Von der Cabane zum Col du Pillon – Freeride-Spass und eine 80 Meter hohe Felswand

  09.04.2019 Region

Um 8.45 Uhr treffen wir uns bei der Talstation Col du Pillon und werden mit allem ausgerüstet, was wir für den Freeride-Day brauchen: Klettergurt, LVS, Schaufel, Sonde. Wir sind eine 11-köpfige Gruppe – ein Pro Rider, ein Guide, 9 Teilnehmer, davon 5 Männer und 4 Frauen. Von nah und fern sind sie angereist: eine Frau von Montreux, ein Mann von St. Imier, ein Paar vom Emmental, ein Feriengast von England. Wir sprechen Deutsch, Französisch und Englisch; und einigen uns auf Englisch, weil diese Sprache alle gut verstehen. Was wir alle gemeinsam haben: Wir wollen erste Freeride-Erfahrungen sammeln und freuen uns riesig auf den Tag.

JOSUA BIELER
Mit der Gondel fahren wir hoch zur Mittelstation Cabane, gelegen auf 2525m. Im Testcenter können wir brandneue Freeride-Ski ausprobieren. Ich teste den Dictator 2.0 von Faction. 179cm lang, in der Mitte 95mm breit, 1800g leicht. Es kann losgehen!

Von der Cabane gehen wir direkt in eine erste Abfahrt abseits der Piste. Wir gewöhnen uns an den Ski und die Schneebedingungen. Der Schnee hier oben ist pulvrig und weich, gute Verhältnisse, auch wenn wir nicht die Ersten sind, die hier ihre Spuren ziehen. Wenn der Schnee tiefer wird, lehne ich mich zurück, weil ich denke, so falle ich nicht um. Doch schnell merke ich, dass das nicht funktioniert. Ich verliere sofort die Kontrolle über den Ski. Der Guide zeigt mir, wie es richtig geht: keine Rücklage, sondern den Körperschwerpunkt zentral über der Bindung.

Nun binden wir unsere Ski an den Rucksack und laufen ein Stück hinauf. Oben angekommen, gibt es ein Red Bull für alle. Das gibt uns den nötigen Kick für das bevorstehende Highlight: Wir werden uns an einer 80 Meter hohen Kletterwand abseilen. Als Nicht-Kletterer bin ich da schon etwas aufgeregt. Ich muss einfach dem Seil und dem Sichernden vertrauen. Dann braucht es bei mir eine tüchtige Portion Mut, den Felsen loszulassen. Ich rede mir ein, dass nichts schief gehen kann, stosse mich vom Felsen ab und schon hänge ich in der Luft. Das Seil hält, die Angst verfliegt und nach etwa 30 Sekunden bin ich unten angekommen. Was bleibt, ist ein unvergessliches Erlebnis.

Wir schnallen unsere Ski wieder an und fahren weiter. Ich gehe meinen Weg und stehe plötzlich wie vor einer Sackgasse. Das Gelände ist steil und wenn ich geradeaus weiterfahre, wird es zu steil. Also muss ich mit einem Schwung abdrehen. Doch das traue ich mir vorerst nicht zu. Viel Platz für den Richtungswechsel habe ich nicht und direkt unter mir wird es bald felsig. Erst als der Guide zu mir kommt, fühle ich mich sicher und mache den Schwung. Nicht sehr stilvoll, aber ich kann mich auf den Ski halten. Unten angekommen, finde ich, so steil und gefährlich war es doch wieder nicht – von unten herauf sieht das Gelände oft anders aus als von oben herab. Für das nächste Mal merke ich mir: Plane besser voraus, wo genau hindurch du deine Linie ziehen willst.

Was nachher kommt, ist wohl der Traum für jeden Freerider. Feiner Pulverschnee, 60 Zentimeter Neuschnee, viel Platz, purer Spass. Nur unberührt sind die Hänge längst nicht mehr. Viele nutzten wohl die Gunst der Stunde am Tag zuvor.

Wir nähern uns der Talstation Col du Pillon, unserem ersten Tagesziel. Es wird wärmer und der Schnee schwerer. Ich fahre beinahe in eine Tanne, weil ich zu spät merke, dass der Ski auf den Schnee ganz anders reagiert. Elegantes Skifahren sieht definitiv anders aus, aber wir schaffen es alle nach unten. Verschwitzt aber glücklich. Da kommt die Mittagspause gerade recht.


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