Traditionelle Nationalfeier in Saanen «Ich fühle mich stark als Schweizerin»

  02.08.2016 Saanen

Mit einem Konzert stimmten die Brass Band «Harmonie» Saanen und die Ländlerkapelle «Gläuffig» die vielen Besucher auf die Nationalfeier in Saanen ein. Die Festrede hielt Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Direktorin des Seco. Höhepunkt für die vielen kleinen Festbesucher war der von der BBHS angeführte Fackelumzug durch das Dorf.

ANITA MOSER
«Wir haben grosse Freude am neu gestalteten Saanendorf und haben dies am Wochenende gebührend gefeiert», begrüsste Ruedi Baumer am Montagabend die vielen grossen und kleinen Festbesucher aus nah und fern im Namen der Tourismus- und Kulturorganisation in Saanen. «Wir dürfen feiern, fröhlich und gemütlich sein. Wenn wir aber an all das von Menschen verursachte Leid in der Welt denken, sollten wir da nicht noch glücklicher und noch zufriedener sein?», fragte Baumer, bevor er das Mikrophon der Festrednerin MarieGabrielle Ineichen-Fleisch übergab.

Ein wahres Bijou
Zu Beginn ihrer Ansprache beglückwünschte Marie-Gabrielle IneichenFleisch die Saanerinnen und Saaner zum «wahren Bijou». Das ganze Dorfbild sei ein absolut wegweisendes, innovatives Projekt, auf das die Gemeinde und die Bevölkerung sehr stolz sein könnten. Ein wegweisendes, innovatives Projekt, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit seien Merkmale, die viele Projekte in der Schweizer Wirtschaft auswiesen. Als Leiterin des Seco sei sie viel im Ausland und werde oft gefragt, was es denn sei, was die Schweiz innovativ und wettbewerbsfähig mache. Sie nenne als erstes die Berufsausbildung. «Diese erlaubt jungen Menschen, eine Berufswahl zu treffen, die ihnen Aussicht gibt auf einen Arbeitsplatz.» Weiter erwähne sie den flexiblen Arbeitsmarkt. Dank diesem und dank einer starken Sozialpartnerschaft brauche die Schweiz keine staatlichen Mindestlöhne. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die gute Infrastruktur – mit dem Gotthard-Basistunnel habe sie seit Anfang Juli ein gutes Beispiel. Und nicht zuletzt habe es die offene Wirtschaft der Schweiz erlaubt, sogar mit einem Riesenmarkt wie China den Freihandel einzuführen, «wo doch andere Länder eher Barrieren gegen chinesische Produkte errichten.» Marie-Gabrielle Ineichen hielt fest: «Das Zusammenwirken, das Zusammenspiel all dieser und noch vieler anderer Faktoren ist die Grundlage unserer Wirtschaft.» Und diese Stärke sei das Verdienst von vielen mittleren und grösseren Unternehmen. Die Schweiz dürfe mit Genugtuung und Stolz und auch mit Zuversicht auf diese Stärken schauen. Was aber nicht heisse, dass es keine Herausforderungen gebe. Eine davon sei der starke Franken gegenüber dem Euro. Viele Unternehmen hätten es sehr gut geschafft, die Frankenstärke zu überwinden, für andere sei sie ein Grund zu echter Sorge. Die Referentin erwähnte weiter die weltwirtschaftliche Lage. «Die Abkühlung ist nach wie vor eine Sorge für eine Wirtschaft, die stark vom Export abhängig ist.» Und zum bilateralen Verhältnis zur EU sage sie lediglich: «Wir müssen eine Lösung finden.» Auch der Tourismus habe stark zu kämpfen mit dem starken Franken. «Das Saanenland und die Jungfrauregion sind die einzigen Alpenregionen mit einer dynamischen Entwicklung der Hotellogiernächte», so Ineichen. Dies sei nicht selbstverständlich. «Ihr habt sehr vieles richtig gemacht». Beispielsweise habe man eingesehen, dass man mit Skifahren im Winter und mit Musik im Sommer nicht weiterkomme. «Ihr habt das Angebot ausgebaut mit grossen Sportevents im Sommer und Musik auch im Winter.» Diese Diversifizierung habe sicher mitgeholfen, dass die Gäste im Sommer und im Winter kämen. Und natürlich dank Projekten wie Sanona sei Saanen ein absolutes Bijou geworden. Und auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen, mit den Hotels usw., sei wichtig. Das Seco könne für gute Rahmenbedingungen sorgen. Sie habe nur ein kleines Team und dem Seco stehe auch nicht viel Geld zur Verfügung. Der Bund könne aber gute Ideen unterstützen. So habe man beispielsweise im Rahmen der neuen Regionalpolitik die Jugendherberge oder das Sportzentrum unterstützt. Aber sie sei felsenfest überzeugt, dass das, was von Bern komme, nicht das sei, was die Stärke ausmache. «Es muss von euch kommen, von der Region», betonte sie und nahm Bezug auf das umgebaute Saanendorf: «Das ist euer Werk. Und wenn so ein Beispiel Schule machen kann, dann hat der Tourismus Zukunft», schloss Marie-Gabrielle Ineichen ihre Rede zum Nationalfeiertag.

Fackelumzug für die kleinen Festbesucher
Nach der kurzen, prägnanten Festrede ging es weiter mit dem von der BBHS unter der Leitung von Michael Bach gespielten «Berner Marsch» und mit der ersten Strophe der Landeshymne. Höhepunkt für die vielen kleinen Festbesucher war der von der BBHS angeführte Fackelumzug durch das Dorf. Mit Festwirtschaft und musikalischer Unterhaltung von der Innerschweizer Ländlerkapelle «Gläuffig» dauerte das Fest etwas weniger lang als am Samstagabend: Um Mitternacht gingen nach den dreitägigen Festivitäten endgültig die Lichter aus.


Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch ist seit 1. April 2011 Direktorin des SECO sowie Direktorin der Direktion für Aussenwirtschaft.

ANITA MOSER

Frau Ineichen, welchen Bezug haben Sie zum Saanenland?
Seit zwei, drei Jahren haben wir dank dem schönen Haus mitten im Dorf einen ganz nahen Bezug. Aber ich kenne das Saanenland noch von früher. Als Bernerin war ich ab und zu zum Skifahren hier und manchmal auch im Sommer zu Konzerten.

Was ist für Sie Heimat?
Heimat bedeutet für mich Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort, zu einem Land. Obwohl meine Mutter Italienerin ist und mich das Lateinische auch ab und zu anzieht, fühle ich mich stark als Schweizerin. Und leite vielleicht deshalb mit viel Engagement das Seco.

Das SECO ist das Kompetenzzentrum des Bundes für alle Kernfragen der Wirtschaftspolitik. Sein Ziel ist es, für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu sorgen. Die Wirtschaft steht durch den starken Franken unter Druck. Wie soll das Ziel unter den aktuellen Voraussetzungen/Herausforderungen erreicht werden?
Die Schweiz zählt in zahlreichen Ratings zu den innovativsten Ländern weltweit. Ich bin überzeugt, dass es der Schweiz dank einer innovativen und effizienten Wirtschaft auch in Zukunft gut gehen wird. Wir haben eine sehr gute Wirtschaft, sie braucht keine aktive Unterstützung im Sinne einer Industriepolitik. Wir vom Bund müssen aber für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgen und beispielsweise dafür, dass die administrative Belastung nicht zu gross ist. Auch brauchen wir offene Auslandmärkte, damit die Unternehmen exportieren können. Die vielen KMUs in der Schweiz sind sehr stark vom Export abhängig. Ich freue mich immer, wenn ich im Ausland bin und Schweizer Produkte sehe.

Und wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft des Saanenlandes?
Der starke Franken, die Wirtschaftskrise sind sicher grosse Herausforderungen. Aber ich denke, das Saanenland hat diese bisher gut gemeistert, namentlich dank der Diversifizierung nicht nur des Angebots, sondern auch der Gäste sowie einer intensivierten Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Tourismusorganisationen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese Entwicklung auch für die Zukunft der richtige Weg ist.
MARIE-GABRIELLE INEICHEN-FLEISCH


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