Michael Bach steht am Dirigentenpult
23.03.2018 KulturDie Proben des erweiterten Mauritius-Chors für die Saaner Osterkonzerte sind in vollem Gange. Bereits ist die Sitzordnung auf die Verhältnisse in der Kirche Saanen angepasst und der Mauritius-Chor wartete gespannt auf die wichtige Probe vom vergangenen Montagabend: Erstmals wurde das Chorwerk von Michael Bach geleitet.
Der Kirchenmusiker Roland Neuhaus ersetzte das Orchester, indem er die Partitur am Klavier spielte. Im Interview verrät er, wieso Michael Bach den Dirigentenstab für den Auftritt übernimmt.
Roland Neuhaus, warum stehen Sie heute nicht vor dem Chor?
Puccinis «Messa di Gloria» erfordert ein grosses Orchester mit Streichern und Bläsern. Dieses vorwiegend aus Berufskräften bestehende Ensemble probt die Messe Puccinis in ganz kurzer Zeit. Der Orchesterteil reicht mit wunderbaren Farben weit über eine blosse Begleitung hinaus. Um der Partitur möglichst gerecht zu werden, braucht das einen Dirigenten, der das schnell und genau erarbeiten kann. Dieses Können und die nötige Erfahrung bringt Michael Bach mit.
Bisher haben Sie das Chorwerk trotzdem geleitet – ist das für Sie nicht eine Einschränkung?
Jede Medaille hat zwei Seiten: Ein Werk zu leiten, habe ich teilweise als sehr schön erlebt. Wegen den grossen Klangkörpern hatte ich vorher auch schon schlaflose Nächte: Als Dirigent kann man mit einer einzigen falschen Bewegung viel gute Vorarbeit vernichten. Meine Vorarbeit als Dirigent war das Einstudieren der «Messa die Gloria» mit dem Chor und natürlich stehe ich grundsätzlich hundertprozentig hinter dem Chor! Zudem werde ich Puccinis Musik als Kontrabassist mitgestalten. Allgemein steht bei grossen Besetzungen in der Regel der Orchesterdirigent am Pult und nicht der Chordirigent, besonders bei professionellen Ansprüchen.
Können die Osterkonzerte 2018 sich überhaupt mit professionellem Musikbetrieb vergleichen?
Ja, auf alle Fälle. Das Orchestra degli amici vereint ausgezeichnete Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker, die Solisten sind ausgewiesene Spezialisten in ihrem Fach und Michael Bach bringt ideale Voraussetzungen mit, um alle Beteiligten zu einem prächtigen Ganzen zu vereinen.
Und der Chor – klingt der professionell?
Nein! Das soll und muss er auch nicht! Profichöre können zum Beispiel mit halb so vielen Leuten doppelt so laut klingen. Was Amateurchöre auszeichnet, ist die Weichheit im Klang, die Begeisterung und die Freude des Mitsingens. Der Chor kennt das Werk am besten, weil er sehr lange daran probt. Ich selber finde Profichöre schon beeindruckend, aber der Klang von Laien ist natürlicher und erscheint mir immer wärmer.
Sie haben heute nun eine Chorprobe mit Michael Bach erlebt – wie reagierte der Chor?
Der Chor ist gut vorbereitet – es braucht noch eine Gewöhnung an einige etwas schnellere Tempi. Michael Bach kann ausgezeichnet mit Laien arbeiten und findet die richtigen Worte, um den Chor zu motivieren. Wir starten also getrost in die letzten wichtigen Gesamtproben!
MAURITIUS-CHOR DER KIRCHGEMEINDE SAANEN-GSTEIG




