Abschiedsgottesdienst Bald ist wieder Schulanfang!

  28.07.2016 Kirche

Tausende Schüler haben ihren ersten Schultag vor sich, andere kommen eine Klasse, eine Stufe weiter. Viele wurden aus der Schule entlassen und beginnen eine Lehre. Andere machen den ersten Schritt ins Berufsleben sowie ihre ersten Erfahrungen hinein in die Selbständigkeit. Was bei uns ganz selbstverständlich und Alltag ist, das ist in vielen Ländern dieser Welt noch immer mit hohen Hürden verbunden, für viele kaum erreichbar.

Nächstes Jahr feiern wir 500 Jahre Reformation.
Mit der Reformation ist auch ein wichtiger Anfang unseres Bildungswesens verbunden. Indem die Bibel nicht mehr nur einigen wenigen Gelehrten vorbehalten war und dank dem Buchdruck, der fast zeitgleich mit der Reformation in Europa einen grossen Aufschwung erlebte, wurde Gedrucktes und somit auch die Bibel, für viele erschwinglich. Das Lesen und Schreiben war nicht mehr nur einzig den Mönchen in den Klöstern und den Gelehrten vorbehalten, sondern erreichte dadurch weite Kreise der Bevölkerung.
Der Zugang zu Lesen und Schreiben aber ist auch heute noch lange nicht

Bildung ist der grösste Bereich der Projektarbeit von Mission 21 und umfasst mehr als die Hälfte des gesamten Volumens. Bildungsarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung und fördert weitere Grundrechte. Denn Wissen bedeutet Ermächtigung.

Wir wollen Menschen stärken. Nach diesem Grundsatz richtet sich die gesamte Projektarbeit von Mission 21. Bildung ist dabei ein wichtiger Schlüssel. Auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) bezeichnet Bildung als Hauptpfeiler der Entwicklungszusammenarbeit. Denn durch Kenntnisse und Fähigkeiten werden Menschen ermächtigt, ihr eigenes Leben zu gestalten.
«Es ist wichtig, den Menschen Bildung zu schenken», sagt Suzan Mark, «das Wissen gibt ihnen Halt.» Mark kommt aus Nigeria, einem Land, das in einer tiefen Krise steckt und in dem qualitativ gute Schulen und Universitäten alles andere als selbstverständlich sind. Heute arbeitet Mark für unsere Partnerkirche EYN, die «Kirche der Geschwister» in Nigeria. Aufgewachsen ist sie auf dem Land in ärmlichen Verhältnissen. Dass sich ihr Leben zum Positiven verändert hat, verdankt sie der Bildung: «Heute habe ich einen MasterAbschluss in Theologie und die Möglichkeit, nach Europa und in die USA zu reisen, während viele, die im selben Dorf aufwuchsen, nicht einmal einen Schulabschluss besitzen.»

Lehren wie Jesus
Nigeria ist keine Ausnahme: In vielen für alle Menschen selbstverständlich. Die schweizerische Bibelgesellschaft hilft durch die Übersetzung und Verbreitung der Bibel aktiv mit, Menschen durch das Erlernen der Schrift den Zugang zu Information und Kommunikation zu ermöglichen. Die Bibelgesellschaft lässt Bibeltexte auch in Sprachen übersetzen, die es bis heute nur mündlich gibt und verhilft so einzelnen Völkern zu einer eigenen Schriftsprache. Die Bibel ist somit auch heute noch oft das erste Buch in einer neu geschriebenen Sprache und verhilft so Menschen ganz wesentlich zur Bildung.

Wie Luther
Im Spätmittelalter leistete Luther mit seiner Übersetzung der Bibel einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Vereinheitlichung der deutschen Sprache. Auf die gleiche Weise wirkt auch heute noch die Bibel in einigen Ländern durch das Wissen um Lesen und Schreiben als Sprungbrett in die Neuzeit.

Mission heute
Mission 21 ist die Nachfolgeorganisation der altehrwürdigen Basler Mission. 2016 heisst das Thema ihrer Aktion:

Partnerländern von Mission 21 bleibt der Zugang zu Schulen und Ausbildungsstätten einem Grossteil der Bevölkerung verwehrt. Das extremste Beispiel ist der Südsudan, wo die Alphabetisierungsrate bei nur 27 Prozent liegt. Mit unseren Projekten ermöglichen wir Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika Bildung und somit die Chance auf ein besseres Leben. Dieses Engagement steht in einer langen Tradition: Seit jeher gehen Bildungsarbeit und Mission Hand in Hand. Bereits Jesus wirkte als Lehrer, die Lehre gehört also gewissermassen zum biblischen Missionsauftrag. Bildung war zu Beginn eine elementare Aufgabe der Missionare, denn die Menschen mussten zunächst befähigt werden, die Bibel zu lesen. Die früheren Basler Missionare haben die Bibel oft übersetzt, wobei sie die lokalen Sprachen förderten und auch selbst viel gelernt haben.
Bis heute macht die theologische Aus- und Weiterbildung einen wichtiAugust 2016

«Bildung stärkt Menschen». Es geht darum, jenen Menschen eine Stimme zu geben, die keine Rechte haben. Keine Rechte zu haben, ist besonders weit verbreitet bei Analphabeten, die Dokumente weder lesen noch verstehen können. Dadurch aber sind viele Menschen von wichtigen Informationen ausgeschlossen und gehören deshalb

gen Teil unserer Projektarbeit aus. Dabei gehen Wort und Tat Hand in Hand, wie Hansueli Meier, bei Mission 21 Programmverantwortlicher für Chile, sagt: «Pfarrpersonen werden motiviert, soziale Verantwortung zu übernehmen und gesellschaftliche Probleme anzupacken.» Auch die Vermittlung von formalen Grundkenntnissen wie Lesen und Schreiben wird von den Partnerorganisationen gefördert. «Bildung ist ein wertvolles Instrument zur Emanzipation der lokalen Bevölkerung», sagt Meier. Denn wer gebildet ist, kann Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft übernehmen und an einer globalisierten, vernetzten Welt teilnehmen. Für die Menschen in unseren Partnerländern verbessert eine gute Schulbildung die Aussicht auf eine Arbeitsstelle. Auch unterschiedliche Berufsbildungsangebote werden von Mission 21 unterstützt, so zum Beispiel die Handwerksschule Wamba-Luadi in der Demokratischen Republik Kongo. «Bildung ist ein unverzichtbares Mittel auf dem Weg zu einer gerechteren Welt», sagt Hans- ueli Meier, «Armut und Perspektivenlosigkeit werden dadurch wirksam und nachhaltig reduziert.»

Lernen für den Frieden
Mission 21 unterstützt neben der Schul- und Berufsbildung auch nonformale Bildungsmöglichkeiten, welche die Persönlichkeitsentwicklung ins Zentrum stellen. Zum Beispiel in Chile: Fast alle Chileninnen und Chilenen können zwar lesen und schreiben, trotzdem ist das Land von grosser sozialer Ungleichheit geprägt. Viele MenEin Leben in Würde
Bildung und der Zugang zur Kommunikation sind somit wichtige Schlüssel für ein besseres Leben in Würde. Auch heute noch betrifft dies noch immer ganz viele Menschen. Was für uns selbstverständ

schen leben marginalisiert und sind von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Hier zeigt sich die Bedeutung der non-formalen Bildung: Mission 21 unterstützt unter anderem den Entwicklungs- und Ausbildungsdienst Sedec. Frauen, die aufgrund von Gewalterfahrungen kaum am öffentlichen Leben teilnehmen konnten, werden durch Bildungsangebote gestärkt und ermutigt.
Bildung ist mehr als Selbstzweck. Sie bildet die Grundlage für ein würdevolles Leben auf allen Ebenen. So ist zum Beispiel gut ausgebildetes Personal nötig, um medizinische Grundversorgung zu gewährleisten, wie das Beispiel der Hebammenschule im Südsudan zeigt. Dasselbe gilt für die Landwirtschafts- und Einkommensförderung, denn eine erfolgreiche Bewirtschaftung der Erde setzt praktisches Wissen voraus. Auch der Bereich der interreligiösen Friedensförderung ist an Bildungsmassnahmen gekoppelt, da ein fundiertes und reflektiertes Verständnis der eigenen Religion sowie von anderen Glaubensrichtungen die gegenseitige Akzeptanz fördert.

Eine internationale Lerngemeinschaft
Der Begriff «Bildung» wird nicht nur in unserer Projektarbeit im Süden grossgeschrieben, sondern auch hier in der Schweiz: Die Abteilung Bildung Austausch Forschung (BAF) sensibilisiert mit ihrem breiten Kursangebot Menschen aller Altersgruppen für interkulturelle und theologische Themen. Studienleiterin Heidi Zingg Knöpfli sagt: «Ich sehe mich als Brücke zwischen uns und unseren Partnern im Süden.»
Herzliche Einladung zum

Abschiedsgottesdienst

von Pfarrer Fritz Ehrensperger mit Taufe und Jodlerklub Lauenen

Anschliessend Apéro

Der Kirchgemeinderat Lauenen

Der Nebensatz am Schluss des Matthäusevangeliums, «… und lehrt sie», kann für viele Menschen den Weg ebnen hinaus aus Systemen, Verpflichtungen und Abhängigkeiten die unmenschlich sind. Dank der Kenntnis der Schrift bekommen Menschen Rechte, die aus der Versklavung und aus unsäglichen Abhängigkeiten, hinausführen können, weil sie sich durch Informationen gegen ungerechte Machtverhältnisse wehren können. Indem durch Bildung den Menschen Würde gegeben wird, erfahren sie Wertschätzung, die sie sich das vorher kaum vorstellen konnten.
Entwicklungshilfe, das Erlernen der Sprache, fördern die Eigenständigkeit und helfen den Menschen vor Ort zu mehr Rechten und befähigen sie zu einem eigenständigen Leben in Verantwortung vor Gott, den Menschen und der Um- und Mitwelt.
Von Migration hatte Jesus nichts gesagt, wohl aber stammt der Hinweis, gemäss dem Matthäusevangelium, «sie zu lehren und alles zu halten, was ich euch geboten habe» klar von ihm, von Jesus selbst. FRITZ EHRENSPERGER

Denn nicht nur die Partnerländer könnten von diesem Austausch profitieren, sondern auch wir, etwa in puncto Erziehung oder Gastfreundschaft. Wenn man einander auf Augenhöhe begegne, seien die «Fremden» plötzlich nicht mehr so fremd, sagt Heidi Zingg Knöpfli, – «es sind dann unsere Nachbarn. Und genau das finde ich schön an meiner Arbeit: diese BrückenbauFunktion.» Unterschiedliche Angebote der Abteilung BAF geben Einblick in kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten – etwa der Kurs «ohne Frauen geht es nicht», der die Rolle von Frauen in der Schweiz und in unseren Partnerländern beleuchtet.
Das Thema Frauenförderung durchzieht wie ein roter Faden die gesamte Projektarbeit von Mission 21. Das gilt auch für die Bildungsarbeit. Obwohl Bildung als Menschenrecht gilt, können nach Angaben der Unesco nach wie vor 774 Millionen Erwachsene weder lesen noch schreiben. Fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Die Theologie-Dozentin Suzan Mark aus Nigeria sagt: «Ich will sehen, wie wir Frauen die Männer einholen. Das ist meine persönliche Motivation, um im Bildungsbereich zu arbeiten.» In den vergangenen Jahren konnte sie beobachten, wie in ihrem Land die Kluft zwischen Männern und Frauen immer kleiner wurde. «Bei Frauen ist es besonders wichtig, dass sie eine gute Bildung erhalten», sagt Mark. «Wir Frauen geben das Gelernte an unsere Kinder weiter. Deshalb sage ich immer: Bilde eine Frau aus, und du bildest eine ganze Nation aus.» MARA WIRTHLIN
21. August, 10.00 Uhr, Kirche Lauenen


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