Erinnerigi a Ruben Frutschi

Fr, 29. Mär. 2019

Eso nes richs u veelsittigs Läbe wi das vo Ruben Frutschi i Wort z fasse, erschint fasch umüglich. Da gits eso veel, wo mu wetti verzele – us sir Jugendzyt, vom Poschtouto, vo sir Begaabig mit Holz öppis z mache, vo Ruben als Chünschtler mit Worte und Töne und nid zläscht vo Rubens Humor u sir träfen Art uf Situationi u Lüt z reagiere. Mu cha nid allz verzele, wo mu sich dra bsint. Es cha numen en Usschnitt sy un är sälber wurdi vilicht dr Fokus no ganz andersch lege.

Drum hei wer gfunde, wier mache nit eso ne ganz normala Läbeslouf – wo allz der Reie na chunnt. Nei, wier verzele euch Erinnerigsbilder – so en Art en inneri Diaschou. Sodass ier sälber öwer Bilder o dri chönnt la uflüchte. Für das hei wer Begäbeheite, wo Ruben sälber ufgschribe het, aber o ganz viel, wo ds Heidi mit üns teilt.

Ruben als Bueb
Ruben schribt uber siner Chinder- u Jugedjahr:

Am 30. April 1932 wurde ich im Turbach als zweites Kind geboren. Meine Eltern Christian und Emilie Frautschi-Ogi haben mir den Namen Ruben gegeben, weil ein Cousin meines Vaters, der sie von Amerika her besucht hat und den sie sehr geschätzt haben, so hiess.

Cousin Ruben sigi drum schints o so ne Lieba gsy.

Ich durfte eine schöne Jugendzeit verbringen. Wegen dem Laden kamen viele Leute vorbei, sodass es nicht langweilig wurde. Ruthli, meine um sechs Jahre ältere Schwester, hat schon früh Klavierunterricht bekommen und daheim spielte sie auf dem Harmonium. Am Abend haben wir viel gesungen. Einmal sei mir aufgefallen, dass mein Vater nicht die Melodie, sondern den Bass gesungen hat und da habe ich als kleiner Knirps gesagt: «Vati tuet de faltz». Ich besuchte neun Jahre die Primarschule im Turbach, wo ich mich wohlfühlte.

Öppis, wo mu nit darf vergässe us där Zyt isch sicher d Wassergrössi im Türpach. Ruben het emal ufgschribe, winär das Uglück erläbt het:

D Wassergrössi vam 20. Juli 1948:
Di Ältere van öuch bsine sich sicher no, dass der Türpachbach e parmaal groossa ischt choo anno 1936, 40, 44 u 48. Am Schtrübschte ghusiert hät der Bach anno 48. Wier si dänd no una bim Bach z Hus gsy, u dä Taag bini mit em Velo im innere Türpach ga Poscht vertraage. Was du uf ds Maal miserabel hät aafaa wättere, bini in Ärnscht Rumangs Dili ga schäärme. Es hät u hät nid wälen ufhöre, u du hani aafen es Maal usiggugget. U was gseeni? Der Zwitzerägg ischt vam Hagel schneewissa gsy. Das hät mer nüt gfale, vawäge mu weis ja wi der Türpachbach cha rumoore i söttige Fäle. I bi hurtig uf ds Velo u heim ga määlde, äs chönnti de nit guet choo.

Aber dun i ha gwüsse, das mi Vatter mit em Ross ids Gstaad isch ga Fuettermittel reihe, bini grad witer desus für mu ga z begägne. Oppa nach 300 Meetere hani ne aatroffe. Wir sy gäge heim, hei das Züg abglade u dernaa bini mitem Ross i ds Weidli uehi. Wani nach ungefäär 20 Minute heim chume, isch d Saagi scho furt gschwämmti gsy u der Lade unainn in ünsem Hus ischt o furtgschrissna gsy. Wier sin uber ds Reinteli uehi u hei va Wehres Louben us müesse zueggugge win da ei Gägeschtand nam andere isch furtgschwämmt worde. Wier sin i ds Schuelhus gan ubernachte u z monderischt am Morge isch mu du ga gugge, wi das jitz da una usgseij. Dank der schtarche Mittelmur isch ds Hus no gschtande. D Fürweer hät ses aabbunde u gsicheret, esoo das mu hät inhi törfe für sches uszrume.

Der Türpach isch du fine Schutz völig abgschnittna gsy, will d Brüggeni sin alu zäme furt gsy u ds Schträssli ischt o z Hudel u z Fätze vercheibets gsy. Schpeeter isch du ds Schträssli var Scheidbachbrügg ewägg uf d Sunnsyte uehi verleit worde, wills una dem Bach naa e kener Biträg hätti ggää u das isch guet esoo.

Der Plan va mim Vatter im Pfaffebärg e Schtoumur z mache, isch du 15 Jahr nach sim Abläbe Würklichkeit worde. Sithar hei wer nie mee eson e schtrubi Wassergrössi ghabe.

Ruben in der Arbeitswelt
Zu där Zyt isch Ruben 16ni gsy – u dadrmit o sini Zyt als Schuelbueb im Türpach fertig. Vo sim Ischtieg id Arbeitswält bis zur Pensionierig erzellt är nus ditz:

Nach einem Jahr in La Brévine, wo ich etwas Wältsch lernte, machte ich die Zimmermanns-Lehre bei meinem angenehmen, lieben Meister Walter Brand. Nach ein paar Stellen hier und in Langenthal wechselte ich zur Post als Briefträger. Danach war ich 34 Jahre lang als Postchauffeur zwischen Turbach und Gstaad unterwegs. Viel Interessantes und Lustiges kam mir da zu Ohren. Meine liebsten Fahrgäste waren die Kinder.

Heuberg und Geissen – Werkstatt
Uber d Friizyt erzellt ds Heidi: Durch all diese Jahre hindurch genoss Ruben sein geliebtes Heubergütli, das er anfangs neu aufbaute und jedes Jahr etwas hinzufügte, flickte und einrichtete. Einen Sommer lang (oder warens zwei?) waren seine Geissen dort, das hiess jeden Morgen die Milch auf dem Töff mitnehmen. Nach sieben Jahren war auch die Zeit der Geissen vorbei.

Er erfüllte sich nun den Traum einer Werkstatt, die er nicht morgens und abends pflegen musste, die geduldig wartete und sich willig brauchen liess, auch einmal zur Unzeit. Das Projekt Spinnräder war da wohl sein Hauptanliegen.

Ruben und Heidi
Ds Heidi schribt: Ruben hat mich immer unterstützt wo nötig, aber nie angebunden. Seine Eigenständigkeit war ihm wichtig und darum hat er auch mir meine Freiheit gelassen.

Di Zwöi heis guet zäme gha, o we si nit geng eir Meinig gsy sy. Etur schribt ds Heidi uf:

Frage: Spaziergang oder nicht? Ruben stiefelt davon: «Meine Frau, die Heidebill, will nicht so, wie ich gern will.»

Ruben im Chor und im Theater
Dr Ruben het verschideni Sache gha, wo ihn im Läbe e Zytlang starch i Beschlag gnoh hei, woner alli Energie dry gsteckt het, u wonär aber drna emal och – u zwar wes am Schönschte gsy isch – wieder ufghört het, für öppis Nüws aazfaa. So isches mit de Geisse gsy – aber äbe nahär och mit em Chor un em Theater … Ds Heidi erzellt:

Natürlich hat Ruben viele Jahre im Turbach-Chörli gesungen und auch früh schon mit Leidenschaft Theater gespielt, was ja schon lange Tradition war. Dann kam die Zeit, in der er das Stück übersetzte, die Bühne baute und die Hauptrolle spielte – und das damals noch jeden Winter. Das waren schöne, aber auch intensive Jahre. Und so hat er auch dieses Kapitel abgeschlossen und sich ganz dem Singen im Chor zugewendet.

Auch die Zeit mit dem Jodlerklub «Gruss vom Wasserngrat» nahm er ernst. Stundenlang verschwand er in seinem Stübchen, um die Übungen vorzubereiten. Nachdem an einem einzigen Tag alle Lieder für die erste Langspielplatte aufgenommen worden waren, musste man doch auf dem Heimweg tüchtig feiern! Jedenfalls stand mein Ruben nicht mehr so sicher auf den Beinen, wie ich es gewohnt war von ihm, als ein Kollege ihn spät nachts bei mir ablieferte …

Rubens Humor
Ruben isch begabt gsy – sigis mit Holz, Musig oder äbe Worte. Wän mu o fragt, was mu sigi blibe, seit: «Geng appa e träfa Spruch het er gwüsst, Ruben.»

E Nichte bsint sich eso: Onkel Ruben bereicherte unsere Familientische immer mit seiner stillen, ruhigen und angenehmen Art. Er sagte nie viel – aber wenn, dann ergänzte er unsere Gespräche mit einem träfen und lustigen Spruch, mit welchem er uns alle zum Lachen brachte. Ich liebte seine Sprüche … und noch etwas ganz Besonderes: nämlich den so gut duftenden Tabak aus seiner Pfeife!

U ds Heidi ergänzt: Überflüssige Worte gab es kaum bei Ruben. Was er sagen wollte, hat er in kurze Sätze gepackt. Daraus konnte auch ein Missverständnis entstehen, weil der Gesprächspartner den einen kurzen Satz überhörte, in dem alles enthalten war.

Ruben hat sich schriftlich lieber in Versform ausgedrückt als in Prosa. Manchmal fand ich sogar eine kurze Nachricht auf dem Küchentisch – in Versform. Seine träfen Verse gabs (gibts) von sehr kurz bis zu mehreren Seiten lang – zu Hochzeiten, Geburtstagen, Familienfesten.

Im «Anzeiger von Saanen» erschienen auch mal kritische Reime.

Ruben und Musik
Öppis hingäge isch scho ganz früeji sini Lideschaft worde u blibe. Wier heis vorhär scho i sine Schilderige uber sini Jugendzyt ghört: D Musig het ne praktisch vo Aafang aa u bis ganz zum Schluss begleitet.

Sehr früh schon war Ruben fasziniert vom Grammofon seiner um viele Jahre älteren Cousine, die klassische Musik liebte. Mit Cousin Otto und zwei Kollegen machte er – meist im Welschen – Tanzmusik. Seine Spezialität waren Tangos.

Einmal, als ich abends spät nach Hause kam, fand ich auf dem Küchentisch ein Notenblatt mit einem frisch komponierten Foxtrott mit dem Titel «Mys Chrabi».

Vor Jahren einmal nahm es mich wunder, ob es denn wirklich für ihn befriedigend sei, immer nur die kurze Turbachstrecke zu fahren. Da gab Ruben zur Antwort: «Das ist genau richtig für mich. In den vielen Pausen kann ich die Melodien aufschreiben, die mir durch den Kopf spuken.» Und dazu hat er die alten Billette gebraucht!

«Bisse-Wiehnachte»
Öppis Blibends u unghür Beidruckends het Ruben ir Musig gschaffe: nämlich d «Bisse-Wiehnachte».

Wohl auch hauptsächlich im Postauto ist die «Bisse-Wiehnachte» entstanden. Drei Jahre lang hat er daran «gebastelt», wie er sagte, d.h. sie nach und nach aufgeschrieben. Von Kinderliedern für jede Stufe über seine Lieblinge, die Kanons bis zu mehrstimmigen Chorälen und Doppelchören ist alles enthalten.

Es ungloublichs Gschänk, wo Ruben üns da hinderlaa het.

HEIDI FRAUTSCHI UND MARIANNE AEGERTER

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