Micha und Noah ist es nicht ganz geheuer, ängstlich halten sie sich an uns fest. Nach etwa zwanzig Metern durch die Finsternis sehen wir sie, die glimmenden Glühwürmchen an der Höhlendecke. Sie schimmern wie die Sterne am Nachthimmel. Wie wir später lernen, sind es eigentlich keine Würmchen, sondern die Larven einer Mückenart, die so ihr Futter – Insekten – anlocken. Wenn sie zur Mücke geworden ist, fehlen ihr die Mundwerkzeuge und sie stirbt nach vier Tagen. Wir staunen fasziniert, auch den Kleinen scheint die Höhle nicht mehr unheimlich. Übermütig tollen sie herum. Ich taste mich mit ihnen langsam zurück, während die anderen drei noch etwas weiterklettern, bis es nicht mehr weitergeht. Etwas später spazieren wir nachts durch eine schmale Schlucht. Links, rechts und oben leuchten Hunderte von Glühwürmchen, man weiss gar nicht, wo die Schlucht aufhört und wo der Sternenhimmel anfängt. Genau solche Momente sind unvergesslich und machen das Reisen für mich so faszinierend.
Schule
Langsam haben wir ins Camperleben hineingefunden. Die Kinder streiten nicht mehr so oft auf unseren 15m2, wir brauchen morgens nicht mehr zwei Stunden, bis wir losfahren können. Am liebsten campen wir frei an wunderschönen Plätzen, mit denen es kaum ein Campingplatz aufnehmen kann. Wir haben gemerkt, dass die Mädchen Hausaufgaben machen können, wenn wir einkaufen müssen. Apropos Schule: so abwechslungsreiche Schulzimmer werden sie so schnell nicht wieder haben, einmal ist es ein Strand am Meer, einmal ein Spielplatz, eine heisse Quelle oder ein Seeufer, wo gerade eine Regatta stattfindet. Weil da zuschauen spannender ist als Verben in einem Text anzustreichen, erfinde ich halt gerade live Sätze über das Geschehen, und Katja nennt mir die darin vorkommenden Verben. Manchmal fliegen aber auch die Fetzen oder besser gesagt, die Bleistifte oder ähnliches.
Hohe Sandhaufen und mächtige Bäume
Wir sind gerade im Norden Neuseelands unterwegs, als wir es entdecken: Das Snow-, äh – Surfboard in den Dünen. Es fehlt im zwar eine Ecke, aber wen kümmert das schon. Wir schlitteln und boarden, was das Zeug hält. Es macht Riesenspass. Leider fehlt der Skilift, das Raufstapfen durch den Sand ist kräfteraubend. Irgendwann sind alle müde und weiter gehts. Wir besuchen den Tane Mahuta, seines Zeichens der zweitmächtigste Baum der Welt, ein Kauri, etwa 2000 Jahre alt, 52 m hoch, der Stamm 6 m breit. Es ist faszinierend, durch einen Wald zu spazieren und plötzlich stehen da zwischen all den normalen Tannen tausendjährige Riesenbäume. Die Kinder entwickeln langsam eine Kauriphopie und wollen schon gar nicht mehr zum Camper raus, wenn wir was von Waldspaziergang sagen. Einmal wandern wir durch ein kleines Tal mit grossen Felsbrocken, wo wir ausgewanderte Schweizer treffen. Es sind Hobbybauern mit 200 ha Land und 60 Rindern. Das habe hier jeder, Lehrer oder Arzt, noch nebenbei, sagt er. Die Zäune in Ordnung zu halten gebe die meiste Arbeit, daneben habe man nicht viel zu tun. Die kleinsten Milchfarmen haben 200 Kühe, darunter könne man nicht überleben.
Baden einmal anders
Das ist ein lustiges Erlebnis und das geht so: Man leihe sich eine Schaufel, gehe zwei Stunden vor Ebbe zu den kleinen Felsen am Strand und fange an zu graben, bis man die richtige Stelle mit dem angenehm warmen Wasser gefunden hat. Dann buddle man sich ein grosses Becken, wo die ganze Familie drin Platz hat, sitze rein und geniesse es. Was spielt es da schon für eine Rolle, wenn es dazu regnet … Man vergesse aber nicht, immer wieder zu graben, sonst versandet die Badewanne wieder. Man plaudere ein wenig mit den Nachbarn aus allen Ecken der Welt im Becken nebenan oder schaue den zahlreich aus dem Nichts herbeiströmenden, ebenfalls mit Schaufeln bewaffneten Menschen zu, die sich auch noch ein Plätzchen ergattern oder aufgegebene Becken in Beschlag nehmen. Wenn das Wasser dann wieder hereinströmt und den Sand glättet, erinnert nichts mehr an das Schauspiel von vorhin bis, ja, bis es wieder von vorne anfängt.
Dem Vulkan in den Krater gucken
Erst beachten wir das Wasserflugzeug auf dem Lake Taupo nicht gross, das ist sowieso zu teuer für unsere Familie. Dann studiere ich aus Neugierde die möglichen Ausflüge. Ein Flug über die drei Vulkane im Tongariro Nationalpark wird angepriesen. Wäre schon was Spezielles. Das Wetter ist klar und wolkenlos, jetzt muss ich doch noch meinen Mann überzeugen. Die Kinder helfen mir dabei und so sitzen wir wenig später in dem winzigen Flugzeug und rasen übers Wasser. Dann heben wir ab. Der 616 km2 grosse, tiefblaue See unter uns ist bei einem Vulkanausbruch vor knapp 2000 Jahren entstanden. In China verdunkelte sich damals der Himmel und die Römer verzeichneten eine blutrote Färbung des Firmaments. Dann steigen wir auf 3000 m ü.M. und schauen uns die drei Vulkane von oben an. Die Krater rot und schwarz, mit einer paar Schneeflecken, dazwischen eisblaue oder türkisfarbene kleine Seen. Daneben raucht ein kleiner Krater vor sich hin. Zwei der Vulkane sind ab und zu noch aktiv. 1995 und 2007 verkürzten die Ausbrüche die Skisaison. Dann leerte sich jeweils der Gletschersee oben auf Mount Ruahepu (2797 m ü.M). 2012 rumpelte er wieder. In Neuseeland gehört das einfach zum Alltag.
Die Wanderung
Daniel, Tamara und Katja schauen sich diese Welt nun noch zu Fuss an. Da lassen wir die Kinder am besten selbst zu Wort kommen:
Katja: Heute gehen wir eine Wanderung machen. Fünf Stunden an einem Tag. Nachher übernachten wir in der Hütte. Am nächsten Tag gehen wir wieder fünf Stunden. Und schon sind wir beim Camper. Am Anfang ist es noch kalt gewesen. Und nachher waren wir im Nebel und es war noch kälter. Wir haben alles angezogen, was wir dabei hatten. Ich würde nochmal gehen. Es war sehr cool.
Tamara: Heute mussten wir früh aufstehen, denn wir gingen auf eine zweitägige Wanderung. Zuerst ging der Weg über einen Lavafluss, der war mit Pflanzen und Steinen übersät. Es ging auch über Brücken, dort klopften wir einen lustigen Takt mit den Schuhen. Danach führte der Weg einen steilen Vulkan hinauf. Als wir auf dem South Crater ankamen, hatten wir kalt. Darum mussten wir lange Hosen, Pullover, Faserpelz, Regenjacke, Handschuhe und Mütze anziehen. Fast ganz oben war es so steil, dass man ausrutschte. Oben angekommen, mussten wir alles wieder ausziehen, weil die Sonne schien. Dann wanderten wir weiter. Dort sahen wir in den Red Crater hinein. Nachher kam ein Abstieg, der war voll Kieselsteine und unten hatten wir die Schuhe voll mit Steinen. Da kam plötzlich ein Schild, darauf stand, dass man die nächsten 700 m nicht stehen bleiben darf, weil der Vulkan zwischendurch Steine spickt. Ich hatte nicht so Angst, denn ich wusste, dass er nicht ausbricht. Die Wanderung nachher war eher langweilig. Weil wir nicht mehr so mochten, wollten wir endlich zur Hütte. Doch sie kam und kam nicht. Das war doof und anstrengend. Endlich kamen wir an. Papa kochte uns einen feinen Hörnli-Eintopf. Am nächsten Morgen wanderten wir ganz lange an einem Fluss hinunter und auf der anderen Seite wieder hoch. Als wir endlich bei Mami, Micha und Noah ankamen, taten meine Füsse weh. Es hat mir super gefallen.
Nun verlassen wir die Nordinsel mit der Fähre und wenden uns der Südinsel zu.









