Im Orchester musizieren – ein Erlebnis der besonderen Art

  05.12.2017 Saanen

Das gemeinsame Musizieren im Orchester hat an der Musikschule Saanenland-Obersimmental Tradition und bietet auf eine faszinierende Art und Weise die Möglichkeit, sich über alle Grenzen hinweg in der Musik wiederzufinden.

Weder durch das Alter noch die Sprache oder durch das Spielniveau entstehen Barrieren – in einem Orchester finden sich alle zum gemeinsamen Musizieren und die Musik verbindet und macht glücklich. Dies hat auch schon Franz Schubert festgestellt: «Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden.» Es ist jenes Zitat, mit dem Véronique Gyger, Assistentin der MSSO-Schulleitung, ihre Dankesrede am Abschlusskonzert des Orchesterwochenendes 2017 eröffnete. Aber beginnen wir von vorne …

Zwei Jahre nach der Gründung der Musikschule beschloss der damalige Vorstand an der Sitzung vom 21. Juni 1972 in Gstaad Folgendes: «Um unsere Schüler auch im Zusammenspiel in einem Schüler-Orchester zu fördern, werden wir versuchen, ein solches aufzustellen!» Der Gründer Markus S. Bach war es denn auch, der das erste Schülerorchester zusammenstellte. Mit regelmässigen Proben und je einem Openair-Konzert im Frühjahr und Herbst war diese Formation ein fester Bestandteil der Musikschule. 1977 zum Beispiel, traf sich das Orchester zu 18 Proben und vier Konzerten. Später, ab 1998, wurde das Orchesterwochenende eingeführt und man traf sich nur noch für drei Tage pro Jahr.ww Diese bewährte Form wurde auch in diesem Jahr wieder durchgeführt.Bereits am 4. November trafen sich die 24 angemeldeten Schüler/innen mit ihren Fachlehrkräften zum ersten Probesamstag in der alten Turnhalle im Ebnit. Im Vorfeld hatten alle die Noten bereits erhalten und fleissig geübt, so dass die ersten Töne im Orchester schon ganz ordentlich klangen. Trotzdem wurde natürlich den ganzen Tag entweder im ganzen Orchester, unter der Leitung von Mathias Stocker oder in den kleinen Ensembles, unter der Leitung von Valérie Gretillat und Rita Walker, geübt und geprobt. Für das leibliche Wohl waren alle selber mit Picknick verantwortlich. Trotzdem überraschte Frau Gyger mit einem feinen Kuchen und Most. Zufrieden endete dieser lange Probesamstag mit der Vorfreude auf das richtige Wochenende inklusive Übernachtung und Konzert.

Nächster Termin war Samstag, 18. November. Pünktlich um 8.30 Uhr traf sich die ganze Orchesterschar bei der Talstation Rellerli. Zu Fuss ging es hoch zum Ferienheim Fraubrunnen. Fürs Zimmerbeziehen und Einrichten blieb nicht viel Zeit, denn bereits um 9 Uhr begann die erste Gesamtprobe. Natürlich gab es immer wieder Pausen zur Erholung mit Spiel und Spass, aber es wurde doch den ganzen Tag hart gearbeitet.

Da fünf der Kinder aus der welschen Nachbarschaft dabei waren, gab es ein lustiges Sprachengemisch. Es zeigte sich ganz klar: Den gerne erwähnten Röstigraben gibt es – zumindest in der Musik – nicht (mehr)!

Nach dem gemeinsamen Nachtessen und den verschiedenen Ämtchen wie Tischabräumen und Abwaschen klang der Abend langsam aber sicher aus. Ob nach Schneeballschlacht, «Sternenspaziergang» oder intensiveren Zwiegesprächen: Ab Mitternacht herrschte im ganzen Haus Ruhe.

Bereits um 6.30 Uhr läuteten einige Wecker und bald erschienen die ersten Kinder zum Frühstück. Anschliessend mussten die Zimmer geräumt werden und um 9 Uhr traf man sich zur letzten Gesamtprobe im Ferienheim. Ab dem Mittagessen war praktisch jede Minute durchgeplant: aufräumen, umziehen, Instrumente verladen und Transport nach Saanen in die schöne Kirche zur Stellprobe. Langsam aber sicher stieg die freudige Erwartung, endlich das Gelernte dem Publikum vortragen zu dürfen. Pünktlich um 16 Uhr war die Kirche zu einem grossen Teil gefüllt und das Konzert konnte beginnen.

Souverän und in ausgewählten Worten führte Cédric Gyger durch das Programm. Die Kinder muszierten wunderbar und mit grosser Spielfreude unter dem musikalischen Leiter Mathias Stocker. Der grosse Applaus war denn auch der offensichtliche Lohn für die Musizierenden und zugleich der letzte Höhepunkt des diesjährigen Orchesterwochenendes. Die Dankesrede von Véronique Gyger liess erahnen, wie viel Aufwand im Hintergrund geleistet wurde. Von der Auswahl der Noten über das Suchen der Räumlichkeiten, das Organisieren der Instrumente wie Schlagzeug und Klavier, den Transport der Kinder und nicht zuletzt das Üben der neun Lehrkräfte mit den Schüler/innen im Vorfeld, aber dann auch das Einstudieren am Wochenende selber. Ein grosser Dank geht auch an die Eltern, die es ihren Kindern ermöglichen, in einem solchen Orchester mitzuspielen. Und zum Schluss: Vielen Dank allen, die da mitgespielt haben, und die den Aufwand nicht scheuen, ein Instrument zu lernen zur eigenen Freude, aber auch zur Freude des Publikums.

Kinder gemeinsam musizieren zu sehen, macht glücklich. Es lebe das nächste Orchesterprojekt der Musikschule Saanenland-Obersimmental!

 


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