Ein Dorf voller Melodien …
11.07.2016 Saanen… so erlebten die Besucher vom letzten Wochenende die Begegnungszone in Saanen. Am Freitag klassisch, am Samstagnachmittag erst Jazz und danach ein abendfüllendes Folklorefest mit zehn Kapellen und zwei Jodlerduetten. Ein Ländlerfest so richtig zum Geniessen.
LÉONIE MÜLLER
Auf fünf verschiedenen Plätzen spielten die Kapellen. Jede Stunde wurde gewechselt. So hatten die Besucher die Wahl, sitzen zu bleiben und auf die nächsten Musiker/innen zu warten oder als Fan mitzugehen. Aus sechs Kantonen waren die zwölf Formationen angereist und sowohl der Schwyzerörgeli- wie auch der Innerschweizerstil wussten zu gefallen. So richtig Stimmung machten die Schwyzerörgeliquartette «Chrittergeischt» aus Saas Fee, «Wilergruess» aus Sigriswil und die drei Musikanten vom «Echo vom Chrähloch» aus Trachslau SZ. Wer die melodischen Töne eines Saxophons oder einer Klarinette liebt, der begab sich zu den Spielplätzen der Kapellen «Stanserhorn» aus Oberdorf NW, «Wasewachser» aus Wiesendangen ZH, «Enzian» aus Gümligen und ReusserSchmid aus Oberwangen. Chantal (Ländlerkapelle Reusser-Schmid) ist mit ihrem Saxophon im Saanenland unter den Ländlerfreunden bekannt durch ihre früheren Auftritte mit «Les Sœurettes». Das Ländlerquartett mit dem sinnigen Namen «08.15 Musig» vertrat das engere Oberland, das Haslital, und beim Ländlerquartett «Ämmitalergruess» sagt der Name, woher die Mitglieder angereist sind. Aus dem Saanenland musizierte das «Midi-Duo Steinebärg» am Ländlerfest.
Über den Dorfplatz, die Dorfstrasse und den Sanonaplatz schwebten vereinzelt tanzende Paare und gaben sich ganz dem Rhythmus der Klänge hin. Gutgelaunt packten die Frauen und Männer nach einer Stunde ihre Instrumente und begaben sich zum nächsten Auftrittsort. Bei diesen Wechseln gab es immer auch die Möglichkeit zu einem gemütlichen Schwatz mitten im Dorf. Einmal mehr konnte man am Ländlerfest spüren, dass die angereisten Kapellen mit viel Engagement und Freude Musik machen, sehr zur Freude der Ländlermusik-Liebhaber und der Organisatoren.
Singen mit Herzblut
Bereits mehrmals haben die Geschwister Bieri, Iren Kiser und Hedy Hodel den Ländlerabend bereichert, Mit ihren klaren Stimmen, den präzise gesungenen Liedern und den schmucken Trachten haben sie und ihre musikalische Begleiterin Farbe auf die Bühnen gebracht.
Erstmals am Ländlerfest in Saanen dabei waren die Schwestern Daniela und Melanie Moser. Dem gemeinsamen Jodelgesang haben sie sich vor sieben Jahren verschrieben. Ihre Stimmen ergänzen sich hervorragend. «Die Lieder, die wir singen, wählen wir selbst, denn sie müssen einen tiefen Sinn und Inhalt haben», so die Schwestern. Dies glaubt man ihnen gerne, singen sie doch ihre Jodellieder gefühlvoll und mit viel Herzblut. Melanie wirkt auch als Chordirigentin und leitet ein Chinderchörli. Daniela singt in einem Chor mit. Die beiden Schwestern kennen das Saanenland von Ferienaufenthalten im Hotel Solsana. Die Lieblingswanderung von Melanie ist die Bergtour über den Rinderberg–Hornberg–Horneggli und Daniela spaziert gerne der Saane entlang von Gstaad nach Saanen. Im Winter lieben sie es, begleitet von einem Skilehrer für Sehbehinderte, schöne Bögen über die Pisten des Saanenlandes zu ziehen. «Für uns war die Teilnahme am Ländlerfest eine Herzensangelegenheit. Wir haben uns sehr gefreut, auswärts singen zu können.» Auf ihre schönen Gotthelftrachten angesprochen, waren sich beide einig: Genügend Zeit zu haben, um die Tracht anzuziehen, ist die beste und schönste Vorbereitung auf den Auftritt. Diesen haben Melanie und Daniela auf verschiedenen Bühnen in Saanen mit dem Vortragen der sinn-und klangvollen Lieder mit Bravour gemeistert.
Anlässe verbinden
Einmal mehr haben es Arnold Welten und sein Team verstanden, einen wunderschönen Ländlerabend zu organisieren. Ein Ehepaar sprach wohl für viele andere, als es sagte: «Der Abend war wunderbar, wir haben getanzt und uns sehr gut amüsiert.» Nicht sichtbar für die Besucher ist die lange Vorbereitungszeit, die Arnold Welten braucht, um all die volkstümlichen Interpreten nach Saanen zu bringen und damit der Spielplan vor Ort so eingehalten werden kann. Kaum nachvollziehbar ist für die Besucher auch die grosse Arbeit vor Beginn des Ländlerfestes. Der Dorfverein Saanen hatte mit den Restaurateuren Bänke und Tische, Podeste für die Musiker, Verpflegung und vieles mehr vorbereitet. Nach dem Ende des Festes waren wiederum «Heinzelmännchen und -weibchen» im Einsatz und – ruckzuck waren die Tische und Bänke gestapelt und zum Abholen bereit.
Ruedi Baumer, Präsident der Dorforganisation Saanen, war denn auch des Lobes voll. Das Dorf Saanen habe vielseitige Anlässe und dank dem gemeinsamen Anpacken stelle sich der Erfolg ein.





