Stierentungel Lauenen: die neue Seilbahn – eine grosse Freude und enorme Erleichterung

Fr, 31. Aug. 2018
Bereits im April 2016 konnte die erste Probefahrt gemacht werden. FOTOS ZVG

Zwar ist die neue Seilbahn bereits seit 2016 im Betrieb, aber abgenommen wurde sie erst diesen Frühling und konnte so dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.

Das Bauwerk wurde diesen Sommer würdig gefeiert. Rundherum waren grosse Freude und Genugtuung zu spüren, aber auch Stolz über das Gelingen des Bauvorhabens. Ohne gute Zusammenarbeit und Eigenleistungen seitens der Besitzer – für ca. 200 000 bis 250 000 Franken, wie Christian Reichenbach, Präsident der Baukommission, erwähnte – und der Unterstützung von Bund, Kanton, Gemeinden und privaten Sponsoren wäre es nicht möglich gewesen, das Projekt zu realisieren. Die Bahn kostete ca. 1,5 Millionen Franken.

Gast war auch alt Grossrat Gerhard Fischer, der sehr viel zum guten Gelingen beigetragen und der Bauherrschaft sogar die Tür geöffnet habe, wie Christian Reichenbach sagte. Erstmals dürfen auch Personen legal mitfahren, was natürlich eine enorme Erleichterung und Zeitersparnis bedeutet sowie auch älteren oder Personen mit körperlicher Beeinträchtigung die Möglichkeit bietet, hochzufahren. Natürlich kann nicht einfach so hochgefahren werden, es muss mit den Eigentümern und Besitzern abgesprochen werden.

Langer Weg vom «Göppel» zur Hightechbahn
Als 1906 die sechs Gemischen den Berg kauften, machte sich Fritz Reichenbach Gedanken über eine Transportmöglichkeit. Es ging hauptsächlich darum, das Holz auf den auf über der Waldgrenze gelegenen Berg zu transportieren. Es wurde bei der Kreuzung beim Dungeltrittli eine erste Seilbahn erstellt. Bis dorthin musste die Ware hochgetragen werden. Die Ware wurde auf den Stierentungel «gegöppelt», d.h. mit einer Winde, die durch zwei Pferde betrieben wurde, hochgezogen (siehe nächste Seiten).

1952 wurde ein Lambordinimotor mit der Seilbahn «hinaufgegöppelt». Dieser musste mit dem Fuss gestartet werden und gab dann jeweils einen heftigen Rückstoss, meinte Arnold Annen, der dort Statterbub war. Für Reinold Brand sei dies aber kein Problem gewesen. Später wurde dann von der Steinenweide her ein Seil gespannt. 1980 zerstörte eine Lawine die Befestigung bei der Kreuzung. 1981 konnte eine neue Bahn von der Tweregg gebaut werden. Ab und zu sah man auch Personen mitfahren, allerdings illegal …

2011/12 mit der Planung begonnen
Arnold Annen erzählte, dass mit der Planung zirka 2011/12 begonnen wurde. Es wurden diverse Varianten geprüft. Die Bahn hätte einen Service nötig gehabt. Man dachte auch an eine Strasse oder ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Kuhtungel. Es wurde auch diskutiert, ob nur eine Transportseilbahn oder eben Personentransport realisiert werden sollte. 2013 wurde der Baubeschluss einstimmig angenommen. Es wurde ein Ausschuss gewählt mit Christian Reichenbach (Präsident), Jörg Trachsel und Arnold Annen.


TECHNISCHE DATEN

Firma: Zurbrügg Frutigen Antrieb: Talstation Bergstation: Feste Umlenkung Tragseil fest fix. Zugseilspannsystem: Spanngewicht in Talstation Höhe Talstation: 1425 m ü. M. Höhe Bergstation: 2031 m ü. M. Höhendifferenz: 534 m Fahrbahnlänge: 1536 m Tragseil: 28 mm Zugseil: 15 mm


Die Geschichte der Alp

Ursprünglich gehörte die Alp Stierentungel und auch Iffigen einem Deutschen namens Hildebrand. Dieser wollte aus dem Gebiet Stierentungel, Iffigen und Niesenhorn ein Jagdrevier realisieren. Das wurde ihm aber vom Regierungsrat nicht erlaubt und so verkaufte er Iffigen nach Biglen und den Stierentungel an die Lauener.

Kappelers aus Oberwil pachteten von Hildebrand den Stierentungel und zügelten jeweils zu Fuss von Oberwil. Auf dem Blatterli machten sie jeweils Pause und zügelten dann von der Tüffi gegen die Chiera. Auch später wurde dort noch gezügelt und besonders im Herbst, wenn es manchmal schon Schnee gab, war es gefährlich. Der Stierentungel besass auch ein halbes Rindersweid in der Stierenmatte, welches berechtigte, die Zügeltiere dort weiden zu lassen.

1906 kauften sechs Gemischen aus Lauenen den Stierentungel: Klaus Brand, Christian Brand, Hans Brand, Michi Annen, Fritz Reichenbach und Gottlieb Hauswirth. Die Gemeinde wurde auch angefragt, aber sie fand es zu aufwendig. Später kaufte Christian Schläppi die Weide von Michael Annen, weil dieser auf der Matten und dem Tuffsteini Weide besass. Später ging diese an Emil von Känel weiter. Die am Südhang des Rothorns auf 1920 bis 2270 m ü. M. gelegene Alp befindet sich ausschliesslich oberhalb der Waldgrenze, hat 153 Rinderweid und ist heute eine Alpkooperation mit 17 Alp-Ansprechern.

Auf dem Stierentungel dürfen sie sich glücklich schätzen, immer noch einheimische Küher zu haben. Zum Glück gibt es noch Arbeitgeber, welche ihren Angestellten den Freiraum geben, im Sommer auf die Alp zu gehen. Das ist nicht mehr selbstverständlich. Früher war es noch möglich, drei Monate frei zu nehmen.

Die Erstellung der neuen Bahn ist innovativ, zukunftsgerichtet, vorrausschauend und schafft Hoffnung und Vertrauen, dass die prächtige Alp erhalten bleibt.

RUTH ANNEN


WER GING WANN Z BÄRG AUF DEM STIERENTUNGEL?

Innere Hütte
1945–1950: Familie Alfred Kopf

1951–1954: Fam. Christian und Frieda Perreten

1955–1968: Fam. Jakob Trachsel-Brand

1969–1972: Alfred und Viktor Trachsel

1973–1975: Viktor und Köbi Trachsel

1978–2003: Fam. Köbeli Trachsel-Hefti

2004–2013: Simon Reichenbach

seit 2014: Fam. Ruedi Trachsel-von Siebenthal

Äussere Hütte

1940–1951: Fam. Walter und Aline Reichenbach

1952–1960: Aline Reichenbach und Kinder mit versch. Knechten

1962–1964: Ruedi Brand und Ernst Reichenbach

1965–1967: Fam. Hans und Bethli Hefti-Brand

1968–2003: Fam. Christian Perreten-Hefti

2004–2008: Fam. Ueli Perreten-Hauri

seit 2009: Kurt Reichenbach und Fam. Daniel und Daniela Brand

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Kommentare

Ich war im Juli 1969 bei Christen und Hanni Perreten im Landdienst auf der Alp. Sie hatten damals 7 Kinder und das nächste war auf dem Weg. Wir hatten nur Petrollampen und schliefen auf Heusäcken am Brunnen wuschen wir uns. Wäsche wurde auf dem Holzherd in einem grossen Kessel erhitzt und dann in einer Waschkugel durch drehen gewaschen. Gebügelt habe ich mit einem Holzkohlebügeleisen, zum Dämpfen wurde Salz auf die glühende Kohle gestreut. Butter haben wir in der Zentrifuge von Hand hergestellt und Käse wurde im grossen Kessel in der Küche hergestellt. Es war eine strenge, aber wunderschöne und auch unvergessliche Zeit. Ich würde gerne wissen, wie es den Familien Perreten geht.

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