199 Tonnen für 199 Meter Mauer

  25.08.2017 Saanenland

MEIELSGRUND Auf dem Col de Jable wird seit einem Jahr kräftig gearbeitet. Die Trockensteinmauer an der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Waadt wird in drei Schritten erneuert.

«Die 199 Meter lange Trockensteinmauer wurde wahrscheinlich etwa im 16. Jahrhundert erbaut», erklärte Antoine Burri von Pro Natura. Er leitet das Projekt «Restauration Trockensteinmauer» auf dem Col de Jable, das von 2016 bis 2018 dauert. Leider habe man bisher keine Jahrzahl oder andere Indikationen gefunden, welche das Erstellungsdatum genauer eingrenzen. Eines sei aber sicher: «Die Mauer diente niemals zu Grenzzwecken, dafür wäre sie zu niedrig gewesen», lachte Antoine Burri. Vielmehr seien die Weiden von Steinen gesäubert und im gleichen Arbeitsschritt ein langlebiger Weidezaun errichtet worden.

Schulklassen, Zivildienstleistende, Freiwillige und professionelle Maurer sind an den Restaurationsarbeiten beteiligt. Beim Besuch des «Anzeigers von Saanen» waren fünf Zvildienstleistende unter der Leitung von Paul Cartigue an der Arbeit. Er ist professioneller Maurer, der sich auf das traditionelle Handwerk spezialisiert hat.

Die Zivildienstleistenden waren von ihrer Arbeit begeistert: «Ich finde es einen sinnvollen Ausgleich zu meiner Alltagsarbeit im Büro», sagte etwa ein Biologe. «Ich bin gerne in der Natur und es ist toll, etwas zu erschaffen, das mich überdauern wird», schwärmte ein Geologe. Doch die körperliche Anstrengung sei nicht zu unterschätzen. Denn während 90 % des Arbeitseinsatzes hätten die Zivildienstleistenden Steine von der nahen Geröllhalde geholt. «Jeder Stein wird x-mal in die Hände genommen, bis er schliesslich seinen definitiven Platz in der Mauer einnimmt», sagte der freiwillige Helfer Jacques Morier. Das Projekt kostet rund 200 000 Franken und wird von Pro Natura, wie auch von verschiedenen Stiftungen sowie der öffentlichen Hand finanziert. Leider könnten nicht alle Trockensteinmauern der Region wiederum aufgebaut werden, beantwortete Antoine Burri eine entsprechende Frage. Es würden hauptsächlich Mauern restauriert, welche gut zugänglich seien, sagte er. Das ist bei diesem Projekt der Fall. Die Alpen «Gros Jable» und «Petit Jable» gehören Pro Natura und sind mit einer Transportbahn von L’Etivaz her erschlossen. «Die Alp ist an eine junge Familie verpachtet», so Burri. Doch das einfache Gebäude beim «Petit Jable» steht leer und kann von den Mauerrestaurateuren als Unterkunft genutzt werden. Der Arbeitsweg beträgt rund 20 Minuten Marschzeit. Die Zivildienstleistenden sind jeweils vier Wochen vor Ort. «Wir wohnen und arbeiten unter einfachsten Verhältnissen. Das schweisst zusammen», betonte Antoine Burri. Die Handarbeit habe einen wichtigen sozialen Charakter. Sie entschleunige und gebe Werten Gewicht, die im stressigen Alltag zu kurz kommen, ist Burri überzeugt.

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